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PRESENTED TO THE LIBRARY BY
PROFESSOR H. G. FIEDLER
Bertrand Du⸗Gueſclin.
!
Ein Hiftorifches Rittergedicht in
vier Bädern mis erläuternden Anmerfungen
von .
Sriedrich Baron de In Motte Fouqué.
Erfter Theil.
Leipzig, bei Gerhard Sleifher, m 41821. a
/
Zueignung
an Se. Excellenz
den
Grafen von Gneiſenau,
Koͤniglich Preußiſchen General der Infanterie, vieler Hohen Orden Ritter, u. ſ. w. \
O Du, Der oft die treuen Blicke wendeft Nach Deinem Blücher, wo am Palmenftrand Er ſteht, von Glanz umflogen, | Doch öfter fie als treue Wächter ſendeſt Durch's ird'ſche Vaterland, |
Deu aufbläh’nd aus entroll’nden Sturmeswogen, — O ſchau' vom ernften, gegenwärt’gen Walten
Auch auf der Vorzeit herrliche Geſtalten!
Du liebft, mein Held, das Spiel ber holden Muſen,
Auch ſelbſt, wo nur aus fruͤhlingsheller Fluth Undinen taͤndelnd lauſchen, — Wie mehr noch trifft es Dir den tapfern Buſen, Wenn hoher Rittermuth Zum Siege dringt durch's kuͤhne Waffenrauſchen, Wenn Strahl an Strahlen webt zur Heldenglorie Nicht nur die Mufe, — nein, auch die Hiſtorie!
Schau, wie mein Bertrand, als ein gottges | | u zückter Kriegsdegen — Dir vergleichbar Wunden ſchlug Dem ſcheuslichen Tyrannen! Doch ſtrahlſt im ſtaͤten Siegen Du begluͤckter, So weit bis jetzt Dich trug Dein Schwung von Kolbergs willen zu ben | | Tannen Der ſchleſ'ſchen Berge, dann im Doppeifiege Zweimal bis an des Unheils blut'ge Wiege!
Begluͤckter auch, weil Deine gluͤh'nde Seele Die nahverwandte Heldenſeele fand,
Mit ihr fih froh ergaͤnzend,
Daß Keiner von den Beiden etwas fehle; Sa, überfül’nd den Rand, |
Dft Einer in des Andern Rüftung glänzend ! Gleich Dir Dein Bluͤcher weifen Plan verhängend, Gleich Deinem Blücher in's Sewähl Du fprengend!
\ D
So ſprengteſt Du mit uns auch kuͤhn bei Luͤtzen, Dem Heldenprinzen folgend, der uns rief, - &n fränffche Bayonette! — O fhöner Tag! O freudiglihes Blitzen, ‚ Das wie ein Ehrendrief Mich Dir verſchrieb, wie goldne Ehrenkette
Mich an Dich knuͤpft, zu allen, allen Zeiten Auf Dein: „Marſch! Vorwärts!’ ruͤſtig vorzus
(reiten.
Weißt Du, wie juͤngſt mir vor unreinem | E Dampfe Der Erdgewölle, vor der trüben Nacht Des Wahn’s, die See ergrante? Wie ich — was nie, Gottlob — im offnen Kampfe Mir abdrang Feindesmacht — Sehnfüchtig von der Bahn zuruͤckeſchaute 1—
Da neo Du; „nein, mein Dichter, fi fing’ Du
weiter!
Vor ſchritt ich auf Dein: „Marſch!“ erſtarkt und heiter
\
So ſchau' denn mild und froͤhlich in die Neihen, Zu deren ühnverfchlung’nem Heldentanz Dein Wort. mich hat entzündet, | Und gönn’ es mir, mein Held, ſie Dir zu welpen! Die Stern’ im reichen Glanz Sind alfverfchieden,, aber allverbuͤndet. Ich fuͤhl' es: freudig ſchaut auf mich hernieder Mein Frankenheld, nun Dein im Geiſt der Lieder!
% M. Fonque.
Dertrand Du:Gnefelin.
Bertrand Du-Gueſclin.
Erfter Gefang.
NE |
Was⸗ rauſcht Ihr ungewöhnten Klang's, Ihr
' | Saiten? Was winkt und jene fremde Kriegögeftalt, Umtoft von England’s und Hispaniend Streiten, Bon Frankreich's Bannern wunderfem umwallt? — Ihr wißt: wir find beftellt ia, zu sgeleiten Sermaniens Helden durch den Saflenwald, — And nun, mit Eins nah Welten hin entzügelt, Hat Euer Lied ein fremder Held beflügelt?
Da fluͤſtert Ihr vertraulich mie entgegen: „Wir kehren wieber bald auf jene Spur. u Doc bebt Dein Herznicht felbft mit Fühnen Schlägen Bor Deiner Väter ruͤhmlicher Natur? Schwand längft die Herrlichkeit der tapfern Degen, Die fhirmend einft durchblitzten Frankreichs Flur, So ziemt ſich's um fo mehr, den Ruhm der Cheuern Im ſtreng wahrbaften Eange zu erneuern; -
_ 4 %
4
Damit nicht jedes Hoffnungslicht verfchwinde, Das noch entfunfelt dem zertretnen Land, Und reich und fhön fich in der Vorwelt finde, Was heut’ nur kanm den herben Kampf beftand, - Aufrantend fih als blühendes Gewinde An hoher Ahnengeifter maͤcht'ger Hand." — ¶⸗ - D ja, mein Lied, noch gibt's dort blüh’nde Schoffen, Den frommen Helden der Vendee entfproffen!
Das hoffte je vom Juͤngling fraͤnk'ſchen Blutes Held Bülow und fein ganzer Helbenring, Ein Schwert Ihm reichend, Werkzeug Fünft’gen
Muthes,
Gleich ehrend den, der's gab und der’s empfing! — Da ſah man: wer ſich freut des ew'gen Gutes, Erkennt allwaͤrts der ew'gen Sonne Wink. Ob nah, ob fern die Saat iſt aufgeglommen, Gr grüßt fle froh, und heißt fie traut willkommen.
So laßt auch uns thun, edle Landögenoffen, Und folgt mir gern zu diefem Fühnen Gang, Der Spur nad von des edlen Bertrand's Roſſen, Die Felder durch, wo er fein Banner ſchwang! Ja, deutſche Thaten find Euch Hier erfchloffen, . Weil Frankreichs Adel deutihem Blut entiprang, Und fo auf galPfher Flur die holde Bluͤthe ‚ Des Nittesthums aus deutfper Kraft ergluͤhte.
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Fragt ſelbſt die Franken, ‚deren freu Erkennen, Ihr Vaterland und deffen Chatenreih’n Durchdringt in nen gewedter Luſt Entbrennen, Sonſt nur für Rom und Hellas wach allein.
Sie werben’s Euch mit freud'gem Ernſt befennen: „Ans Deutſchland kam ung Fräft’ger Sonnenfcheln, Und auch aus Nordland's wunderfamen Thalen, In tauſend und noch tauſend Heldenſtrablen! u
Sei mir gesrüßt im Sange denn, mein Ritter, Mein Bertrand Du: Guefelin, an Ehren reich, Arm wohl bisweilen an werthlofem Flitter,
Der Beffern Vordermann, den Velten gleich!
Vergoͤnn' das Lied mir Deiner Kampfgewitter !
Verwandt betret’ ich dieſes ernite Neid,
Beil BLZ aus Dein und meinen Stammbaum⸗ zweigen
Die gemen Montfaucon und Aſſe fielen! - -'
Mag nur mich neue Klugheit frech verhoͤhnen, Weil mich erfteut der alten Namen Klang! | . Stets wareii edle Väter edlen Söhnen Zu ſinnverwandten Thateh Sporn und Drang. Schon Vater Stiling hört’ in frommen Tönen Ja gern, was feinen Ahnen ſonſt gelang, Wie damals Det fi edler Bauetn freute, - Freu ſelben Recht's Ih 'mleh an Mittern heute ·
rn.
6 .
So röme in firenger Wahrheit denn, ‘ Ihr Saiten,
Im ſconen Maaß die aͤchten Kunden aus! Und was mich edle Kunſt vom Waffenſtreiten Gelehrt hat, und auch manch durchfochtner Strauß, Soll ernſt und anmuthvoll mein Lied durchgleiten, Erhellend dem Verſtand das Kampfgebraus. So ſang Homer ſchon Hellas alte Siege; Som wag' ich's nah, ich Sänger uugrer Kriege.
Doch nicht, wie gener, web’ ich bie: Sefiäte- Des eignen Fühnen Sinn's den Thaten ein, . Als Königin bier prange die Geſchichte, Und’ nur ihr eigner Traum und Wiederſchein: — Die Sage! — fpiel? im zauberifchen Lichte,, Wo fie von felbft fich beut, mit durch den Hain. Der Mufe bleib? ein einzig Spiel beſchieden: Ein Spruch, ein Lied manchmal in Krieg und Frieden,
Das wird fie — ih vertraw ihr — fo erfinnen, Wie jene alte Zeit es liebt’ und fang, Die gern ja ſtets ihr Trauern, Fechten, Minnen Mit Liedesbluͤthen wunderhold durchſchlang. Und fehlte meinen Kunden dies Veginnen, Dies heit're Lebensſpiel mit finn’gem Klang, Sp würde, flatt mie Kraͤnze drum zn fpenden, Die aͤchte Wahrheit fireng’ fih von mir wenden.
-
7 _.
-
Nein, fangvertrau’nd und fangbeffügelt nah’ ih, Bretagne, Dir, Du heitred Kuͤſtenland! Zwar nimmer mit des Leibes Augen ſah ich, Doh oft im Geift fhon, Deinen edlen Strand, Und heut? mit frend’gem Liebesgruß umfah? ic Buſch, Biel und Baum und blauer Ströme Band; Und gruß’ Dig, Schloß Broon, Du ebler Heerb Der Du-Gueſclins, mild, einfach, ehrenwerth!
So hatt'ſt Du ſchon jahrhunbertlang empfangen ‚Den frommen Pilger, abgewehrt ben Feind,
Als Butgherr'n Robert's Hochzeitharfen klaugen, Und ihm Johanna Malemains ward vereint.
In's Schlafgemach ber edlen Gatten ſchuangen Sich Traum und Ahnung, raͤthſelhaft vereint,
Und rangen ſanft, die Zukunft abzuſchildern
Bor. Frau Jobanna's Geiſt in dieſen Diem:
PL
Ihr wiews, man ſende ihr einen attigen
Schrein,
Inwaͤrts mit ihren und des Gatten Sildern,
Und außen blank von manchem Edelſtein;
Es webten ſich zu Ranken und zu Schildern”. . Smaragd und Demant — Drei von Jedem. — ein, Und wie um ben zu Fühnen Glanz zu mildern, .. - Verftreuten durch den wunderlihen Flammen: .. Drei Perlen ihren ernſten Thraͤnenſchimmer.
—
2
Und wie fie ſtaunend nun bad Kiſtchen wandte, Da zeigte, deckend ganz die andre Seite, Ein truͤber Kieſel ſich mit ſcharfer Kante, Zu grob, zu groß dem zierlichen Geleite Der blaulen Steine. Frau Iohanna fandte ' Den Blid umher: „o daß mir wer befreite Den zarten Schmuck von biefer rohen Buͤrde!“ "Da trat ein Maun herzu voll edler Wuͤtde.
Ihr habts wohl ſelbſt in Träumen ſchon etlebt, Daß ſo ein ſeltſam Bild kam hergegangen, Halb. hust, halb fremd, von Grau’n und Huld
belebt, Zichtſchimmeernd halb, von Nebeln halb umfangen. Man kennt es nit, — und doch, — das Herz erbebt Vor feinem Wort in:Schen und in Verlangen. So, deut’ ih, in des Raͤthſels Luſt und Bann Trat hin zur Frau Johanna diefer Mann.
Er ſprach: „Euch ſcheint der Kieſel roh und ſchlecht; So thut's das Befte oft ia dieſer Welt. Doch gebt ihm unverdroſſen nur fein Recht! Reibt, glaͤttet ihn! Dazu ſeyd Ihr beſtellt.“ — Sie that's. Da ſtrahlt' als Demant ſtolz und aͤcht Der finfite Kieſel, wunderſam erhellt! Weit überglänzend nun bie kleinern Steine, Lich ex dem Kleinod Werth und Pracht alleine!
9
Doch in bie Luft brach eine Traurigkeit. ' Denn wie die Frau das Kdftlein aͤngſtlich drehte, Als fei’ den andern lieben Lichtern leid, Daß um den Herrlihen. man fie verfhmähte, — Da war die Eine Perle fort! — Und weit Am Traume zog — bie wach der Hahn fie kraͤhte — Die edle Frau wie hin dur Nachtgefilde, Und fand die Perle nicht, die füße, milde!
Erwachend endlich an bes Gatten Seite Mit gluͤhendem, bethränten Angelicht, Gab fie ihm Fund, was fie betrübt und freute, Auch felbft um Träume huͤtend ihrer Pflicht. Der fprah: „genug, daß treu ih Dich geleite! Beftag’ Du Ahnung, Traum und Schatten nicht. Dergleihen fpielt nur allzutähnlich neckend Durch unfer Land: heut lockend, morgen ſchreckenb.
Das kommt von Zaubrer Merlin's wirren reiben,
Das er in grauer Zeit hier het verführt. Da kann dies Land noch gar nicht ruhig bleiben, Von Träumen unb von Fabeln ftets berührt. Sie meinen aud, mit Rechnen, Grübeln, Schreiben Hab’ er die Zukunft wunderſam erſpuͤrt; Sp wuͤrd' ein Adler einft mit Sperberſchaaren Von hier in's Land der Pprenden fahren! .
4, | Das deuten fie auf einen Held und Führer, \ Dem viel der mindern Krieger ſich geſchaart.“ — „er weiß,” — fprab Frau Johanna, — „ob die
Spürer '
Der Zukunft ganz geirrt! Mid duͤnkt die Fahrt
Des Adlers ſchoͤn!“ — „Meinthalben! So volführ’ j er’ —
Spricht Robert laͤchelnd — „ſie nach kuͤhner Art, Und ſey, will's Gott, aus Dein und meinem Stamme, Dem Herzogthum ein Licht, den Feinden Flamme!“
Sie brachen jetzt ihr ernſt Getaͤndel ab; Gluͤckwuͤnſchend ließ der Hochzeitlaͤrm ſich bören.—
: Seitdem verfanf, wie Sonn’ in Meeresgrah,
Wie untergeh'ndes Mondliht hinter Führen,
Die bunte Ahnungswelt, Tagauf, tagab
Bing hin dieiZeit ohn eines Traum's Verſtoͤren.
Sechs Kindlein blühfen nah und nah im Lauf
Des frommen Ehbunds um Johanna auf;
Und Alle recht der Aeltern Herzensweibe ! Nur Einer nicht: Bertrand, der erfie Sohn, Begruͤßt vor Allen doch mit fhönfter Freude! Nun gab dafür zuruͤck er bittern Kohn.
Herrif und rauh bereits im Flügelkleide,
Wuchs täglich faft fein Zürnen, Schelten, Drohn. Furchtbar warb er den zitternben Geſchwiſtern; Die Diener .mieben ihn mit fcheuem Fliſtern.
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Mas irgend Trotz und Unart nur mag heißen, Man ſah's allfanımt in dem fehsidhr’gen Anaben. Der Schweftern Kleidchen pflegt er zu zerreißen, Auf feiner Brüder Steckenroß zu traben,
Was man ihm fchenfte, tobend wegzufhmeißen, — Doch was man weigerte, das wollt? er haben; Und einen Stock fchleppt’ er in beiden Händen, Um rechte und links Schläg’ ohne Maaf zu ſpenden. —
Einſtmal — Herr Robert "war vom Haus , geritten —
Saß Frau Johanna mit den Kindern allen Beim Mahl’ in ihres großen Saales Mitten; Nur Bertrand nicht, Der ließ fih nie gefallen,’ Was irgend Ordnung hieß und feine Sitten. Mit beiden Händen griff er wie mit Krallen Stets frech nad Zleifh, Semäfe, Brot und Wein, Drum aß er längft am Kleinen Tiſch allein.
Laͤngſt hatt? er’s auch im ſtillen Trotz ertragen, Doc heute juft erträgt er's länger nicht. Er tritt zum Tiſch, und fagt: „muß ih Euch ingen, Ahr jüngern Brüder? Denkt an Eure Pflicht. | Gebt Raum! Der ziemt mir ſchon feit vielen Tagen.” Sie ziehn fih ſtill zuruͤck, fo wie er fpricht, Die Dintter fchweigt, und denkt mit Wohlgefallen, Nun rege fich des edlern Geiftes Wallen.
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Doch kaum hat unfer Bertrand Ylap’am Tiſche, So greift er auh nad allem nur Entdecklichen; In Eupp’ und Fleiſchbruͤh' taucht er keck die File, Und auch Glaret und Wein mit gar exfledlichen, Mannhaften Zügen trinft er im Gemiſche. Stumm beben die Gefchwifter vor dei Schre@fihen ; Die Mutter heißt ihm warnend aufzuhören, — | Doch Meifter Bertrand laͤßt durch nichts fich ſtoͤren.
Da tuft fie drohend: „mun ſo bleib verbannt Zum Knechtestiſch anf ftets, wie heut’ und geſtern!“ O Himmel, wie er umſchaut zornentbrannt!
Doch wagt er’s nicht, der Mutter Wort zu laftern. Nur blos den Tiſch faßt er mit ftarfer Hand,
Und wirft ihn um auf Brüder und auf Schweitern. Die Kleinen ſchrei'n, die Mutter mit; zuſammen Lanft alle Welt, als fteh’ die Burg in Flammen.
Zu dieſer Stunde trat in's Schloffesthor Vom nahen Münfter eine Klofterfran; Sie war ein weiſes Indenkind zuvor, Ein Arzt ihr Bater, tiefgelehrt und fchlau, Die, Zulunft deutend and dem Sternenchor, Dem Sonnenantlitz, dem Gewittergrau, Und mad nur fonft noch für pröphet’ihe Zeichen
Theils donnern durch die Belt, teils heimlich
lſoleiden.
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Die Jungfrau aber, im viel edlern Ringen Nach hoͤherm und geheimnißvollerm Willen, Ließ ab von all dem irdifch eiteln Dingen, Nur dep allein, was ewig währt, befliſſen. Da mußt’ es wohl dem treuen Much gelingen, ' Das ihr die naͤcht'gen Wollendeden riffen, Und fie hineinfah in die Morgenfchöne, Die Jedem zeigt, wie er ſich Bots verfühne!
Jedoch gewohnt an Denkens ernfte Mühen, Begab fie finnenb in ein Klofter fich, Und ließ im frommen Geifte fürberglühen Den feel’gen Funken ftil und freubiglich- Und was von ihres Wiffens früberm Blühen, Sich Act bewährend, jeßt nicht von Ihr wih, Das nupte fromm fie zu dem Hell der Kraufen, Drum ließ man gern ihr frei des. Klofterd Schram
fen;
Damit fie nach wie vor den Sau durchwalle, Huͤlfreich eftmal noch ehr, als man fie hat, Ein freundlich lebenkuͤndend Bild für Alle, Behuͤtend duß’res Gluͤck und iun’re Saat. — So trat fie jeht auch in Johanna's Halle, Um irgend einen heilfam frommen Rath Borlängft ſchon von der edlen Frau beſchieden, Und kam nun juft zurecht mit Troſt und Trieben, '
14
: Denn wie von ihrer Nähe man vernahm, Ward ftill alsbald Geſchrei und lautes Wort, - Und felbft den Frevler Bertrand faßte Schaam, Daß er zurüdwih zum gewohnten Ort, Zum Winfel, wo ihm Niemand nahe kam, . : Saft wie ’nem Kriegefhiff in bewehrtem Port.‘ Doch Fran Johanna ließ die Tafel richten Auf’s neu mit edlen, Eöftlichen Gerichten.
s
Die Fremde tritt herein: Ernſtgruͤßend fendet
Sie ihre dunkeln Augen durch das Zimmer. Doch plöglih haften, wie entzüdt, geblendet Bon unverfehnem, überreihen Schimmer, Sie auf dem Knaben Bertrand, und es wendet — Man ſah fo flaunend demuthvoll fie ninnmer! — Die Klofterfran fih grüßend ihm entgegen,
Und. fpriht: „Gluͤck, holdes Kind, fei Deinen We: gen!’ —
: Der Knabe ſtutzt. Auf's neue fühlt er wallen Sein Blut, und hat die Faſſung ganz verloren. Denn freilih, von der Sprache Wörtern allen Kam's Wörtlein Hold am mindften ihm zu Ohren. Drum ſchret er fänfteballend durch die Hallen: „Du mad’. Di fort, und ſpaß' mit andern Thoren! Denn wagft Du’s, irgend mir zu nah zu kommen, — Siehſt meinen Stod ?— das fol Dir ſchoͤn bekommen!“
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Die Nonne ftaunt mit ehrerbiet’gem Neigen Das Tee Drdw’n des wilden Knaben at, Und ſpricht: „o, wollt Dich gütig mir erzeigen, Weil Demuth fiets bei Helden Huld gewann. Den Troß, die Unart, jetzt bem Kind noch eigen, Verzeih ih willig Frankreichs größten Mann. Der iſt's, mein Kind, der fi in Dir bereitet, Und adlergleich fchon geift’ge Fluͤgel ſpreitet.“
Kaum hörte im rafhen Hin: und Wieder: eilen, Der Speifemeifter, als er vorlaut fpridt:. „Die Stan verfteht vieleicht ſich gut aufs. Heilen, Jedoch aufs Prophezeih’u wohl eben nicht. Das wär ein kluges Schidfal, auszutheilen An diefen Bertrand Glanz und NRuhmeslicht! Ein grill'ges Schickſal! — Nein, viel andre Gaben ‚ Bereit’! dem, dem Schlimmften aller Knaben !"
Die Nonne läht ben frechen Diener plaudern, Und wendet fragend zu Johanna fih: „Iſt's Ener Sohn, der dort mit troß’gem Zaubern Im Winkel lauert Ted und wunderlich?“ Johanna feufst, und ſpricht mit bangem Schaudern: „Die Mutter, ach, die ihn gebar, bin ich! Doc glaub' ich, rief ihn Gott von dieſer Erden, Nicht Gluͤcklichers koͤnnt' ihm zu Theile werben,
16 |
Sol denn ein Dorngeflecht mit Stachelzweigen Die Blumen ftets erfiidenber umfaſſen? Recht tief fih wurzelnd in die Erbe neigen, Daß fie mit tieferm Weh es dann muß laſſen? Der hoͤchſte Gdrtner, dem der Grund iſt eigen, - Reißt doch, zu rein’gen feines Gartens Saflen, Den Strauch einft vom erdmuͤtterlichen Herzen. Ach kommt denn ‚bald, denn kommen müßt Ihr, Schmerzen!“ —
Die Nonne laͤchelt ernſt. Den dunkeln Blicken
Entſtrahlt etwas, wie zartes Morgenlicht. Sie fluͤſtert: „wann ung Gott will Frohes ſchicken, Wir blinde Menſchen kennen's lang’ erſt nicht. Wir ſcheu'n Gewitter, wo ſich zum Erquicken Des Landes ringe wohlthaͤt'ger Seegen flicht.
Erſt wann die Wolke ſchwand, die ſcheinbar drohte, Ruft man ihr banfenb nach: Preis, holder Bose!
Auch kniet man ſuchend oft auf niedern Mooſen, Verliebt in Fruͤhlings erſte, matte Spur. Der höh’re Zweig verhuͤllt noch feine Roſen, Und zeigt der rauhern Luft die Dornen nur. Doch laßt den holden Juninshauch ihn ofen, So flammt er auf in herrliher Natur, And Schmetterling und Lied und Mädchen tingen, Wer fhönften Preis der Koͤnigspracht fol bringen!
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Ein Diener war indeß herbeigefommen;; Er trug anf goldner Schüffel einen Pfau. Doch ſchnell hat Bertrand den ihm abgenommen, — Nicht wie er fonft wohl pflegte: harſch und rauh, — Kein, zierlich, wie ſich's ziemt für einen frommen, Sittfamen Edelfucht. Der Klofterfrau Bringt er das Prahtgeriht mit edlem Neigen, Und fpriht: „wollt Snad’ und Huld an mir erzeigen!
Verzeiht, was ih Unart'ges angefangen! — Wohl iſt's ein eigen Ding um das Veizeih’n, Denn um wie fhlimm’rer Frevel ward begangen, Bringt es dem Guͤt'gen mehr des Ruhm's noch ein.” Dann iſt zum Scenttifh ernft er hingegangen, , Fuͤllt ein gefhliffnes Glas mit edlem Wein, Bringt es der Nonn', und fpriht: „wollt mir's
\ gewähren, Su Liebe mir dies Eine Glas zu leeren!”
Die Mutter ftaunt; fie Eennt den Sohn nicht wieder! Die Nonne liebkoſet ihm, und fpricht aufs neu: „Fuͤrwahr, Du wirft ein Ritter groß und bieder, Voll zarter Huld und edler Heldentreu.“ — Der Kuabe winkt; fie beugt fi zu ihm nieder; Er fläftert ihr in's Ohr mit wilder Schen: - „Wie koͤnnt Ihr denken, daß aus mir was werde? Mich höhnen Sucht’ an meinem eignen Heerde!“ 2
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Die Ronue ſtillt ernſtfreundlich feinen Schmerz; Die Muster, die fein firenges Wort vernommen, Fuͤhlt firafend es gebrungen an ihr Herz, And Beidan ift Die Luft am Mahl benommen, Und an gleichguͤlt'gem Kifchgefpräh und Scherz. Sie eilen, in ein Hill Gemach zu fommen, Und dort laͤßt zwiſchen Hoffnung, New und Graͤmen Sich Frau Johanna Gueſclin fo vernehmen:
„Gin wunderfgmes Wort habt Ihr gefprochen, Mein Knabe hat fih wunderfam erzeigt, Und meines tiefften Lebens Pulfe pochen; Doch, faß’ ich nach der Hoffnung, — fie entweicht! Wißt, daß an Schelten, Schlagen, Draͤu'n und Pochen Der ſchlimmſte Knabe noch nicht diefem gleicht, Ja, daß Here Robert oft fein Haus vermeidet, Weil's diefer ihn, fein aͤlt'ſter Sohn, verleidet!
AUnd eben der. fol — Bett! — Ihr feht mid | zweifeln,
Dach Heli zugleich auch, dab Ihr Recht behaltet! — Juſt eben Der, hefeflen wie von Teufeln, Er foll es fepn, der unfer Hans gefaltet | Zu zeiner Herglileit 3” — Die Augen: trdufeln Der fanften Frau, Be ihre Hande faltel, Und ſeufzt: „er bringt mir tauſend bittre Wehen; — Mit Gott Wenn's ihm zum Hoil uur mag geſchehen!“
19
Zugleich gedenft fie. an das Traumgeficht, Das ihr. das Kaͤſtchen mit den. Steinen wies, Gie Fündet es der Kloſterfrau. Die ſpricht: „Der Kieſel, der fo wenig erft verhieß, Und Demant ward voll wunderbarften Licht, Das iſt der Sohn, den man beinah verſtieß, Und den Ihr ſorgſam glätten müßt und begen, Damit ex leuchte’ als der Geſchwiſter Segen.“
Dann Tündet fie noch von den Undern allen, Den Knaben und den Mädchen, die zum heil Hellblühend ſchon um Frau Johanna wallen, Theils erſt entſprießen aus der Zukunft Heil. Doch dieſe leichtern Dinge laß' ich fallen;
Uns drangt des Bertrand Heldenlauf zur Eil; Auch ſprach nochmals die Nonne: „‚forgt genau Fuͤr Euern Demantkiefel, edle Frau!
Ihr werdet's thun! She Habt den rechten Sinn. Den haltet feſt, ſo kann es Euch nicht fehlen,” — Dann ſcheidet ſie, und zieht zu Andern hin, Die huͤlfsbeduͤrftig ſchon die Stunden zaͤhlen. Und Frau Johanna eilt, als Hausherrin Den Dienern und den Zofen zu befehlen, Daß Jedes kuͤnftighin mit Wort und Neigen Dem Bertrand mild und hold ſich ſoll bezeigen. 2*
—
20
un Ä
Das gab zu Anfang in dem Schloß ein Stannen, Ein Zweifeln! Jeder flüfterte: „wie nun? | ent wird er wie ein Kobold erft rafaunen, Und ſich mit aller Unart guͤtlich thun. Bor feinem Poltern, Schlagen und Pofaunen Auf Pfeif und Schlüffel wird nun Niemand ruh n!⸗ Wer etwas furchtſam war, dacht' ohne Saͤumen Nur lieber Schloß Broon alsbald zu räumen, —
Ihr kennt das Lied, das uns ein edler Meiſter Vor Jahren ſchon in goldne Saiten ſang Von Oberon, dem freundlichſten der Geiſter, — und wie vor ihm ein thoͤr'ges Grau'n bezwang Den muth'gen Scherasmin, dem immer dreifter Das Herz fonft ſchlug in größrer Nöthen Drang. Umfonft rief Oberon: „o fomm zurüde, Huͤon! Du fliepft? Du fliehſt vor Deinem Gluͤcke!“
Knapp Scherasmin rip Ritter Huͤon's Roß Gewaltſam mit in toller Angſt am Zuͤgel, Bis Oberon zuletzt im Zorn ergoß Blitz, Sturm und Regen über Thal und Hügel, Und erft die milde Fruͤhlingshuld erſchloß, Als jene Flucht geſenkt die muͤden Flügel, — So reißt man oft den edelzarten Sinn Durch Trotz und Scheu zum wilden Grimm erſt hin.
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Doch wo man nicht mehr flieh’nd ihn Tann er: bittern,
Und fo, gezwungen ruhig, fih ihm naht, Da keimen Sonnenlichter aus Gewittern, Und Grüße hold und lieb aus zorn’ger That. Kaum ließ vor Bertrand nach das thör’ge Zittern, Der ſcheue Trotz, gezähmt durch weifern Rath, So fah man wie verwandelt auch den Knaben Im Kranze blüh’n von taufend fchönen Gaben, -
Man fragte fich erftaunt: „tft bag ber Graͤuliche, Bor dem die andern Kinder al?’ entliefen ? Der Nedende, der immerbar Abfcheuliche, Vor dem nicht Pferd noh Hund in Ruhe ſchliefen? - Jetzt hilft er allerwärte, der Holde, Treuliche, Noch eh’ Beduͤrft'ge nur um Huͤlf' ihn riefen, Und weiß mit Rath und Gruß und Beifallniden " Jedweden bei der Arbeit zu erquicken!“
Die Mutter felbft muß fih verwundert fragen: „Iſt das mein Bertrand, oder ift er's nicht? Sonft über ihn von allen Seiten Klagen!
Sept Lob um Alles, was er thut und ſpricht!“ — Ju dieſen höchft erfiaunenswärd’gen Tagen
Kam nad erfüllter Lehn- und Ritterpflicht
Froh font, nur trüb’ um feines. Bertrand Sitten, Herr Robert heim nah Schloß Broon geritten.
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Kaum grüßt er nur des Burghof alte Linden, So fpringt ein edler Knab', als hatt? er Flügel, Hernieder von ded Wendelſteig's Gewinden, Und hält dem Hausherrn fittig ernft den Bügel.! „Die Mutter und die Schweitern könnt Ihr fin:
den’ —
So fpriht er — „In der Burg oͤſtlichem Flügel, Mo all die Lieben fehr nah Euch fi fehnen, Oftmal die Augen feucht von holden Thraͤnen.“
Herr Robert fat, — und ſtammelt faſt — und ſpricht: „Wie? Traͤum' ich? Biſt denn Du mein aͤlt'ſter Sohn?“ — „Die Ehre hab’ ich, Herr; Ihe irrt Euch nicht.“ — „Du Bertrand?“ — „Herr, ſo heiß' ich lange — | u fhon. Nur leider, oft vergeffend meiner Pflicht, Verdient’ ih nie der Vaterliebe Lohn, Do jetzt bin ich ein Andrer ganz geworden: Einſt — ho ih — Bier dem ritterlichen Orden!““
Roc immer Kann Here Mebert fih nicht faflen; Da tritt Johanna frohbewegt herand, Und-fpriche ihm zu: „der Gram ift und erlaffen, Die Arende nimmt Befig von diefem Haus,
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23 Weit mehr als da, mo jubelnd Deine Saſſen Uns heimgeleiteten vom Hochzeitſchmaus. Seitdem. ging Die Dein dlt’fter Sohn verloren; Jetzt haft Du ihn, jegt ift er new geboren!’
Und fo num führt fie mit erfteutem Koſen Ihn in der andern holden Kinder Kreis, Und was die Nonne ſprach von niedern Mtoefen, Wo Bluͤthen gleich der Bli zu finden weiß, Und von verhuͤllten, wunderhohen Rofen, — Sie hat’s im Sinn bewahrt mit treüem Steig, Und Fünder’s ihrem Herten, Ihm froͤhlich ſchmeichelnb, Ind ihres Bertrand’s wilde Leuten ſtreichelud.
Die frohe Wahrheit dringt mit frohen Schrecken In Ritter Robert’ hohe Seele ein. Er füßt den Sohn, den immer muth'gen, kecken, Und der nun bald und lieblich auch will fein; Er ruft: „o Du, wie fpdt mußr? ich entbecken AU Deinen Werth, Da ſcharfer Demantitein t Nun fei fortan ed auch mein liebſtes Trachten, Did, jedes trüben Fleckes zu eutnachten!“
‚And ehriam Hat Here Robert Wort gefallen. Nicht nur des Roffebänd’gend eble Zietr, Den Schwerkfhieb und ber Streiturt kraͤft'ges Spalten, Den Lanzenſtoß in. Eruſtkampf und Turnier, —
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Nein, auch der beiten Feldherr'n hohes Walten! Non Aſia bis zum heimifhen Revier
Wußt' er als reihe Saat zufünft’ger Ehren: Den fühnlih edlen Zögling treu zu lehren. -
Wohl waren’s fhöne Stunden, wenn der Held Den kuͤnft'gen Helden lehrte, fih zu fhirmen, Dem väterlihen Hieb, zum Stoß gefellt,
Das Schild als feſte Wehr emporzuthärmen, Dann wieder raſch, daß Helm und Klinge gellt, Den tranten Gegner heftig zu beſtuͤrmen,
Dann auf der fand’gen Neitbahn vor dem Schloffe, Su tunmeln bald, zu zähmen bald die Roſſe;
Doch fhöner war die ftille Abendftunde, Wo, angeftrahlt vom traulihen Kamin, R . Der Vater feinem Sohn die ernfte Kunde - Der tapfern Vorwelt ließ voräberzieh’n. Wie hing der Schüler an des Lehrers Munde, Doch auch wie fah der Lehrer froh auf ihn, Wenn klar der junge Seldherr’ngeift in Lichtern, Aufftieg vor alten Heldenangefihtern: .
Jetzt, kuͤhn rechtfertigend das rafhe Wagen Des Alexander! Jetzt voll edlem Zorn. Um Zerres matt: unköniglihes Sagen! Sept trunken von bem heif’gen Todesborn
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Der Sparter, bei Thermopplä erſchlagen,
Und doch in weicher Bruft den Schmerzensborn, Daß man fie dort fo einfam ließ erfterben,
Wo fie nur Tod, nicht Sieg mehr Fonnten erben!
Dann gab er wohl fih in ein fitt’ges Streiten Mit feines viterlihen Meifters Rath, | und ſchlug bald vor, die Schaaren ſo zu leiten, Bald fo: zu höh’rer, glüfbegabt’rer Chat.
Das Elang denn zwar wie Kinderfpiel zu Zeiten, Doch oft war ihm: ein gröffrer Geift genaht, Und Vater Robert dachte ftillverfchwiegen; „Wirſt, junger Aar, mich Alten überfliegen !.
O ſeel'ge Ahnung, Du für eble Herzen, Die fidrf’re Nachwelt überflügl’ ung weit, Wie wandelt Du in Jubel alle Schmerzen, Du Vorbild himmliſcher Unfterblichkeit,
Wo laut'res Gold erwacht aus dunfeln Erzen, Die- fi der ew’ge Bergmann hat geweih’t, Laß Du auch uns im finftern Erdenwallen Dft Deinen Lichtbli in die Seele fallen! —
Ein großer Ahn, ſtatt traͤg' und zu begrängen, Winkt ernft herab: „weit mehr als ich noch thu? 1 Drum eile Jeder ftets mit fhönern Kraͤnzen Den früher fchön befränzten Vätern zu!
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Laßt über jedem Heldengrab erglänzen
Weir Höh’ren Steg and mild’re Friedensruh! So werben volle Sarben aus der Halmen, So kraͤnzen all' uns ew’ge Siegespalmen!
Erlaͤuterungen sum erſten Geſange.
Seite 4: .
„Das hoffte javom Jüngling frän® {hen Blutes u. f. w.
Ergriffen von der frommen Ritterherrlichkeit, die ſich in dem Kumpfe der Helden aus der ſogenann⸗ ten Dendee offenbart, ſchenkte ber felige General Graf, von Blow :Dennewig an der Spiße feines Dffiziercorps im Jahre 1315 der Wittwe des Herrn von Lescure und in zweiter Ehe von Larochejaquelin ein ſchoͤnes Crucifix und zwei Altarleuchter, dem noch unmändigen Sohne des Herrn von Larochejaquelin aber ein pracht = und ſinnvolles Schwerbt nach der Idee und Zeichnung des genialen Geheimerath Schinkel. Die Beſchreibung dieſes Kunſtwerkes mag hier eine Stelle finden.
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"Den kreuzfoͤrmigen Griff ſchmuͤcken Lilien, oben am Knopf eine Königsfrone, zu beiden Geiten der Parirftange zwei Adler; in deren Mitte ein Schild mit dem Erzengel Michael, dem Drachenfieger, — als Schutzpatron Frankreichs, und ald Symbol des Guten, wie ed das Böfe bezwingt, fiber: haupt, Am obern Ende der Scheide fieht man zwei Nitter, fih vor Altar und Evange— lienbuch verbündend, über ihnen die Taubengeſtalt des heiligen Geiftes, Dann folgt eine franzoͤſi ſche Inſchrift, dann die Jungfrau von Orleans, dann zwei Lilienſchilder. Auf der Nüdfeite der Scheide, ber Jungfrau gegenüber, der heilige Ludwig, und die oberwaͤhnte Infchrift deutih. Sie heißt: „Ge⸗ weiht von den Offizieren der preußifhen Armee Heinrich de la Rochejaquelin, dem Sohn Ludwigs de la Rocheiaguelin, dem Neffen Heinrichs de In Rochejaquelin und Ludwigs de Lescure.“ — Möchte diefe Erinnerung dazu Beittagen Finnen, den Me: moiren der Fran von Larochejaquelin über den Vendeefrieg — diefen Achten Zundgruben aͤchter Sefinnung gegen Gott und Menſchen, wie auch friegrifher und politifher Weisheit — recht viele Leſer zu verſchaffen!
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Geite 5: „Weil ja aus Dein und meinen Stammbaumzmweigen Die Kamen Montfaucon und Affe fteigen. Das vorzüglich diefer Darftellung zum Grunde gelegte Werk mit Namen: „Histoire de Bertrand du Guesclin, Connestable de France et des royaumes de Leon, de Castille, _ de Cordoue, et de Seville, Duc de Malines, Comte de Longuewvilles etc. composede nouvelle- ment, et domde au public avec plusieurs Pieces originales touchant la presente Histoire,- celle de France et d’Espagne de ce temps lä, et par- ticulierement de Bretagne. Par Messire P. H. Seigneur D. C. A Paris 1766. fagt in der Genealogie des Hauſes Du sGuefelin ©..278: | „AII se trouve une Agnes Du- Guesclin maride dans bancienne Maison d’Asse pais du Maine à Hubert d’Asse en 1340. J’en ay veu les actes, mais on ne sgait de qui cette Agnes etoit ällle, peut-estre estoit-elle soeur da Connestable: Dr’elle et de son mary est issu par succession “ de temps Messire Charles d’Asse aujourdhuy Seigneur de Montfaucon et mary de Dame Renee de Godden.“
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Sn des Dichters Stammbaum findet ſich folgende Stelle: \ Guillaume de la Motte Fouqud, Chevalier Seigneur de la Motte et des Chastellanies de. Monifaucon, d’Asse et de Ballon, passa une Transaction avec Robin Seigneur de Sille, le Mecredy d’apres le Dimanche que bon chanie : Reminiscere de Yan 155%. On croit que west ce Guillaume qui epousa Balonne: de Mont- faucon.
Noch im 3. Gliede von da an, im Jahre 1424, zeigen fih die Namen Montfaucon und Affe. in dem Stamme der La Motte Kougue, und da zu jener Zeit beinah fo wenig Güterhandel unter Edelleuten ftatt fand, als unter Fuͤrſten — höchfteng finden fi wirkliche Abtretungen von Lehen und Be- fisthümern um Geldhülfen in der Familie felbft, — fo wird es einleuchtend, daß eine Verwandtſchaft zwifhen den Häufern Du-Gueſclin und La Motte Fonque Teatt finden mußte. Zwar war die erſte bretagniſchen, die zweite normannifchen Urſprunges, doch heiratheten bekanntlich die Familien beider Provinzen häufig herüber und hinüber. In einer— ih glaube durch Ludwig XIV. befohlnen — bre: tagniſchen Adeldunterfuchung wurden auch die La Motte Fouque’s ale dorthingehörig in Betracht ge: zogen und in ihren Würden beftdtigt, .
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Eine genaue Nachweiſung war hier wohl un: umgänglih, wenn ich nicht meine Freude an jener Verwandtſchaft zurädhalten wollte. Das wollte ich aber nicht. Wo mein lieber, mir auf Erden fehr befreundeter Vater Stilling voranging, darf Unfer: eins fchon unbedentlih nahgehn. Was diefer von feinen Ahnen erzählt, Liest ſich am beften im Stilling’s Jugend felbft nad, einem der hol: beiten und reinften Büchlein, das unfte Spree kennt.
Seite 5: „Fragt ſelbſt die Franken“ u. ſ. w. Siehe unter Andern das Werk des Herrn von Montloſier, sur la monarchie francoise, welches Adam Müller durch geiftreiche Auszüge in feinen Staatöanzeigen den deutſchen Volitifern in der Hauptſache bekannt gemacht hat! —
. Der Vollftändigfeit wegen mag hier die ganze Prophezeihung der Nonne aus dem obenangeführten Werte, ©- 6 u. 7, ſtehen, wovon das Gedicht nur einen Theil aufnehmen Fonnte:
„La religieuse lui repondit - que cette boöte,
dans la quelle elle eroyait voir les portraits de
son mary et d’elle, representoit leur Maison, et que les pierreries, dont la boöte etoit environnee,
!
31 .
pouvoient s’expliquer de leurs enfans, et ainsigne le diamant brut, qui Iny avoit semble etre devenu si merveilleux, signihoit son fils aisne, qu’elle verroit un jour Grand et Illustre, si elle prenoit soin de son education; que par les autres dia- mans elle pouvoit se promettre trois autres fils de grand merite, mais non pas autant que leur frere; quelle auroit trois filles marides, qui luy etoient designdes par les trois emeraudes, le verd estsnt la couleur de Venus, la Plauette des „Amours; quwelles vivroient dans Je mariage avec une puret& pareille à Ja purete de ces pierres precieuses ; qu’enfin les trois perles luy devpient faire esperer trois aufres filles, qui ne seroient point marides; et que la perle, quelle croyoit avoir perdu&, signifiait, quelle verroit mouxir une de ses filles; que pour luy dire en un mot ge qui se pouvait pressentir du petit Bertrand,“ u. s. w.
‘Denn bier wieberhoft ber Ehroniſt mit ſtan⸗ zoͤſiſcher Redſeligkeit, was er bie Nonne fihon Elu⸗ mal ſagen ließ, und was auch das Gedicht ausge⸗ ſarochen hat. — Die Weiſſagung ward an- allen Kindern erfuͤllt, ober viellelcht auch nach ben ſpaͤtern Ereigniſſen arſt von der Sage ſelbſt genauer aus⸗ gebildet, |
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Bertrand Du-Gueſclin.
Zweiter Gefang.
Fin Kinderglaube fpriht: „der Negenbogen Stemmt irgendwo fih auf den Baden feft, Und wem ein günft’ges Gluͤck iſt fo gewogen, Daß die gefeite Stel ihn's finden läßt, Der fieht dort eine Schüflel, ſchwergewogen Aus lauterm Gold, wie eines Kaifers Feſt Sich bei der Krönung ihrer dürfte ſchaͤmen, Und darf fie keck mit fih nah Haufe nehmen!“
Wohl mehr ſchon, denn Ein Paar von Heinen Süßen Iſt nach der Schüffel frifh Hinausgerannt, Gefpornt vom Hoffen, Gluͤck nun werde grüßen Ganz nah, ganz nah, dort hinter'm Hügelrand. Kind, Den ereilft Du! Doc den Glanz zerfließen Siehft Du zugleich, fiehft fern ihn fortgebannt, Und weiter geht's mit Suchen und Nichtfinden, Bis Tag und Hoffnung Die in Naht ver ſchwinden.
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D Bild Du aller Wuͤnſche dieſes Lebens, Des Wahn's, man find' ein voll Genuͤgen hier, Des ſtets betrog’nen, ſtets erneuten Strebens Nach ew’ger Luft auf wellendem Revier! — Un jedem Ziel, o Menſch, ja tönt: „Vergebens!“ Entgegen ein raſtloſes Echo Dir! — And) Robert ſah nach wen'ger Jahre Stunden Die Luft an feinem Bertrand nen entſchwunden.
Denn wie das Kind zum Fräft’gen Knaben reifte, Und fi anf feine wachſend frifhe Kraft, Mehr auf fein Fühnes Herz noch, muthig fteifte, Genuͤgt' ihm nicht mehr Spruch und Wiſſenſchaft. Was ſich in ihm von Rriegsgefchichten haͤufte, Das wollt’ er proben, wie man’s felber ſchafft Aus eignem Sinn, mit eigner tapfrer Handlung, In des Geſchick's buntwechfelnder Verwandlung.
Da rief er aus Gehoͤften, Haͤuſern, Huͤtten, Und wo man irgend muntre Knaben fand Bon kraͤft'ger Art und ungezaͤhmten Sitten, Sich eine Schaar heraus auf WieP und Land. Nach Kriegsgeſetz ward dorten raſch geftritten, Auf Mawr und Deichwall nahm mean feiten
Stand, | Und traf in offnem Schlahtiturm aneinander: Darius fonft wer, Bertrand Mlerander.: 3
3 Zu Anfang galt das für ein art’ges Spiel, Daran fi wohl Herr Robert felbften freute;
. Doch weil zu hart oft der Bezwungne fiel, Verrenkten Arm, gebroch'nes Bein zur Beute, So feßte man dem Heldenfampf ein Biel,
Und Alexanders kuͤhnes Heer zerſtreute Ein Machtgebot, das Ritter Gueſclin ſprach; — Die Perſerkoͤn'ge ließen willig nach.
Die hatten ohnehin an all den Tagen
Noch keinen heitern Siegeskranz erſtrebt,
Und nichts ja ſaͤttigt ehr, als Niederlagen;
Doch nie hat Kampf ein Sieger g'nug erlebt.
Drum, trotzend dem Verbot mit kuͤhnem Wagen, Ein Herz im Buſen, das vor nichts. erbebt,
Und nichts als feine Fechterluft erwägend,
Zieht Alexander: Bertrand durch die Gegend,
Und wo er Knaben feiner Band’ erblickt, — Wie viel fie diter, größer mögen fein, — | Gr laͤßt nicht nah: Hohn und Ausfordrung [hide So lang’ er auf den Gegner wüthig ein, Bis er Darius wird, und kampfumſtrict Aufs new vor Alexander fällt. Mit Schrei’n | Kam dann. Darius beim im matten Lauf, . ., - und Klag’ auf Klage drang zur Burg hinauf. .
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Des wedie oft Herrn Mobertd Zorn und Schelten,
Und Frau Johanna ſeufzt im bangen Muth: „Man traͤgt noch einſt den Bertrand mit zerſpellten Gliedmaßen her, bedeckt mit eignem Blut! Was möcht’ uns dann die Weiſſagung noch gelten, Die mir im Herzen hoffuungsarhmend ruht, Die Weilfagung von Friegerifh hoben Bahnen! — Nie fah man Krüppel je mit Seldherrnfahnen! —
Wie? Oder ſpraͤche bie Verheißung Lüge? Die Wahrheit drin nur wie verftrent zum Hohn? Sind dies vielleicht ſchon Bertrand's Heldenzüge? Der Bauernfnaben Lob fein Feldherrnlohn? — Ach, die Hiftorien melden, oft beträge Prophetenkunſt mit falſchem Gluͤck and Droh'n, Und wiſſe Spiel in Ernſt uns zu verruͤcken,
Und Ernſt in Spiel auf luft'ger Zukunft Bruͤcken!
Drum, o mein Ehherr, band’ge mir den Kuaben, Daß er. von diefen ſchlechten Kämpfen laſſe, Und mit den hohen , gottverlich’nen Gaben Ein hohes Ziel in's Adlerauge falle!” — Here Robert fpriht: „Bewährung ſollſt Du haben, Dafern ich felbft den eignen Stamm nicht haſſe!“ — Und ein entlesnee Zimmer weiſt er an Dem: wilden Sohn, und ſpricht mit ſtrengem Bann:
3" *
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Wo kaum noch übern Wald die Thürme tagen
Bon Schloß Broon, traf aus dem edlen Haug Er einen Knecht, zwei Stuten vor dem Wagen, Und rief: „ſpann Eine von den Beiden aug! Die fol noch heut mid bis nach Rennes tragen.” Laut lacht der Knecht: „gibt's dort etwa ’nen
u Schmans? Da werbet Ihr recht ſchoͤn Parade machen Auf diefem Gaul, dem rauhen, magern, ſchwachen!
Seht nur! Eiy Stridlein prangtanZaumes Statt! Er ftampft den Grund mit unbeihlag’nen Hufen, Und wird nah jedem kurzen Trab fo matt, Als kloͤmm' er auf des Doms zu Vannes Stufen, Ih fag’s Euch im voraus: des Reitens fatt, Muͤßt Ihr nah hundert Schritten ſchon mich rufen, Daß ich nur von dem Karr'nvieh Euch befreie!“ — „Was da! Der Ritter gibt dem Roß die Weihe;
Richt umgekehrt! — Ein mattgeherster Tropf Auf ſchoͤnem Roſſe fporut es nur zum Zliehen, Und auf ’nem Gaul mit einem Ochfenkopf
Kann Ylerander fo die Welt durchziehen,
Daß in den Staub bricht hoher Feinde Schopf, - Und goldumfrönte Fürften von ihm knleen!“ — „Mein junger Herr, Ihr ſprecht mir zu gelehrt! Ihr machtet wohl ’nen Stier zum Ritteryferd!“
39
Der Yüngling läßt den Spötter ſich nicht irren. Er ſchwingt fi rüftig auf, und trabt von binnen, Daß um den Eilenden die Lüfte fchwirren. Saft ward, ald künde was den dumpfen Sinnen‘ Des Thier’s, einft würden Siegerwaffen klirren Um feinen Reiter, und den Preis gewinnen Muß’ er vor vielfach edlen Kriegerhaufen, Wo's gilt, die Bahn des Ruhmes zu durchlaufen. —
_ So haben endlich Reiter benn und Roß Das Biel erreicht, wo ſich bei Rennes dicht
In Ehren hebt das ritterlihe Schloß
Bon Bertrand’ Oheim. Schon verfanf das Licht
Der Sonn’ im Strom, der nah vorüberfloß.
Am Burgthor ſaß mit freundlichem Geficht
Die Hausfrau unter zwei uralten Linden,
Und ſah den wohlverfebten Tag entfhwinden,
Wie nun der Ritter und bad Roß fi nahen, — Eie bitte faſt von Herzen drob gelacht. Doc zwingt fie fih, ben Fremden zu empfahen Mit fitt’gem Gruß, aufs Gaſtrecht fromm bedacht. — Er neigt fih. — Wie? Das wir ihre Neffe? —
Sahen
Denn ihre Augen recht? — Hat gar die Nacht Getaͤuſcht ſie mit der Vorhut luft'ger Traͤume? — Was, oder ſchatten allzutief die Baͤume? —
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Nein, nein, fie ſieht den Bertrand, ihren Neffen, Auf ſtrickgezaͤumtem, halbverdorrtem Thier, Das nur die Roßgeſtalt fcheint nachzuaͤffen, Den Juͤngling felber ohne Schmud und Bier; — Doch er fpringt ab, und ſpricht: „Euch anzutreffen Iſt mir ein Heil! Find’ ih den Oheim bier 2 Und kuͤßt die Hand ihr zierlich unbefangen, As - mir? juft nichts Beſondres vorgegangen.
Die edle Fran ſucht erft umfonft nah Worten; Drauf fpriht fie: „ſeyd gegrüßt, und kommt in's | Hu 5
Zwar meinen Ehheren findet Ihr nicht dorten; — Der zog feit geftern fort auf einen Schmaus; — Doch gaſtlich öffnen fih für Euch die Pforten, Ruht von der ungewohnten Fahrt Euch ang,
Und dann’ — fie ſchweigt; doch meint fie ftilbefonnen.: Dann geht's zuruͤck, von wo Ihr feid entronnen!“
Der Knabe weiß fo ziemlich Elar zu deuten, Wohin dies „dann und dies Verſtummen zielt, Und denkt bei fih: „klug that, auch bei gefcheuten: Weib’sbildern manchmal, wer ſich ſtumm verbielt. Bon Ehrenfahen fpricht ſich's nur mit Leuten,
Die gleihe Luft und gleihen Drang gefühlt. Der Dheim wird je bald zuruͤck wohl kehren! Der foll mir helfen, und mich treu belehren.” —
4
Und fiehe, fein Vertrau'n betrog ihn nit! — Zwar Taum noch war der Burgherr heimgekommen, Sp bat alsbalb auch, wie in Eid und Pflicht,
Die Burgfrau dmfig ihn beifeit genommen.
Da hieß es: „ben®, was Nachbars Nachbar fpricht! Den® , wie den Aeltern ift das Herz beklommen!“ Und: „ſchick' ihn heim zu Roß mit guten Sachen!“ — Der Ritter lat, und fagt: „laß mich nur machen!"
Zugleich doch kuͤßt er zierlih ihre Hand, Und fpriht nach höflich alter Ritterweiſe: „Verzeiht! Ihe wißt, wie fittig und galant Ich fonft mich füg’, und wie Ihr fanft und leife Mid treuen Sclaven führt am Roſenband. Nur diefen Knappen bier und feine Reife, — Laßt, bitt’ Euch, das einmal für mich allein.” — Sie lächelt fanft. Es wird zum Ja Ihr Nein,
Da geht er mild heraus zum fluͤcht'gen Neffen, Und fpriht: ‚mein Freund, wenn mic nicht Alles trügt, So eilet Ihr, mich ſchuell hier anzutreffen, Weil auf der Bruft Euch was fehr laftend wiegt. Heraus damit! Gab es vielleicht ein Treffen Mit nem. Kameraden, der nun bintig liegt?” — Da Eindet Bertrand alle die Geſchichten; Der Oheim ſpricht: „wohl gut! Wir wollen’d 1F ſchlichten!“
—
und einen Boten ſprengt er ſchnell von hlunen Nach Schloß Broon, mit Nachricht, wie's hier geht, Und mit der Bitte: „ſeid um fein Entrinnen Nicht allzubös! Ich bin es, der Euch fleht, Sch Euer Bruder! Laßt mir mein Beginnen Mit ihm, der fhon in meinem Schutze fteht! Einft hof’. ich, gut und ftark ihn heimzuſenden!“ — Da ließ Ihn Robert gern fo treuen Händen,
Und wieder fah num Bertrand heifte Tage In Sitt’ und Huld und edler Trefflichkeit. Nie hoͤrte man um ihn die mind'ſte Klage; Fromm pries ihn Jeder, artig und geſcheit. Doc; ach, das iſt des Erdenlebens Plage, Daß ſolch ein Kranz nur felten lang' gedeiht) — Einft, Sonntag's, hält ein Ningerfpiel bie Stadt, — D Bertrand, büte gut Dein Lorbeerblatt!
‚Nun freilich, ſo was — denkt er —muß man ſchauen!“
Er bittet gleich die Tant' auch um Vergunſt; (Der Ohm war fern); die will ſo ganz nicht trauen, Und denkt: „erblickt er erſt die wilde Kunſt,
So flammt gewiß zu unferm Schted und Grauen Im Herzen ihm dei Kampfluſt Feuerbrunſt!“ Drum fpricht fie: „nein! Heut’ iſt dazu fein Tag. Du folgft zur Stadt mir in die Meſſe nad.”
oo. 43
Er neigt fi und verfiummt. Ihr nachgeritten Iſt er ganz folgſam bis zum heil’gen Bau. Dort hebt vom Zelter er.mit zarten Sitten, Wie's dem Stallmeifter ziemt, die eble Fran. Doch kaum nur Eniet fie in des Domes Mitten, So lodt binaus ihn Luft und Himmelblau, Lockt ihn vom Markt herüber freud’ges Klingen, Geſchrei, Muſik, — „o Gott,” ruft er, „Te, riu⸗
sen!”
Da ift kein Halten mehr bei dem Entzuͤndeten; Er renut, ale haͤtt er Flügel an den Sohlen, Als ob fih Flamm' und Sturm in ihm verbündeten, Und gaͤlt's, ein Königreich ale Preis zu holen! — Inſt kam er an, da Ruf und Klang vertündeten, Ein Ringer, — den man jeßt, ſich zu erholen, Mit ftolzer Haltung auf und ab fah Ichreiten, — Zwölf Gegner'n hab’ er obgefiegt im Streiten;
Und jetzt fol?’ er den Kampfespreis erlangen. — Es war ein Kerl von ſtaͤmm'gen Gliebern, groß, Mit Eraufem Hauptgelod, rothbrannen Wangen, Den nerv’gen Arm big zu der Achfel bloß, Und tuͤcht'ge Beulen drauf, wohl ſchon empfangen Im frühern Fauſtgefecht auf Hieb und Stoß, — Kurz: Dichte Bertrand König Alexander's, Er fuchte fih zum Gegner wohl wen Anders!
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Und der Zufchauer wunderlih Gewimmel, — Auch das juft reiste. nit zum Ehrenkampf! — Der nagt an einer Krufte, weiß vom Schlinmel, Der fiſcht fih Bruͤh' aus des Garkeffeld Dampf, — Dazwiſchen mehrt ihr Jubeln das Getuͤmmel, Und Zauft und Fuß hanthieren wie im Krampf, Und hin und wieber tönen brüM’nde Klagen: „Will ſich denn heut’ fein derber Kerl mehr fchlagen 2°
O D junger Nitterfohn, Du edler Held,
Der künftig Frankreichs, Spaniens, Englands Graͤnzen,
Europa ganz mit feinem Preis durhhellt, —
‚ Hier willſt Du, bien, auf biefer Bühne glänzen? —
Ad, mand ein edler Sinn, auf Ruhm geftellt,
Verſah ſich ſchon im Biel, wie in den Kränzen! —
Raſch tritt der FJüngling vorwärts in den Kreis,
Und fpricht zum Gegner: „wahrt Euch, Herr, mit u Fleiß! | '
Den hoben Sieg, die Goͤttin edler Seelen, Gebunden ſchon in Euern ſtarken Arm, Sie, bie.wir Swei mit gleiher Gluth erwählen, Beſtreitet ECuch mein Herz, von Hoffnung warm. Mag Euch, mag mir die Siegserfüllung fehlen, Doc fol mit nichten bittrer Taͤuſchung Harm Den reinen Einn zu ſchwarzem Groll entzünden, Nein, Siegers Ruhm froh der Beſiegte kuͤnden!“
48 Der Bauer ſtarrt ihn an voll dumpfem Hohn,
Und lacht: „was thu' ich mit den Sonntagsworten? Zwölf ungeheure Kerle warfihfchon! Nun kommt ein fechzehnidhr’ger Vurſch, mit Borten Recht blank gepußt, weiß nicht einmal zu drohn, Wie ſich's doch ziemt an ſolchen Infl’geu Orten, : Mein art’ger Herr, laßt ab von Nev’renzieren; Packt tühtig an! Denn fonft muͤßt Ihr verlieren "—
Da, wie ein Schleier, faͤllt's von Bertrand's Ä | Blie, Faͤllt's von dem hoben, flammenglüh’nden Seit, — Gr, hoffend auf ein edles Ritterſtuͤck, Sieht rings von rohem Volke fih umtreift, Das, barrend auf ein niedres Kampfgeſchick, Mit ſchmutz'gen Fingern fpottend nach ihm weift, — Nun kommt, jedoch, zu fpdt nun kommt bie Reue; — Traͤt' er zuräd, man hielt's für bange Scheue.
So will er ſchnell den ſchlechten Kampf’ beenden, Und greift eutſchloſſen feinen Gegner an. Der padt ihn berb mit feinen rief gen Händen, Den zarten Jängling der baumftarfe Mann! . Doch Bertrand im ringfertig rafchen Wenden - Bohrt, wie er ſtreng' und ſtark nur immer kann, Die rechte Fauſt der linten Seit’ ihm ein, Und fhlingt’ um’s veht? ihm feſt fein linkes Bein,
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Dem Feind' entgeht davor ber Othem faft, Und auch die Neberrafhung macht ihn wanken Ob dem fo unverfeh’nd gewalt’gen Gaft. Er ringt umfonft, — im preffenden Umranfen Wirft Bertrand auf den Grund die riefge Laſt, Und ſtuͤrzt draufhin. Rings jubelt’s um die Schran: ken: „Der große Hans, der maͤchtge Rieſe, liegt! Ein Juͤnkerlein, ein Kind bat ihn beſiegt!“
Der Sieger ſchweigt befhämt. Cr hofft alsbald,
Aufraffend fi, dem Zuruf zu entweichen,
Doc als er fiel, ftieß er mit Machtgewalt
Sein Knie an einen Stein, und zuckend ſtreichen
Die Schmerzen durch ihn bin; gezwungnes Halt Macht er, und kann nur muͤhſam fürder fchleichen, Und finkt zuledt, und heimwärts mit Bedauern Auf einer Bahre tragen ihn vier Bauern,
Kobpreifend und beflagend folgt die Menge, Stets wachfend, weil der Ruf zu mächtig ſprach; Und Bertrand fließt den Blid vor dem Gebränge, - Und fühlt ſich übergoffen wie mit Schmadh,
Und wink: nach der und jener Straßenenge Die Tedger bin; allein der Sug fommt nach; Der Triumphator wider feinen Willen Kann nicht den Jubel ber Bewundrer ſtillen. .⸗
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Sum Gluͤck, daß feinem Ohm ein Haus gehörte Im Zirf der Stadt! Dort barg er fich hinein. Doch obihn nun der Anblid nicht mehr förte . Bon feiner neuen Gönner buntem Reih'n, Doch bis in's Innre der Gemaͤcher hörte Noch ſtets von außen er das maͤcht'ge Schrei'n. Und wie das Volt nun endlich heimwaͤrts rannte, Kam neues Leid! Es kam die ernfte Tante,
Die ſprach: „mein Here von Du: Guefchn, als Ritter Gar feltuer Art, mit Gegnern felt’ner Bier, Um einen Siegeskranz von edlem Slitter , Habt Ihr gekämpft im heutigen Turnier! Den Reigen, der nun folgt, — nur das ift bitter — Das ſchoͤne Feſt bei Eider, Moft und Bier, — Das, ach, entbehrt der Held im Siegeskranze, Und Damen harr'n umſonſt auf ihn bei'm Tanze!
Wie ſchoͤn, wenn aus Broon der aͤlt'ſte Erbe Aufriefe nun die kreiſchend hellen Geigen, Und — ſehr bemuͤht, daß er ihr nichts verderbe Vom Sonntagsputz — die Magd aufzoͤg' im Reigen, Die morgen zum fiſchhandelnden Gewerbe Sich wieder ruͤſtig auf dem Markt wird zeigen, Und ihn dann anruft, wenn im Roſſestrab Vorbei er fliegt: kauf, Holder, mir was ab!
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Vielleicht auch, daß ein bruͤderlich Verftehen Ihn mit dem ndchften Aderfnecht vereint! Vielleicht ſogar,“ — es winkt. Die Thränen ftehen Ihm heil im Blick; bie Züge, halbverfteint, Sie ſprechen's aus, wie faft er will vergehen In bitter'm Sram! — Die Tante fhweigt und weint, - Und fagt zuletzt: „mild möcht? id gern Dir raten! Doc ach, wo find’ ich Bürgfchaft beifrer Thaten?
Wie oft bereuend haft Du ſchon begonnen Den edlern Lauf! Erfreulich zogſt Du fort, Doc eb’ man ſich's verfah, war fhon verronnen Hoffnung in Schaum, wie Wellen vor bem Port." — Bertrand ftemmt fi) empor. Gleich hellen Sonnen Leuchten die Augen ihm. „Ihr habt mein Wort!“ So fpricht er laut; ‚‚noch hab’ ich's nie gegeben; Sept geb’ ich's Euch: ich führ’ ein andres Leben?!
Ich wid — ich will aus allen treuen Kräften Sernhalten mir, was niedrig iſt und roh, Ich will die Spiele, die mid) truͤg'riſch äfften, Verweilen aus der Bruft, will ſtark und froh Nachringen ernften, rühmlihen Gefchdfften, Den Ruhm einholen, ber bis heut mich floh, — Ich will" — bie Tante: zweifelt wohl noch fort, WIN ſprechen, — doch er fpriht: „Ihr habt mein
. . ort!‘
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Ste fhweist, vor feinem Ernſt beinah erſchrocken; Doch als hinzu er fügt: „auch weiß ih Den, Der fürberhilft, wo Menfchenfräfte ftoden; In Seinem Schutze will die Bahn ich gehn!” Da ruft fie freudig: „auf nur unerfchroden, Mein Juͤngling, auf! Die Siegestränzge weh’! Du haft ben rehten Helfer aufgefunden. Wer Dem vertraut, der bleibt unüberwunden I.’
Bertrand on: Gueſclin.
Dritter Gefang.
Ein edles Ehrenwort haſt Du gegeben, Mein Du: Onefelin, und gabſt Dich ſelbſt dabei In rechten Schuß! Heil Die nun, junges Leben, Das, von ben Schlingen wilder Thorheit frei, Berganringt mit gewaltigfihem Streben! Heil Dir, Du ſchoͤner, hellentbluͤh'ter Mat, Durch den ein goldner Sommer wird verkündet, Ein Herbft, von edler Fruͤchte Gluth durch⸗ “ A, zündet! — Und noch in dieſes Jahreslenzen Gruͤn Schmuͤckt Burg Broon ſich wie mit Siegee: äweigen, ' Und Vater Robert's Heldenaugen glüh’n, Und Frau Johanna's Dankgebete fteigen Zu Gott empor. Denn fittig, fromm und Eühn, Begruͤßt von der Vafallen heiterm Reigen, Und jeder Makel von ihm abgefallen, Kehrt Bertrand heim in feiner Väter Hallen.
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Empfangen warb bes Tünglinge edle Neue Mit edlem, liebentzüundetem Vertrau'n. Ein hohes Roß vol Muth's und. ftolger Treue Gab Robert ihn, ließ oft bewaffnet (dawn Den Juͤngling, wie fih Rittermuth erneue Bei Uebungsfämpfen in ‚Bretagne’s Gawn; Kur bat er alle Herr'n und edle Saffen Noch nicht in Kampf mit ihm fich einzulaſſen.
Wohl ſchlug des Knappen Herz fehr unge: - duldig, Doch blieb er fromm und ſtill am Heimathsort. Nie macht’ er fih des Fluchens fürder ſchuldig, Kein Menfh vernahm von ihm ein grobes Wort; Den Armen war er liebevoll und buldig, Gab oft fogar die eignen Kleider fort, Wenn Geld und Gut ihm ausgegangen par; So lebt? er unverweislih an zwei Jahr.
: Auer wie der fhönfte Morgen ein Gewitter, Wohl ſammelt ſchon an feines Aufgang’s Chor, Noch freud’ger zu erfrifhen das Geflitter Der Blumen und der bufl’gen Blüthen Flor, Es fliegen oft auch unſrem kuͤnft'gen Ritter Die kuͤnft'gen Schlachten ahnungshell empor, Und ſehnend ſeufzt' er vor dem geiſt'gen Spiegel: „D meine Heldenjghre, ſchafft Euch Flügel!" —
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Um biefe Zeit war rings ein Kranz entfproffen Bon fhönen Feften im Bretagnerland. Dem edlen Karl von Blois als Ehsenoffen Gab jüngft Bretagne’s Grbin ihre Hand. Kur Einer blieb — ihr Ohm — fern und ver droffen, Bol Ehrgeiz nah dem Herzoghut entbrannt, Ihm eigen, meint’ er, nahen Erbrechts wegen. Johann, Graf Montfort war's, ber tapfre Degen.
Wir hören wohl noch öfter von ihm fprechen, Und wie er fpäter für fein Anrecht ftritt. Jetzt mag er grübeln oder zornig zechen; — Wir wenden ung auf einen heitern Ritt, Nah Rennes auf ein edles Lanzenbrechen, — Gewiß, da zieht ein Jeder freudig mit, Bretagne’s Ritter im Turnier zu ſchauen, Sum Preis der Herzogin und aller Frauen!
Ah wie fo gern war’ Einer mitgezogen! Knapp’ Bertrand, mein’ ich. Doch fein Baterfprad : „Dem Geiſt nach wirft für folhe Kampfeswogen Du ſtark genug ; doch nicht den Jahren nad. Manch edles Reis ward nicht zum Stanım erzogen, Weil früher Sturm die junge Kraft ihm brach; Dafür ift Deine Zukunft mir au theuer.“
Der Janglins ſchweigt; doch Wang’ und Blick find euer.
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Und kaum nur 309 der Ritter fort vom Schloffe, So kann der Knapp’ die Luft nicht unterdrüden, „Nie. werd ih,” — fenfst er, — „Vater, Dein
®enofte !
Doch ſchau'n Dich muß ih auf der Ehre Bruͤcken!“ Er fragt nad) feinem ritterlihen Roſſe, — Das war, fammt allen, um den Zug zu fhmüden, Nah Rennes fort, — Da greift mit troß’gem Muthe Er aus der Koppel eine Mutterftute;
Und frabt den Weg nad Rennes fchnell von binnen,
Und ficht auch bald die weitberuhmte Stabt Im Sonnengold aufftreden ihre Binnen; Doch wird ihm da ſchier fein Vertrauen matt, Und thoͤricht fcheint ihm felber fein Beginnen. Erwägend, was fhon hier verlegt ihn hat, Sieht er auf fih, Roß, Kleid und andre Sachen, Und ſeufzt: „ach Bott, man wird mic fehr verlachen!
Doch thu' fein Beftes nur an mir im Spotte Der Hobel! Nimmer kommt's fo arg gewiß, Als da in felber Stadt die niedre Motte Mit Ihlehtem Lob den Namen mir zerriß! Da — wie um's Licht herſchwirrt die graue Motte, Und fhmeichelnd es verhält in Finſterniß — Die Menge mih umwob als ihres Gleichen, Und nun und nimmer wollte von mir weichen!”
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Er feufzt, und reitet in die Gaflen ein, - Und hört es Faum, daB Mancher höhnend fraͤgt: „er mag der wunderblanfe Ritter feyn?
Moher das fchlanfe Streitroß, das ihn träge 2’! — Nur ald er halt in andrer Knappen Reih'n,
Und atıh bei Denen Spott und Hohn fich rest,
Da war — aus wundem Herzen aufgerungen — Ihm eine Thraͤn' in's Adleraug? gebrungen.
Doch Viele Fannten ihn; bei Jung’ und Alten War er geehrt fhon in der Nachbarſchaft; Die hießen glei die Spötter inne halten, Laut rühmend feine Tugend, Mid’ und Kraft. . Auch war fehr bald zu leuchtendern Geftalten Des Sinappenvölfleins Iuft’ger Sinn entrafft. Die fah auch Bertrand in den Schranken funfeln, Und fühlte, ah! nun erft fih recht im Dunkeln.
O filberhelles Bligen von ben Ringen Der Harniſche! O goldner Helme Zier, . Gethuͤrmt mit Straußenfhmud, mit Adlerfhwir gen! Und hochher wal’nd manch' flatterndes Panier ! 9, der Trompete muthbefenernd Klingen ! Und ach, ein füßes, blühendes Revier Bon holden Frauenblumen auf Balkonen, | Bereit, mit ſuͤßem Gruß den Sieg zu lohnen! —
55,
„Warum“ — denkt Bertrand — ‚man mir's
nicht gewaͤhrte, Hier auch zu pruͤfen meinen jungen Muth Als andrer Knappen froͤhlicher Gefaͤhrte, — Ad) lieber Gott, nun merk' ich's allzugut! Mein Vater weiß, — obzwar ich nichts entbehrte An Kraft wohl und Geſchick und Fühnem Muth, — Daß man hier auch fol hübfch fein vor den Frauen, — Und ich bin nur ſehr haͤßlich anzuſchauen!“ —
Das trübe Wort, — es ift nun ausgeſprochen, Ihr Holden Frau'n! — Schön war mein Ber: trand nicht! —
Die Schultern allzubrelt „zu ſtark die Knochen, Zu kurz der Hals, und braun das Angeſicht,
Die ſchwarzen Locken wild, wie ſturmzerbrochen Sich Alt und Zweig im Tannenforſt durchflicht; — Und ach, von ſolchem ungeſchmuͤckten Helden
Darf Euer Saͤnger That und Spruch Euch melden? —
Wenn Ihr wollt Zartes, Schönes nur erbliden, Wer tadelt drum Euch lieblihes Geſchlecht, Ausſtrahlend aller Welt ein füß Erquicken, ind heifhend gleihe holde Gab’ als Recht! Jedoch nicht weilt Ihr mit den füßen Biden Nur auf dem irdiſch blum'gen Kranzgeflecht;
Ihr liebt au, oft fie Himmelan zu wenben, . Oft fpah’nd in Geiſt und Seele fie zu fenden!
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Und Heil, da findet Ihr In dunkeln Schachten Bei meinem Bertrand lautres Edelgold! Zudem — Ihr kennt fein ruhmbegehrend Schmachten, "Und feine Sitten, freundlich jeßt und hold. Da könnt Ihr den Unfhönen nicht misachten; Ich weiß, daß Ihr ihm Huld und Gluͤckwunſch zollt, ie fpäter, da ihm feine Kampfesiaaten Entblüheten, die Schönen Frankreichs thaten! —
O ſeht, wie ſtill er gluͤht! Wie ſchwillt ihm bange | Die Bruſt nach ferngeglaubten Chrenwegen! — Da aus den Schranken, nah mand kuͤhnem Gange, Wendet erfchöpft fi ab ein tapfrer Degen. Dem Bertrand ahnt’s, was nur fein Herz verlange, - Er dürf an's Herz es diefem Ritter legen; Er läuft, ald Der zu der Herberge zieht, Ihm eilig nach, tritt zu ihm ein, und Eniet;
Und fpriht: „fo Iaffe Gottes Huld gelingen Euch manche That,. gleih Euern heut’gen Thaten, - Sn allen fhönen ritterlihen Dingen,
Als Ihr mi jet in Hulden moͤgt berathen! Meſſire, es muß mein Herz mir noch zerfpringen, Wenn Ihr nicht helft! Wie Schußgenoffen baten Zu Helden jemals, fleh' ih: gebt mir Waffen! Gebt mirein Pferd, mir Ruhm und Sieg au fhaffen!"
57 Der Ritter laͤchelt, forfht nach. Bertrand’s Namen, Und wie er den vernommen, fpricht er ſchnell: „Wohlauf, Du Blüthenreis aus edlem Saamen, Gern Dich begruͤß' ich als Dein Wehrgefell. Zeuch bin zur Ehre Gottes und der Damen!’ Drauf holt er eine Rüftung ſilberhell, Und wafinet, ihn zur Chrenfahrt zu fenben, Den.Freudezitternden mit eignen Händen,
Und ſchon hat einen feurig edlen Rappen Sur feinen Schügling er fih auserwählt: Den bringen teichgefattelt jeßt die Knappen, Und Bertrand, der die Augenblicke zaͤhlt, Sigtauf, und fprengt hinaus. Nicht Farb’ und Wappen Biert feinen Harniſch, aber blankgeſtaͤhlt, Und angefprüht von Himmels Strahlenbronne, Scheint er in taufend Schimmern lauter Sonne.
Kaum zeigtder Held fihanden Schraufenbrettern, So winkt ein edler Ritter: „„Eimpfen wir?‘ Bertrand bejaht's, und die Trompeten ſchmettern, Die Yaufe rollt. Blitzhell in blanker Gier . Sieht man dad edle Paar zufammenmettern; — Gewandt faßt Bertrand’s Lanze das Viſier Des Gegners; wirft den Helm ihm ab zur Erde, — Dann rennt den Mann er nieder fammt dem Pferde.
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Todt Ing dad Rob, und ohnmachtſtarr der Reiter;
Zwar ſchlug er bald die Augen wieder auf, Und wollte gleich, ein froͤhlich kuͤhner Streiter, Den Unfall beſſern im erneuten Lauf. Doc half aud da fein Glädftern ihm nicht weiter; Daſſelb' erfuhr er um denfelben Kauf. | Da eilt Herr Robert, fein Turniergefelle, Daß er dem Fremden fih zuͤm Kampf geſtelle.
Ja, Bertrand ſah fih gegenuͤber halten Den Vater auf betretner Ruhmesbahn, und alle feine Lebendgeifter walten - Bor dem Gedanken, Sieg bier zu empfah'n, — Vom beiten Ritter Sieg! — Doc Lichtgeftalten, Unfihtbar, wehrten feinem eitlen Wahn. Er Hält, und fenkt ben Speer, und neigt das Haupt, Tief, daB den Helmbuſch Saub der Bahn umflaubt.
Daß gab ein fragend Flüftern in der Menge; Die edlen Frauen blidten ſtaunend drein. Der andern Kämpfer rühmliches Gepränge Ging faft verloren um bie Zwei allein, „Wie, da zum Angriff hall'n Trompetentlänge, Winkt jeher Fühn erprobte Fremdling: Nein? . Wohl freilich mag auch Tapfern, wo nicht Schreden, Doch Scheu’ der Name Du⸗Gueſclin erweden !" —
59 — —
Prophetiſch Wort, halbwahr nur jetzt zu nennen, Mie wirft im Lauf der ernfien Zeit Du wahr, Wenns „Buefelin!” tönt, und ale Herzen
brennen In Frankreichs trieggeübter Waffenſchaar, Wenn Land von Land umſonſt die Berge trennen, Weil über Pprenden fleugt der Aar, Bretagne’ Aar! — D laß Dich wieder zügeln, Mein Lied! Zu kuͤhn ſchlaͤgſt Du mit beiden Flügeln!
Der Zukunft goͤnn' ihr dunkelheil'ges Necht, und ſchwebe froh jeßt auf der Rennbahn Mitten, 80 rafher fih entflammt das Spielgefecht,
Und Mann auf Mann im wadern Lauf beftritten Mit Eräft’gem Stoß ben fremden Edelknecht. Doch Mann auf Mann hat er vom Roß geritten, Daß ſechszehnmal der Ruf des Herolds fliegt Durch's Ehrenfeld: „der Abentheurer ſiegt!“
„Der Abentheurer ſiegt!“ ſo fluͤſtert's wieder Aus manchem wunderholden Roſenmunde; Manch Paar von ſchoͤnen Augen ſchaut hernieder, Und forſcht umſonſt von ihm nach naͤherer Kunde, — Da fiand ein Ritter, weitberähmt und bieder, Ein Normand, tändelnd in der Frauen Runde, Und fah von dem Balfon mit flolzer Ruh Dem Spiel, d'rin faft zu oft er fieste, zu.
IL. |
An den nun wendet fih mand zarte Bluͤthe Mit holder Neubegier und füßen DVitten, Daß er dem Abentheurer Kampf entbiete,
Ihn raſch enthelmend in der Rennbahn Mitten.
Und gleih iſt nach altritterliher Guͤte Der Norniand zu den Schranken eingeritten, um abermal in offner Bahn die Ehren
Der fpeerberühmten Normandie zu mehren.
Bretagne! Normandie! Zwei tapfre Streiter Habt Ihr werteifernd jetzt Euch aufgeſtellt! — Das Spiel beginnt. Der Damen Bote, heiter Und kuͤhngewandt, trifft unſern jungen Held An das Viſir. Der ſitzt, als wackrer Reiter
Im Sattel feſt, obwohl fein Helm ihm faͤllt,
Und im Vorbeilauf — Sieger ſtatt Erlegner! — Faßt mit dem linken Arm er feinen Gegner;
Faßt ihn, und reift ihn im gewalt’gen Schwingen
Hoch aus dem Sattel, hält ihn an fih feſt, Daß dem im Roffeslauf die Waffen Elingen, Die Bruft, kaum athmend, fih zufammenpreßt, Bis da, von wo der Sieger zu dem Ringen Ausritt, er ihn zu Boden fallen läßt. — Laut halt der Jubel! Preis und Ruhm und Seegen Tönt dem enthelmten Jüngling froh entgegen.
61 gder Preis iſt fein!" — So rufen und ſo rinnen Die Stimmen all⸗ einttächtig ineinander. Die Kampfaustheilerin mit weifen Sinnen, Die leuchtend, wie einft Hero dem Leander, Den Preis hält für das ſtuͤrmiſche Beginnen, Winkt, Bertrand, Dir! — O Du, einſt Alerander Im wuͤſten Spiel, wie ſteigt nun edle Wahrheit Dir ſtrahlend auf in morgenheller Klarheit! Und p, wie ſchlug dag Herz Robert dem Ritter Und Vater vor dem Sohnesangefigt! Ihm fließen Thränen, wonnevoll und bitter; Denn um der fruͤhern Strenge herbe Pflicht Schilt er ſich ſelbſt. Doch froh ermannt nun tritt er Mit Bertrand hin, wo ein inngfraͤulich Licht Ein koͤſtlich Ringlein aus fhneeweißen Händen Dem jungen Sieger bat als Preis zu fpenden.
Sie neigt mit guͤt'gem Wort ſich zu ihm nieder, Dem Knuieenden, und reichet ihm das Pfand. | Er ſpricht: „wir mein bie Kunft der füßen Lieber, Wohl priep ih Euch durch mand ein fernes Land! Jetzt nehmt fürlieb damit, daß treu und bieder Ein Kämpfer hist für Euch ben Ehrenftand, "
As er fih nun erhoben, ruft entzuͤckt Der Bater, der an feine Bruſt ibn beit: |
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„Wohlauf, wohlen, Du iunges Reis der Ehren! Wohlauf, mein eignes, hochgeliebtes Blut! Wo's gilt, Die Deinen fhönen Ruhm zu mehren, Theil? ich hinfort mein Leben Dir und Gut!“ Der Züngling dankt. Doch Herz und Sinne kehren Sich ihm zu Dem, in deſſen heil'ger Hut Allein fich läßt ein guter Lauf vollenden. „Laßt, fpriht er, „uns sum Dom bie Schritte
wenden !“.
Es neigt der Nater fih; fie gehn mitfammen, Die ganze Nitterfchaft folgt ihnen nad, Sich frenend, daß vom Baum, aus dem fie ſtammen, Ans Licht fo wunderhelle Blüthe brach. Die Glocken läuten, alle Herzen flammen,
Das Volk Iduft zu. Wohl iſt's ein Feiertag, Wenn einem Land, für Zeiten groß und fern, Aufgeht ein junger, freud’ger Heldenftern!
hr Auaben, die Ihr jubelnd ihn umlarmet, Sollt einſt noch ſiegen unter ſeinen Fahnen! Ihr Maͤgdlein, die mit Blumen ihn umſchwaͤrmet, Um Euch zieht kuͤnftig er ſchutzkraͤft'ge Bahnen, Und wo Ihr ald Hausmätter dann Euch haͤrmet In Krieg und Noth, da darf man nur End mahnen Yu Dur: Suefclin, den fchirmenden Befreier, Und Alles Jächelt, wie zur Sonntagsfeier! —
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Sept hat fein Danten und fein frommes Ziehen Bollendet er vor beiligem Altar, | Und ſpricht: „nun muß auch dem fein Recht ge:
fheben,
Der hold mir als fihtbarer Helfer war!” Zur Herberg’ eilt er, — und die Kraͤnze wehen Ihm nad, ihm folgt die edle Jubelſchaar, (Weit anders, als nach jenem frübern Ringen!) um Danf dem edlen Ritter darzubringen;
Dem Ritter, der mit Roß und Harniſch Ihn Als Seinesgleihen auf die Rennbahn fandte, Der als ein treuer Lehnsherr ihn belich’n, Des Spottes Nahtdämonen von ibm bannte! Aufs neu fiehbt Der den Füngling vor fi Enien; Doch nun ald Fleh’nder nicht, ale der Geſandte Bon großer künft’ger Zeit, die ihren Helden Danfbar dem Freunde fit, fih anzumelden!
Das war ein Grüßen und ein Benveniten! Die Menge rief voll heitern Jubels drein. Wohl finnt mein Bertrand ftill : „faſt möcht? ich zieren Des Meilters Hand mit diefem Ningesftein, Den mir naͤchſt Gott im rühmlichen Turnieren Nur einzig konnte feine Huld verleih'n!“ — Doc gleich erröthend denkt der Edelknabe: Verfhenten Du von Damenband bie Gabe?"
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6...
Und drängt zuruͤck den thörichten Gedanken, Sndem er mit gefeßtem Ernfte ſpricht: „Heut, edler Herr, galt's nur in bunten Schranken Ein heitres Spiel, ein holdes Traumgeſicht; Doch einft, wann Feindesfhaaren vor mir wanfen, Mein Arm durch fefter Städte Mauern bricht, Klingt’, hoff’ ih, Euer werth und Eurer Ahnen, Daß Ihr für mich erfchloßt des Ruhmes Bahnen!“ —
Und dennoch iſt Dein Ram’ in Nacht verfunfen, Du frommer Ritter, hülfreih edler Held! — O wie von eitlem- Wahn doch ift man frunfen, Wenn man auf Nachruhm feine Hoffnung ftellt! Wir fliegen bin und wieder, einzle Funken; Der glänzt und lifht! Der dammert, und erhellt, Den rechten Zunder fallend, ferne Zeiten! — Sorgt nit! Auh das laßt von dem Einen leiten! —
Sept wimmelt froh um unfern Held dad Leben In morgenfrifhen Kenzed bunten Schimmern. Beim reihgefhmüdten Abendtanz umgeben Gluͤckwuͤnſchend ihn in Ferzenhellen Zimmern Die Ritter, Herrn und Bürger al’. Süß weben Die Frau’n ein zartes Netz aus Blumenflimmern ; Die herzoglihen Neuvermählten zeigen Dem Juͤngling Huld mit edlem Wort und Neigen.
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Die Pauken wirbeln, die Tronipeten Elingen Hinein mit fröhlich friegerifchen Grüßen, Daß, während fie den heitern Tanz beſchwingen, Und, wie auf Fitt’gen, auf den leichten Füßen Die Jugend fhwebt im zierlichen Umſchlingen, Aus kuͤhnen Herzen Wunſch und Ahnung ſprießen: „Ihr Toͤne, bald, wie jetzt Ihr lieblich ſchallet, Duft Krieg! Ihr Banner an den Mauern: wallet!“
Erläuterungen sum Dritten Geſaunge.
Eeite Ba:
„Da blieb ein Einz'ger fern nur und verdroffen,
Bol Ehrgeiz nach dem Herzogshut entbrannt,
Ihm eigen, meint er, nahen Erb recht's wegen;
Johann, Graf Montfort, war’s, der tapfre Degen."
. Die Streitface — als Wurzel der nachfolgen⸗ hen , 22 Jahre dauernden Kriege einer hiſtoriſchen 5
66 Uuselnanderfehung wirdig — verhielt fi ch folgen⸗ dergeſtalt:
Artus der Zweite, Herzog von Bretagne, war zweimal verheirathet geweſen: in erſter Ehe mit Marie, Erbin der Vicomte von Limoges, von welcher er zwei Söhne hatte, ndmlih Johann, der ihn unter dem Namen Johann der Dritte im Herzogthume folgte, und Guy, Graf von Pen: thievre, der als einziges Kind eine Tochter, Na: mens Johanna, zugenannt die Hinfende, im Jahre 1319 erzeugte, und felbft im Jahre 1330 ftarb, Der dritte Sohn des Herzog Artus, Peter, ftarb unverheirathet.
In zweiter Che vermählte fih Herzog Artus mit Yolande, Gräfin von Montfort, ehedem dem König von Schottland verlobt, welches Verhaͤltniß aber aus unbekannten Gründen zurüdgegangen war. Diefe gebar ihm einen Eohn und fünf Töchter. Der Sohn hieß Johann von Bre: tagne, Grafvon Montfort, Chegemahl der mannigfach gefeierten Heldin Johanna, Tochter des Grafen Ludwig von Flandern,
Jener Johann der Dritte, zubenannt der
gute Herzog, nah dreimaliger Verheirathung kinderlos und der Hoffnung auf Leibeserben ent- fagend, lebhaft wünfhend, feine Unterthanen vor dem Unheil eines Erbfolgekriegs zu behuͤten, fcheute
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den Fühnen Geift feines Stiefbruders Johann von Montfort, und mehr faft noch den Muth der ihm vermählten Heldin Johanna. Er wußte, daß diefe Beiden gefährlihe Dinge vorbereiteten, während - die nähere Erbin, feines wirklichen Bruderd Guy verwaifete Tochter, Johanna die Hinkende, jung, erfahrungslos und ohne Anhalt daftand, weshalb er ihr noch bei feinen Lebzeiten in einem tapfern und mächtigen Chemann einen Befchüßer geben wollte.
Nah mannigfabem Erwaͤgen — es warben viele in = und auslaͤndiſche Herren um die reiche Erbin — fiel die Wahl auf Karl von Chaſt'llon, genannt von Blois, Grafen von Guyfe. Cr war ein ritterliher Kriegsheld, und hatte außerdem als Neffe des Königs von Frankreich einen maͤch⸗ tigen Ruͤckhalt. Auch war er — durch die erſte Heirath des Herzogs Johann mit einer Prinzeſſin von Valois — ein Verwandter des dazumal ſchon von der Krone Frankreich abhaͤngigen Herzoghauſes Bretagne. |
Diefer Vortheile ungeachtet, war feine Derlo: bung mit der Erbin Sohanna den bretanifhen Herren und Ständen — vermuthlic weil fie lieber einen Landsmann zum Fürften haben wollten — anfänglih nicht erwuͤnſcht. Da bezeigte Herzog Johann Luft, dem König von Frankreich die Bre: taͤgne zu uͤbergeben, und dagegen Orleans anzu:
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Pr nehmen fammt großen Leibrenten. Nach ihrer. pricht widerſetzten fih bie Barone des Herzogs thums öffentlich einem Vertrage, ber bie Weber: pleibfel der Unabhaͤngigkeit ihres Vaterlandes gaͤnz⸗ lich vernichte, und ſo willigten fie lieber in. So: hanna's Heirath mit Karl yon Blois, worauf es guc vielleicht gleich bei der ganzen Verhandlung mochte abgefehen gewefen fein. Die Vermählung ward vor verfommelten Ständen im Jahre 1338: heſchloſſen, und die Hochzeit vollzogen, mit der Ve⸗ dingung, daß Karl Namen, Feldruf und Wappen des Herzogthums Bretagne annehme; dann ſolle er auf des kinderloſen Herzogs Todesfall durch das Erbrecht feiner Frau als Nachfolger eintreten, fuͤr welchen Anſpruch ihm alsbald die vornehmſten Herren des Reiches huldigten.
—
Seite 55: „Hier auch zu prüfen meinenjungen I Muth Als andrer Knappen froͤhlicher ©e-
Käber in feiner mit reichem Fleiße ausgeſtat⸗
teten Weberfegung von %g Curne de Sainte Palaye's Schrift über das Ritterweſen bed Mittelalters
69 fagt im zweiten Bande S. 131., nachdem et be merkt bat, ein Knappe babe ehedem weder zum Uebungs⸗ noch Ernſtkampf einen Ritter herausfor⸗ bern dürfen:
„Dem fei nun wie. ihm wolle, fo verloren doch ‚die Mitter frühzeitig viele der Vorrechte, die ihnen fo viele Vortheile und Vorzüge vor ben Knapen“ — (denn fo pflegt er aus einer geil: lenhaften Eigeuheit flatt des noch heut zu Tage im Muͤhlengewerk und bei'm Bergbau lebendi⸗ gen: Knappe zu fhreiben) — „verfchafft hatten. Sie erlaubten unter.andern feit dem 14ten Jahr: Yundert, daß diefe fih in den Turnieren und Wettkaͤmpfen unter fie mifhen durften.” —
In einer Anmerkung, S. 133, fügt er hinzu:
„So viel Deutſchland ‚betrifft, iſt es gewiß, daß nicht bloß der wirklihe Ritter, ſondern jeder Ritterbärtige, folglih auch der hohe and niedere Adel ohne Unterfchied, in die Tur⸗ nierſchranken eingelaffen ward, wenn er vier Ahnen beweifen konnte, und fih durch Feine _ ſchlechte Handlung verächtlih gemacht hatte.” Nach eben diefen Grundfägen verfährt in unſrer
Geſchichte der Ritter, welcher fpdterhin dem Ber⸗ stand Roß und Waffen zum Turniere leiht. Auch bat Niemand, als Bertrand erkannt wird, etwas dawider, Daß der Edelknabe mitgefämpft und fogar
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den Preis gewonnen hat. Seit der Zeit, daß bie ‚Ritter deu Knappen eine ſolche Gemeinfhaft ver: gönnten, finden wir ale natärlihe Folge mindern Eifer, den Ritterfchlag zu erhalten, wie denn auch in den franzoͤſiſchen Stammbdumen von ba an ber Beiſatz Chevalier, der fruͤherhin nicht leicht fehlte, febr oft in Ecuper verwandelt erfheint. Selbſt anfer Du-Gueſclin erhielt, wie wir fpäterbin ſehn werden, erft in männlichen Jahren bie Ritter⸗ würde, als er ſchon längft durch mannigfache Fühne und fhöne Thaten berühmt Mar.
Eeite 57: ,
„Gewandt faft Bertrand’s Lanze das Bifir
Des Gegners, wirft ben Helmihm ab zur Erde,—" Um dieſes — das auserlefenfte Stüd der Zur: nierkunſt — möglih zu machen, befeftigte man, wie und der Verf. unfres zum Grunde liegenden Werkes (S. oben) ©. 10. lehrt, den Helm bei den feierlihen Lanzenrennen nicht, und Jeder hatte ihn alfo anf andere Weile zu hüten, fo gut er konnte.
U}
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Eeite 60 Derfpeerberähmten Normandie” — Es ift von allen Chroniften der Nitterzeit an: erkannt, daß die Ritter der Normandie unter allen Kittern Franfreihs die beften Turnierer waren, und wiederum erfannte man, bis ihr Ritterthum zu verfallen anfing, die Franzoſen für die beften Lanzenreiter in Europa an. in in Deutichland durch drei franzöflfhe Nitter erfiegter Turnierdant und der Ausgang faft aller Speerkaͤmpfe zu Roß — wir werden auch in unfres Bertrands Geſchichte viele diefer Art erbliden — legen Zeugniß für bie Wahrheit Diefer Anfiht ab. Warum es feitbem an: ders geworden iſt? — Es gäbe Stoff zu einer in⸗ tereffanten Abhandlung; aber auch aus dem ein: fahren Factum lieft der Aufmerffame wohl ſchon die Antwort.
Seite 60:
„Und im Vorbeilauf — Sieger ſtatt Erlegner! — Faßt mit dem linken Arm er ſeinen Gegner;“
Man ritt naͤmlich im Turnieren ſo aufeinander los, daB man fich gegenſeitig hart links vorbeikam.
EEE U
Mir jepige SKavalleriften, mit leichter Lanze, Schwert oder Säbel bewaffnet, reiten einander, wenn wir die Wahl haben, rechts vorbei, um den Arm zu beweglihem Stoß oder Hieb frei und vom Pferdekopf ungehindert zu erhalten, Bei dem feft eingelegten Nitterfpeer aber ift es ein andres Ding. Der ward auf eine an der rechten Kürad: bruſt befindliche Vorrihtung mit der Handhabe an: geftemmt, wodurch er erft die gehörige Feftigfeit erhielt, zugleich aber auch eine Richtung nad linke, und eine gewifle Unbeweglichkeit, welche die Gewalt feiner Wirkung vom Stoß des Pferdelaufes und vom Seftligen des — fih hinten gegen die fogenannte deutſche Sattelpaufge, vorn. mit vorgeftredten Süßen in die Bügel ftemmenden— Reiters abhängig machte. Die Bruft ward natürlich gleichfalls vor: gelegt, wobei fih aber von felbft verſteht, daß man zum Schwerterkampf eine SKampfesftellung, unfrer gegenwärtigen dhnlih, annahm.
Ein aufmerkfamer und kampfeskundiger Lefer fragt vielleiht; „wo ließ denn Bertrand feinen Schild, ald er feinen Gegner mit dem linken Arme faßte?“ — Beim Turnieren, erwiedre ih, be: diente man ſich vermuthlih der Schilde niemals, fondern ließ fie an den Schranken oder Balkonen hängen, wo fie zugleich zur Prüfung der Waffen: Inndigen dienen mochten, Diele alte Bilder und
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Zurniergefhichten ſprechen für diefe Meinung, wie auch der ganze Charakter dieſes Kampfes. Weber: haupt war der Schild zum Tußgefechte brauchbarer, zu Pferde meiſt hinderlich. — Die Lanzenrenner auf Leben und Ted in der Dreddner Ruͤſtrammer haben ftatt der Schilde hölzerne, am Harnifh fo befefligte Vorrichtungen, daß fie die linke Fauſt zum Zügelführen ganz frei laſſen.
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Bertrand Du-Gueſclin.
Vierter Geſang.
Was Du, o Menſch, in Deines Buſens Tiefen Fuͤr Wuͤnſche hegſt, wie ſittſam, edel, rein, Als ſie noch aller Welt verborgen ſchliefen, —
Nimm Dich in Acht; — bald kann es anders fein!
Kaum, daß au's Licht fie günft’ge Sterne riefen, So greift das Leben rauhvermwirrend ein.
Du kennſt die einft Gehegten nicht mehr wieder, Und drüdteft gern fie in's Vergeſſen nieder!
Nach Einem nur fei unbedingtes Sehnen, Se mächtiger, je fhöner, Dir entbrannt: Nach dem Erwachen, wo all Deine Thraͤnen Abtrocknen wird die ew’ge Vaterhand, Wo — hinter Dir verfunken Traum und Wähnen! — Aufgeht vor Dir das ew'ge Heimathland. Wunſch, zur Erfüllung durch Gott felbft befiegelt,
Und durch Erfüllung endlos überflügelt! —
»
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Du einzd’ger Wunſch! — In Wundereigen⸗ ſchaften
Bewaͤhrend Dich als goͤttlich abgeſtammt, — Wie ſelten kannſt Du in der Seele haften, Weil ſie mit eitlen Wuͤnſchen ſich umrammt! Mit Wuͤnſchen, die ihr Licht und Thau entrafften, Daß ſie verwirrt in dunkeln Gluthen flammt, Tiefwuͤhlend in den eignen Eingeweiden, Tollſchlau, in Luſt den Jammer zu verkleiden!
Wie ging es Euch, Bretagne's edle Ritter, Die Ihr bei jenem praͤcht'gen Abendtanz Aufwuͤnſchtet Euch ein kriegriſches Gewitter, um kuͤhn zu leuchten ein der Blitze Glanz? Es fommt! — Doc eh’ die früh’ften Lanzenfplitter ° Nur Erachen, wellt die Luft am Siegeskranz. — Es fommt, — doch in verhaßten Schwefelmogen, —
Denn ad, es kommt als Bürgerkrieg gezogen:
Gedenkt an Montfort, welcher zornbeklommen Nicht mit zu jenem Hochzeitfeſte ritt! Wohl damals war die Gluth nicht aufgeglommen, Weil Scheu und Hoffen noch den Grimm beſtritt. Doch als — zum vollen Erbſchaftsrecht gekommen — Die Erbin nun Bretagne's Thron betritt, Und mit ihr Karl von Blois, ihr Ehgemahl, Greift Montfort ſchnell zum lang' gewetzten Stahl.
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Vlelleicht, daB mehr noch, als die eigne Gfuth, Ihn der Gemahlin hoher Sinn getrieben; Sie, die dem angebornen Heldenmuth Aus Flanderns Stamm verbindet edles Lieben - Für ihren Herrn, und ihm ben Srerzogehut, — Ja, folgte fle den ftolgentfiammten Trieben, Die muͤhſam Kingheit nur vermag zu dämpfen, — Ihm gern auch Koͤnigskronen möcht?’ erfämpfen!
Johanna hieß fie, Auch Johanna nannte Sich ihre herzogliche Gegnetin, Die, Jener gleih, den Muth auf Herrſchſucht
Ä wandte,
Wenn glelch nicht mit fo kuͤhnem Striegerfinn. Doch vor dem Streit der zwei Johannen brannte Das Herzogthum beinah in Aſche bin, Denn, fo wie Montfort, drobte kuͤhn In Waffen Auch Karl von Blois, ber Sattin Recht zu fhaffen.
Für jetzt doch nur bereit dazu im Geiſt Und mit dem eig’nen ritterliden Arm! — Dem Recht, das ihm ben Herzoghut verheißt, Hat ex vertraut ganz ohne Serg’ und Harm; Sp, daß fein Gegner plößlih ihn umkreiſt, Mit manchem, wie der Erd’ entwachſuem Schwarm, Ch noch an feine treulichen Vaſallen Ein Aufgebot ließ Herzog Karl erſchallen.
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Er muß dem ungeflümen Montfort weichen, Kür deffen Recht Stadt Nantes fih erklärt! Der — überrumpelnd — feine Wappenzeichen Aufpflanzt in Rennes ſelbſt! dem, unbewehrt, Limoges Bürger ipre Schlüffel reichen, Wo er vom alten Herzoglihen Heerd Den Schatz raubt, ihn an Söldner fat verſchwendet, Und dann um Hülfe ſich nach England wendet!
Schnell hat ihn dort in feinen Schuß empfangen Der Brittenkönig Eduard, hoch erfreut, Daß, um in's Herz von Frankreich zu gelangen, So leicht ſich ihm der biut’ge Anlaß beut, Zuruͤck eilt Montfort;z feine Waffen Hangen Nun raſcher noch, da Mancher wohl fih ſcheut, Der wider Montfort kuͤhn es mochte wagen, Sich wider Englands Bundesfreund zu ſchlagen.
Derweil vor feinem aͤchten Lehnsherrn ſtellt Und vor der Yairs : Verfamumiung zu Paris Sich Karl, und ſpricht: „ein Weberfall zerſchellt Die Waffen mir. Nun, Koͤnig, der verhieß Den Lehnsvaſallen Schutz, und Ihr, geſellt Ri, edle Pas, zum Kampf mit Schwert und
Spieß,
ie zu Gericht und Feſt! Nun prüft mein Recht! Und finder Ihr's, ſo helft mir im Gefecht!
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‚Denn fiher nicht in Gutem wird gehoben, Der Streit, den Montfort fhon fo wild begann „Das“ — ſpricht der König Frankreichs — „laßt
| uns proben. Johann von Montfort ift ein Ehrenmann, um mache Chat ale Elug und Fühn zu loben, Und hoffentlich für des Geſetzes Bann Gehorfam auch, und wär's zu feinem Schaden! — Wir wol’n ihn her an unfern Hofhalt laden.“ —
Der Montfort kam. Mit edler Huld empfangen, Glaubt' er wohl erft, auch hier das Recht zu zwingen, Wie da, wo feine Söldner Waffen ſchwangen. Doch als die Rechtsgelehrten jetzt nah Dingen, Bis auf den heut’gen Tag wohl ganz umgangen, Ernft forfhen, und an's Licht Die Wahrheit bringen, — Da wirft er fih in Naht und Born zu Roß,
Und eilt zurud nach Rennes auf fein Schloß;
Und will von dort mit höflihem Entſchuld'gen Den König Frankreich's noch zur Ruhe fprechen; Als hab’ ibn eine Schaar von ungeduld’gen Sriedftörern nad der Heimath aufzubrehen Gedrängt; doch wol’ er gern dem König huld'gen, Und jeden Bund mit England gern zerbrehen; — Doch König Philipp bat genug vernommen,
Un) vom Gericht iſt diefer Spruch gefommen:
)
79.
„Bir Pairs des Reichs, und Geiftlihen und ' Kenner
Des Rechtes font — weil Johann Montfort fragt: Erbt nur Bretagne’s Herzoghut auf Männer? Erbt er auch an die hochgeborne Magd? — Entfcheiden: als rehtmäßiger Ernenner Hat der hochfeel’ge Herzog recht geſagt, Da er der Frau von Blois hat im Erblaſſen Und ihrem Mann das Herzogtbum gelaffen.
Drum fol nach Recht und nach des Könige Willen, Und den Herfommen alter guter Zeit, — Die wir geprüft forgfältig, tren, im Stillen, Niemand zu Lieb’ und Niemand auch zu Leid, — Johann von Montfort feinen Anſpruch ftilen; Belichn fei Karl von Blois auf feinen Eid! — Gegeben, feit die Welt ihr Heil erfahren, Nach Dreizehnhundert Ein und Vierzig Jahren.“ —
Doch meint Ihr, wenn ein Sprud das Recht gefunden,
Er ſtill? auch gleich ein flammendes Gemüth? Kein! die Entfcheidung fchlägt nur tiefre Wunden, . Der ganze Sinn des Abgewief’nen glüht; ‚ Und ad, zu leicht find Freunde Dem verbunden, Der um der Welt Verwirrung fih bemüht! — Johann von Montfort will den rechtgeglaubten Anfpruch im Kampf auf Gut und Blut behaupten.
. * —
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Doch wat nun Karl von Blois auch ſtark genug,
Um zu erfihättern feines Gegners Stand.
Rings um ihn droht' ein maͤcht'ger Heereszug: Theils al’ die Beſten vom Bretagnerland, Franzoſen theils, die ihres Koͤnigs Spruch Beſiegeln wollen mit bewehrter Hand,
Auch hatt? ihm, höher feinen Ruhm zu beben,
Der König felbft ben Ritterſchlag gegeben;
Ja, feinen ältften Sohn, den Prinz Johann Don Normandie, gab er ald Kampfgefellen Dem Schüpling mit, und Beider Heerzug kann Sich Montfort nicht im Feld’ entgegenftellen; - Drum ſchirmt er, bis ihm England Roß und Mann Zu Hülfe ſchickt, fih hinter Nantes Willen. | Doch fallt die Stadt, und ald Gefangnen ſendet Man nah Paris ihn; Alles fheint beendet.
- Beendet? Wahrlich nein! Ein zuͤndend Licht ft hold an feiner Stell’ emporgeftiegen: Johanna Montfort zeigt fi, winkt und fpricht, Und aller Krieger Herzen glühn! Es fliegen Die Schaaren vor bem bimmlifhen Geſicht Begeiftert in den Kampf, und Kampf ift Siegen, Gefahr ift Spiel, und Tod zur Luft verſchoͤnt, Wo der Geldruf: „Johanna Mortfort!“
tönt, U
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Nicht ift es mir befchieden, Dich zu fingen, ‚Du wunderbares, krieg'riſch holdes Bild! Ach, allzuherrlich wär’”ed, mitzuringen, Wo eine Sonne, fiegentgläht und mild, Wie Du mir ahnend ftrahift im Liedestlingen, Durdleuchtete das ruͤhmliche Gefild! — O komm bisweilen auf blutdunkeln Wegen, Johanna, Licht des Kampfes, uns entgegen! —
Tür jetzt nicht darf ich bei den Thaten weilen, Die in Schloß Hennebon durch Tie geſchah'n, Richt die Gefahren mit der Holden theilen, Durd die Belag’rer brehend ihr die Bahn, Nicht dann zuruͤck ermuth’gend mit ihr eilen, Wo der Bedrängten Grüße fie. empfahn, Nicht mit ihr ſchau'n, wie. Englands Wimpel weh’n, Ihr zum Entſatz, — ih muß nach Bertrand feh’n!
Mein Bertrand, viel bes Guten unddes Schönen - Haſt Du entzündet frühe ſchon in mir: | Nicht etwa Luft an eiteln Ruhmes Krönen, Kein, hoͤh're Luft an ſchoͤner Treue Zier; Und kuͤhn auf Deiner Thaten Sangestönen Hebt fih mein Geiſt! — Doc faſt vergelt’ ih’s Die, . Wenn heut’ ich von Johanna Montforr’s Bild Hinwende mi zu Dir; — Es ſei! — Es gilt! —
. 6
81x
Das ganze Heer ging? heut vieleicht verloren,
Im wäften Kampf des Ueberfalls zerſpellt;
-
Da war von Gott mein Bertrand augerkoren, Und zwanzig Andre noch, ihm zugeſellt; — Dreisehn davon aus Nitterbiut geboren. — Mit Denen bricht der junge, raſche Held
Lautrufend in des Seindes vordre Glieder.
Was ihre Waffen reichen, fkürzt barnicher,
So geht es vorwärts! Weiter vorwärts Immer! Und immer wilder tönt ihr Kampfgefchrei! Vorwärts, ja vorwärts nur, Ihr wadern Schwinis Zu mer!
Euch, Opferknaben fteht ein Höh’rer bei! — Verwirrend blitzt auf fie der Flammen Schimmer, — Dann hält fie Nacht in graufe Mummerei, — Den Feinden fcheint. vor fo viel tapfern Streichen Verzehnfacht jeder Arm, — fie wanken, weichen; —
Sie fliehn zuletzt im wirren Sluchtgedränge, Wo der Genoſſe fchent vor dem Genoffen, Die Tapferften verwidelt in der Enge, Zu Boden auch gerannt von flähl’gen Roffen! — Beftärzt beinah in der geftürzten Menge Von Feinden, beren Todeswunden floflen, Steht Bertrand mit dem Heinen Siegerhaufen. Ein Herzogsbote fragt. — Er fpricht! „Te laufen!
/
85 nen: 2a, in, weiß Bott, — dem Herzog kaennſt Du’s . fagen : Sie laufen eifrig, recht wie nad der Pflicht! — Doch willt Du mih um das Warum befragen, — %a, guter Freund, das weiß ich felber nit! — — ie haben bier ganz artig losgeſchlagen,
Doc daß ſo Vielen gleih der Muth; zerbricht, So auslöfcht, wie ein naßgewordner Zunder, — Gras’ aͤltre Krieger um das trübe Wunder!“ —
Ein Solcher Tann Dir gleich mit Antwort Bienen, Knapp Bertrand: ich, der Deine That befingt, Und der’s erfuhr, wie maͤcht'ger, was erfhienen, als was geſchah, der Kämpfer Muth beswingt. Magſt Schaar an Schaar Du felt zufammenfchienen, Wenn Dir’s nicht uͤberraſchend Fühn. gelingt,
Des Feindes Aug? und Sinn zu übermiuben, Suchſt Du im Krieg’ umfonft nah Kranzgewinden!
Auch muß — weil Nacht in ihren dunkeln Zellen Zu lieben pflegt ein grauſes Wechſelſpiel — Wer überfällt, vorſichtig Med ftellen; Wer überfallen wizd, wagt nie zu viel. Se ungeftümer feine Mogen fchwellen, . .. Se eher reißt ihn Sturm. an's Siegesziel! — . Das hat nun Bertzaub uͤberkeck erfahren; Ein Feldherrnſatz wird's ihm in. Kiuf’gen Jahren, j
m Yger gab's ein Staunen: „wie? Die Fluth
Brach ſo gewaltig ein, und iſt gedaͤmmt? Iſt ganz verlaufen ſchon? Weß kecker Muth Stand ſo allein entgegen unverſchwemmt?“ — Beinahe zurnend wallt der Ritter Blut, Zum Kampfeslauf entflammt, und nun gehemmt Durch jener wen’gen Knappen Hau’n und Stehen; — Man kann juft nichts mehr, als das Ding befprechen.
Und Damit kam's, wies oft wohl zu gefchehen Auf diefer Welt nach rafhen Thaten pflegt: Biel eitle Worte flattern und vermehen,
"Bevor ein eing’ges kommt, das gilt und wägt. Die Mehrſten biteben diesmal dabei ſtehen,
Vom Feind ſei's frech und hoͤchſt unuͤberlegt,
So tapfre Maͤnner, die ſich feſt verwallen,
Zu ihrem Luger blindlings anzufallen.
Doch Achtfamı forſchte nach genauer Kunde Arnold von Audreghem, ein edler Held, Der und erfheint noch in manch kuͤnft'ger Stunde ; — Und hörend , die der Anfall fei zerſchellt, Erläutert er’s mil klugbrrebtein Runde »Nem Hetren von Rang, dem er war zugefelt. Der ruft: „gewiß, daß Bertrand Hoch noch ſteigt, Wenn feinem Wuth. fein Gluͤck nur irgend gleicht!”
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Das war nun Fein Orakelſpruch zu nennen, Zum mind’ften nicht prophetifh wunderbar, Wie jener Nonne magifhes Erkennen Auf Schloß Broon. Denn wirklih ſcheint es klar: Ro Gluͤck und Muth vereint zum Ziele rennen, Da wird's erreicht. — Dech der Geſchichte war Das Sprüclein gut genug, ed aufzuſchreiben, So mag’s denn auch bei'm Lied In Ehren bleiben!
Und damit war für diesmal auch belohnt Der Fühne Bertrand; etwa ausgenommen, Pas freudig in der eignen Bruft ihm wohnt, Sur Fünft’ge Thaten heller noch entglommen! — Doc feit der Nacht, wo er ald biut’ger Mond So herrlich bligte, ift er wie verſchwommen Im Zeitgewölf. Acht. Jahre ziehen fort, — Bon Bertrand fpricht ber Ruhm kein einzig Wort!
Auch das gehört wohl mit zu deu Gewinden,
In die ung prüfend ew’ge Leitung führt:
Died halbe Gluͤck und dies beinahe Finden!
Du haft ſchon das gefuchte Pfand beruͤhrt, —
Dentit, ed zu greifen, — doch im Nachtentſchwinden
Wird's abermal Dir wunberfam entführt,
Als wär's verfunken ganz in Traumesfalten! — -
Da gilt's, o Freund: Demuth und Glauben balten! —
an
- Nicht weiß ich, war es Bertrand, dem gelungen So trüber Sieg, noch wel ein andrer Held! Doch ſchwer aus Eduards Muth iſt aufgedrungen Ein Zorngewitter. Muͤhſam freilich hält | Im koͤniglichen Geift er's noch bezwungen,
Doch wann einmal der erſte Donner faͤllt, So huͤte man ſich vor den zorn'gen Schmerzen; Der Todte lag ihm ſehr am edlen Herzen! —
Es ſchweigt das Kampfſpiel, nun ſo mis⸗ geſtaltet
Zum ſchlimmen Ernſt, — verſtummt beiſammen ſtehn Die fuͤnf Bretagner. Finſtre Ahnung waltet. Mistrauend feindlich hin und wieder ſehn Die Wirth’ und Gaͤſte; — Alles iſt zerſpaltet; — Kaum einz’te Worte hört man flüfternd wehn; — Dem König engt’s die Bruft, gleih Wundenſtechen; Er muß, er muß mit den Bretagnern ſprechen.
„Ihr Herr'n,“ — ſo hebt er düfterlähelnd an, — „Für Sarl von Blois, und Den, der mir verbunden In meinen Schuß fih hat, den Graf Johann, Hab' ich — zu heilen Eured Landes Runden,
Bu feſſeln Krieg In holden Friedens Bann, — Vorſchlag zum Waffenſtillſtand aufgefunden.
zept achtſam, bitt' ich Euch, dies Pergament; Dann unterfäreidP, wenn Ihr's für gut erkennt.”
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r?“ — fpriht der Aelt'ſte; — „Herr, wir find gefendet, Die Prinzen unfres Herzogs zu geleiten ;' Nicht unfre arme Unterfchrift beendet Nur Einen Punkt in diefem wicht'gen Streiten!”’— Doch er verftummt, weil Aug’ und Sinn fi blendet Vor Blißen, die aus Ebuard's Augen gleiten, Und nun der König ruft mit Donnerſtimme: „Ich bitt’ Euch ernftlich, reizt mic nicht zum Grimme!
7 She the, als wol? ich gar Euch überliften!
Wohl merk' ih, Ihr verfhludt manch arges Wort!
Glaubt Ihr, in folher Waffenruhe Sriften
Saͤnn' ih wohl auf Verrath? Auf blut'gen Mord?
Ihr meint wohl gar, daß wir und jeßt ſchon rüften,
Euch zu verderben, eh? Ihr noch den Port
Des Meer’s erreicht? — Schnell! Sagt mir's in’ Geſicht:
Glaubt Ihr, ih halt? Euch Treue, oder nicht?“ —
Umſonſt harrt er auf Antwort. Ernſter Schrecen Vor dieſes edlen Koͤnigsldwen Zorn Hemmt alle Zungen. Wildre Gluth erwecken Noch Schen und Zoͤgern in dem gluͤh'nden Born, Dem beinah überwal’nden Lavabecken; — Da ftellt der junge Bertrand fih ganz vorn Bor die Senoffen, fpredend: „haltet Ihr Geleit und Frieden, — wohl, fo thun’s au wir].
9a _ Jedoch, ſeid Ihr gewillt, ed aufzuheben,
So find auch dazu rüftig wir bereit!” — Der König ruft: „wie nun? Ich hab? gegeben Mein theures Wort! Hab? ich das je entweiht? Darf Jemand mir ein Fa zug Antwort geben? Der würd’ in freher Zügellofigkeit Mir meiner Chr’ und Krone Ruhm verlegen, Doch wahrlich nicht fih um Erfolg’ ergoͤtzen!“ m
Zu fänft’gen folder hohen Gluth Entbrennen,
Sprach Ritter Yvo Charusl dies Wort:
„Moͤgt, Here, nicht und alfammt vermeflen nennen,
Weil bier dem STüngling flog Die Mede fort!.
So grüne Jugend mag noch nicht erfennen,
Was eben ſich geziemt an jedem Ort!’ —
Der Bertrand, den man fchalt für unerfahren,
War juft ein Burfh von neun und zwangig Jahren.
Doch Koͤnig Eduard ließ den Spruch ſchon gelten. Damals war's lang’ hin bis zur Muͤndigkeit! Weiß nicht, ob fchwerer fih die Kopf? erhellten, Ob man mehr Licht erheifchte zu der Zeit, — Genug: fo war's. — Und nach dem rafhen Schelten Ward von Gewöllen Eduard's Geift befreit.
Hell wieder, zu geziemend heiter Wonne, Warf Strahlen rings bie Föniglihe Sonne,
—
Nur das noch ſagt' er, wie im legten Gluͤh'n Des Zorns zu feinen Rittern: „auf der Erden St doch Fein Menſch wie ein Bretagner fühn 1" Da trat zu ihm mit fei'rlichen Geberden Sein Aftrolog, und ſprach: „die Himmel fprüh’n Auf diefen Süngling Heill Was Großes werben Muß er. nach feiner Lineamente Zügen,
Die nimmermehr dem Tiefgelahrten luͤgen.“
„Wohl gut!” ruft Cbuard aus. „Doch lieber Meiſter, Unnoͤthig frugt Ihr jetzt den Sternenrath! Denn ganz von ſelbſt verſteh' ich mich auf Geiſter, Wo ſie durch Wort ſich aͤußern und durch That. Ja, dieſer Juͤngling, wunderviel verheißt er, Und, glaubt mir nur, auf ſeines Lebens Pfad Wird er ſo wundermehr noch einſt vollbringen, Daß alle Lande davon wiederklingen!“
Man ſagt: dem Löwen gegenuͤberſtehen, Mit fröhlich heiterm, unbewegtem Muth, Bis der fich felbft läßt Hold und freundlich fehen, Beweife fiammverwandten Löwenmuth,. Wo dag vor zorn'gen Kön’gen mag geſchehen, — Mid duͤnkt, die Prob’ ift juft nicht minder gut! Froh Fehr’, o Bertrand, nad) den heim’fchen Landen; Du haft die Loͤwenpruͤfung fhön-beftanden! -
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Erläuterungen zum vierten GSefange |
Geite 75: „Wohl damals war die Sluth nicht aufgeglommen,
Als Scheu und Hoffen noch bei Grimm beſtritt.“
Noch auf dem Todesbette des Herzogs Johann, der im Monat April des Jahres 1341 gu Caen ſtarb, verfuchte fein Bruder, Johann von Montfort, ihn von dem zum Beſten feiner Nichte und Karld von Blois eingegangenen Vertrage abwendig zu machen; Damit das Herzogthum bei der Nachkommenſchaft Peters von Dreur bleibe. Unfer zum Grunde lies gendes Wert erzählt diefe Unterhandlung ausführlich genug, die im Epos felbft nicht Daum finden fonnte, aber ſich mir durch ihr tiefes, tragiſches Gewicht faft unwillfürlic zu folgender Romanze .geftaltet :
Krank lag der Bretagnerherzog, Der der Gute hieß, Johann, Nah dem allerlegten Wege, Der und Alle einft erhartt, Dem'gewiffeften und ftrengften Ganz unwiderruflich nah.
95 ine un
Stille lag er, Herz und Augen
Fromm empor zu Gott gewandt, Fromm und froh, dieweil’s im Leben Oft ſchon feine Art fo war.
Da an’s Betr’ ihm trat fein Bruder, Montfort, der kriegsluſt'ge Graf, Sprach in's Ohr ihm ſtarker Stimme „Bruder, Bruder, hör’ mic an! | Der Du unter Einer Mutter
Holdem Herzen mit mir Iagft,
Hör mich, wenn Du je mich Tichteft, Trauter Bruder, hör’ mich an!“ — Still die fanften Blicke wendet,
Wie ein freundlich zahmes Lamm
Zu dem Bruder hin der Herzog, Seufzend: „ſprich, Du raſcher Mann! Nie wird Dir mein Ohr verſchloſſen, Nie, ſo lang' ich hoͤren kann!“ — Da hub Montfort an, zu klagen: „Wenig haſt Du mein gedacht,
Als die Folg” im Herzogthume Weichlich Du der Nichte gabft!
Soll das Haus von Dreux verſchwinden, Dem wir Beide find entſtammt?
Dder mind’fteng doch verfinfen In den aͤrmſten Ritterſtand?
Unſre Nichte ia erkor ſich
J
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Schon zum Herzog und Gemahl
Einen Ritter fremden Hauſes,
Den kuͤhnſtolzen Karl von Blois! Freundlich ſah'ſt Du drein, und ſeegnent Hobſt Du Deine Fuͤrſtenhand;
Feierteſt mit reichen Feſten
Die Verarmung Deines Stamm's! — Wie? Und meinſt Du, der Bretagner Tapfres Heldenvolk, — bekannt,
Als ſieghaftig und verwegen,
Wo nur irgend gluͤht ein Kampf! — Meinſt Du, ſolche Mannen zuͤgelt Eines ſchwachen Weibes Hand? — Bruder, Bruder, noch beſinn' Dich, Denn Du haſt nicht gut gethan, Bruder, an den letzten Pforten
Wende Noth von mir und Schmach!“ — Wie ein heißes Fieber brannt? es,
Wie ein Todesfröfteln brach's
Durch die ſchwer erihredte See, | Brad beinah’ ihr alle Kraft.
„Bender, —tiefder Herzog, — „Bender, Sept mir diefen ſchweren Kampf? Schwerſtes hab’ ich zu beftehen, Und Du fülft die Schale an? — Bruder, 0 Du fhlimmer Bruder!” — Aber wieder hingewandt
_
kromm und froh zum Quell bes Troftes,
Zag er ploͤtzlich til und fanft,
Und dann quollen diefe Worte
Ihm von bleicher Lippen Rand;
„Lieber Bruder, bift fo heftig,
So auf Weltliches bedacht,
Aber kannt Doch Den nicht irren,
Der ben rechten Anker fand!
Wenn ic fehlte, — Gott mag"s fhlichten,
Der mir jebo zuruft: Halt!
Und mir feinen Raum mehr gönnet
Auf-der trüben Lebensbahn.
Truͤbe? — Rein. — O, fie erhellt fid
Meinem Scheideblid noch klar!
Hör’ mich an, Du lieber Bruder, .
Hör’ den ſterbensklaren Mann! —
Nicht allein Hab’ ichs befchloffen, .
Was mit meinem Erb geſchah;
Uralt ift der Frauen Erbrecht
Hier in unfrem fhönen Land,
Deshalb folgt mir meine Nichte,
Und die Stände ſprachen Ja,
Jene Stände ‚ die Du tapfer
Nach der Wahrheit haft genannt!
Eben drum im Schus ber Damen
Brauchen freudig fie die Hand, —
Noth von Deinem Leben wenden, - 7
B.
Und von unfrem Haufe Schmach? — Bruder, edle Heldenhaͤuſer erben wahl bisweilen arm, Aber fremde bleibt auf ewig Ihnen auch das Woͤrtl ein Schmach! Nenn' ſolch haͤßlich Wort nicht wieder! Nimmermehr! — Und: gute Nacht. Denn hier unten wird's ſo dunkel, Aber mir winkt guter Tag!’
. Und fo if fein Leib entſchlafen. Seine Seel' erft recht erwacht In des feel’gen Sriedend Hafen; — Der von Montfort ritt zur Schlacht, Häufte, wie ein Aehrenbinder Garben, Leihen fonder Zahl! — D der armen Menſchenkinder Schauerlih verfehrte Wahl 1"
@eite 77: „Der Brittenkoͤnig Eduard‘ — Es war ‚Eduard der Dritte, der von dieſem Anlaß her in einem furdtbaren Kampfe Frankreich verwüftete und beinah eroberte, durch die aus: gezeichneten Kriegsgaben feines Sohnes, des Prinzen von Wales, welden man den ſchwar⸗
— ai
gg geh Prinzen zu nennen pflegte, ganz vorzüglich unterſtuͤtzt.
Srite 78: Und vom Gericht if diefer Spruch gekommen:“
Er findet ſich in dem von uns angefuͤhrten und zum Grunde gelegten Werke ©; 284 in lateiniſcher Sprache, unter dem Titel!
„Copia Arresti pro Karolo de Blesis, contra
‘ Joannem de Monteforti pro Ducatu Britanico
lati 7 Septembris anno 134ı w 4. w:
In der Hauptfache enthält er die Im Gedicht aus: Befprochne Entfcheidung, wobei noch die Recht— mäßigfeit der weiblichen Erbfolge theils durch Bei⸗ viele aus dem übrigen Frankreich, theild durch welche aus der Bretagne felbft, verfochten und be: gründet wird,
Giite Bo:
„Auch hatt ihm, hoͤher feinen Küdm BE zu heben,
Der König ſelbſt den Ritterſchlag
gegeben.” Wieder ein Beweis zu dem in den Erlaͤute— zungen des dritten Geſanges aufgeflelten Enge, 7*
_100
daß in diefem : Zeitalter der Adel ſchon weniger eifrig nach Grtheilung der Nitterwärde rang. Der mit einer SHerzogserbin verehlichte, "von einem großen Theil der bretagnifhen Ritter und dem Könige Frankreichs als Herzog anerfannte Karl von Blois- empfing nun erſt den Nitterfchlag. Jeder undefcholtne -und die Waffen übende Edelmann ge⸗ hörte - eben ohne Weitres zum Ritterſtande, wes⸗ halb ich auch nichts Ungehoͤriges gu thun glaube, ‚indem ich, noch ehe unfer Bertrand den Ritter: fhlag erhielt, bisweilen in Bezug auf ihn Die - Worte Ritter nnd ritterlich anwende. Das letz⸗ tere bat ohnehin eine weit umfaflendere Bedeutung, wie ich das in meiner und meines Freundes Pertheg Schrift: „Etwas uͤber den deutfhen Adel, äber NRitterfinn und Militair:Ehre-u, ſ. w. bereite ausführlic dargethan babe,
Seite 88:
„Zwar anf fein Wort jog nah Bre—⸗ oo tagne“s Küften Held Karl zuräd: — doch nur, ber Loͤfung Preis Zu fammeln-und zu zahlen.” — Wir finden ſpaͤter noch — und gleich im naͤchſt⸗ folgenden Geſange Beifpiele -von dieſen Loͤſungen
‚. 298.
and der Kriegsgefangenfchaft: Dergleihen mar ganz in ber Ordnung des Bölferrechtes, und konnte auf Begebren nicht wohl- verweigert werden, ber @efangne habe ſich denn etwa durch unrechtliches Betragen mehr zum Raͤnber oder Empörer geitem- yet, ale feine SKrlegmannd: Würde behauptet. Molfte- man ihn fonft ‚nicht. gern anf freien Fuß ftellen, fo blieb nur übrig, ihm ein möglichft' un⸗ erfhwingliches Löfegeld anfzulegen. Doch aud darin hatte die Nitterfchaft ihre Geſetze der Groß: muth und Billigkeit, von denen der Einzelne nicht wohl abgehen Fonnte, ohne fih durch einen Kal in der öffentlihen Meinung und alles. daraus hervor⸗ gehende Nachtheilige faſt fehlimmer als feinen Wis derfacher zu. treffen. Weberhaupt ergäusten in jenen Zeiten Chre und Liebe ale Mängel ber beitehen: den Rechtsbuchſtaben auf eine bewundernswuͤrdige Weiſe. — Wie aus allem Guten und Billigen aber das Misgeſtaltete in ſiegender Haͤßlichkeit hervor⸗ gehn kann, bewies ſpaͤterhin die Wirthſchaft der italiaͤniſchen Condottiere, deren Schlachten nur Gluͤcksſpiele wurden, wo. man ſich huͤtete, deu Gegner zu befhddigen, und Alles auf Geld bins andging, ſtatt auf Leben und Blut! Auf Geb, - welches mit oder. ohne Ummege doh am Ende nur wieder der friedlihe Bürger bezahlen mußte! Doc was Tann nicht Alles über einen felhen herein:
.. 102
breden, wenn er einmal abſolut den Waffen ent⸗ fagt Hat, und dag haare Metall feine einzige Ruͤ⸗ fiung geblieben ift! — Hüte fih doch Jedermann vor einem fo abſcheulichen Zuftande, und feegne die. Megierung, die ihn zu der heilſamen Waffenübung anhält, follten auch wirklich darüber einige Thaler minder verdient werben. Die Thaler, die Ihr auf Koften Eurer Männlichkeit verbienen möchtet, bes fäßer nicht Ihr, fondern fie gehörten dem Feind, und Euer ganzes Hab! und Gut — dag Chelite nicht ausgeſchloſſen — obenen!
103
Bertrand Du-Gueſclin.
" Sünfter Geſang.
Eu) lad' ich, die Iht gern Hört Waffen Elingen, - Heut’ auf manch blutig keckes Uebungsſpiel Bereitend ung zu Löniglichem Ringen!
Hier gilt's vorerſt ein minder hohes Ziel: Scharmuͤtzel nur und Hinterhalted Schlingen,.
- Und wie der Einz'le drinnen fiegt’ und fiel,
Doch höher fiete, als Bertrand’s Perferkriege, Ja auch ale im Turnier des Juͤnglings Siege!
„Wohlauf zum Tanz! Bretagne’s grüne Heden. Und viel verfhlung’nes Huͤgellabyrinth, — Es beut ſich reich zu liſt'gen Kriegeverfteden, Wo doch nicht immer fchlauer Kath gewinnt; Halb überfellen ſchon gelingt’s dem Keden Oft dennoch, das Geflecht, das ihn umfpjunt, In ritterlichem Anfall zu zerftüden, Und fo aus Netzen Sieg und Ruhm zu pfläden! —
*
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Zwei edle Heren eröffnen und ben Reihen: Robert Richer, vom Lande Mes entitammt, Dem Haufe Montfort feinen Arm zu leihen, In ritterlicher Fehdeluſt entflammt; . Bei. Ihm Johann von Toigne, auf England's freien Kampfauen weit.berähmt im Kriegeramt! — Da fragt an wohl: „aus England Der geboren ? Wie Elingt ex fo franzoͤſiſch unſern Ohren?“ —
Dies Erftemal wird nicht das Letztemal! Denn zum: Gefechte wider Franfreih kamen Aus England edle Ritter fonder Zahl Gezogen mit franzöfiih alten Namen. - .
Das ftammt von da, wo fih nach ſtolzer Wahl Das Meereseiland Tühn zur Beute nahmen Die Ritter Wilhelms von der Normandie.
Die Spur befieht noch jegt, und fchwinder nie. — .
Nun, Johann Toigne und Ritter Richer zogen Durch die Bretagne, feindtich jedem Haus, Das nicht in diefen ſtürm'gen Kriegeswogen Das Wappen Montfort’s fledt ald Banner aus. Mein Bertrand denkt? „genug umbergeflogen, Ihr Sperber überdreift zu Fang und Schmaust Wenn mein’ und’meiner Freunde Waffen halten,’ Sol ſich das Ding urploͤtzlich umgeſtalten!“ —
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Stark war der Feind, zum Thellrihm zugewendet Um Montfort mancher. Städt’ und Dörfer Sinn, Wild in Partheiwuth flammend. Darum fendet Bertrand nach fieben Edellenten bin, Davon gern Jeder Gut und Leben fpendet, Wo's gilt für feined Achten Herr'n Gewinn. Biel Hingt’s: bei unferm Bertrand fieben Rittert Doch blieb im Ganzen klein nur dad. Gewitter;
-An Zahl der Wolken Hein! — Mit Jedem zogen Vier Mannen hoͤchſtens, panzerhell umblecht, Und dann noch leicht bewehrt mit Bolz und Bogen Acht Schügen etwa. — Dach wie in's Gefecht Sie auf den Wink der edlen Meifter flogen, Behgnptend ihrer treuen Väter Recht, Nacheifernd gar wohl ritterlihem Orden, War's doch mit Blitz und Donner Ernit geworden,
Nach wader'm Kampfe was der Feind erlegen, Das Führerpaar in Bertrand’ Hand gefangen. Der heifcht ehrſames Lösgeld von ben Degen,
Und hat's von Beiden auch aldbald empfangen, Doch Toigne ſpricht: „mein's wollt beifeit Euch legen, Weil bald Ihr wieder müßt zur Tafche langen. Denn, Herr, dafern mir Wunſch und Hoffnung reifen, Denk' ich bad Euch, mie juͤugſt Ihr mich, zugreifen 1A
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Der Bertrand lacht, und dentt: „das wird fick finden ! oo.
Mich, hoff' ic, fängt man eben nicht ſehr leicht!“ — Hr Di, mein Kriegsmann! Inden Irrgewinden, Wo ſich nach Becherel die Strafe ſchleicht Von Dinan her, und gruͤnend ſich verbinden Die Heckenzaͤune, dornig feſt verzweigt, Kann leichter noch, als hinter Schloſſesmauern, Ein unverſeh'ner Anfall auf. Dich lauern! —
Jedoch Du trauft zu kuͤhn auf Deine Kraft, Hältft ger mit Deinem Trupp wohl abgefeflen,, Weil etwa Rob und Mann, von Hiß? erfchlafft, Nach Waid' und Schatten lechzt und Trank und Eſſen! Der Koigne kommt! Vergeblich kaͤmpfend rafft Sich Alles auf. Nun hilft's nicht, daß vermeſſen Du ringſt und ſchlaͤgſt, mein Held; Du wire,
gefangen. = Toigne hat mit Zins die Köfuug ruͤckempfangen.
Das mußte Jakob. Plantis bald entgelten, Ein Hauptmann England’, muthig fonft und flink,, Doch den im Hinterhalt, im kluggeſtellten, Der kaum gelöfte rafhe Bertrand fing. — Wie aber, — mag es Geld. und. Gut nur gelten? Das ſchaͤtzt mein hochgefinuter Held gering, Und lernt wohl mit dem Krieg au taͤndelnd ſpielen! — Geduld! Der wird bald ernfter nach ihm zielen. .
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Der Krieg ift ein gewalt'ger weifer Meifter, Mit ſtreng' und milder Gabe reich belichn, Um fi die auserkornen Heldengeifter Sür den hochernſten Dienfigang zu erzichn. — Den Hartgewarnten macht er wieder dreifter Durch hellen Lichtblick; — dad, verblendet ihn Ein leihter Uebermuth im flüht’gen Strahle, — Sig fuͤllt ein ſchwarz Gewicht die andre Scale !—
Dertrand! — Siehn Du bei Euran dort die Bruͤcke?ü —
Sieh achtſam hin! — Die wird ein ernſter Paß! — Du trabſt hinuͤber, trauend Deinem Gluͤcke, Ein keckes Ziel im Auge! — Blutignaß Kommt Dein gedrangtes. Häuflein bald zuruͤcke, Manch edler Kämpfer fhon zum Tode blaß! — Und. nicht einmel der Rüdzug bleibt Dir frei, — Hoͤrſt on der Wrüde Du das Feldgeſchrei?
Siehſt Du von alfwärtg her zufammenlaufen,
Aufammenfprengen auch auf muntern Roffen
Der ringsverſteckten Brittenkrieger Haufen? — Du bift umftellt, dee Heimweg Dir verihloffen! m, Da zufft Du wohl: „wie woll'n und hoc verkaufen!“ Dir nach auch rufen’6 Deine Kampfgenoffen, | Und Euch zufammenball’ud in dichte Notten, | . Steht Ihr bereit, der. Uebermacht zu ſpotten.
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Lang? halten Eure eifenfelte Herzen, Vom feitgewölbten Küras überbaut, Das Spiel aus mis den ernſten Todesſcherzen, Die Ihr empfangt und fendet: ohne Laut. Hoch fteht Ihr, unbewegt, wie Leichenkerzen, Das ſchier den tapfern Feinden vor Euch graut. Nings liegt's wie Saatkorn von zerfpellten Epeeren, Bon Todten auch, wie von gemähten Achren !
Doch auch Ihr ſelber daumelt nach und ach, Nun Der, nun Jener, in fein kuͤhnes Blut! Was: nicht des erſten Anfalls Krafs zerbrach. Das bricht des dritt’ und. vierten Anfalls Wut. Soft Er nur übrig noch am heißen Tag,
Steht Bertrand lange, voth von Feindesbkut,- Gin Räder der Genoffen, die -erkiegen,; Setbft unbeſiegt, doch müder fletd vom Siegen:
Und endlich ſinkt in jüngft noch ruͤſt'ger Hand Das vielgebrauchte Schwerdt- von eigenen Sitei- den; Die Füße, — lang' fo rieſig feſtgebannt Auf bluͤt'gen Grund, — ob fie auch nimmer weichen, Ste wanfen; — da urplößlich angerannt, Sängt man den Hingeftürzten über Leichen ;- Saft ihn allein aus der. bedrängten Schaar Ließ lebend los die ködtlihe Gefahr, —
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Da hat er Vieles ernit bei ſich erwogen, . Der num: fo fireng’ gemahnte kuͤnftige Held;
Da hat errsftill bedacht: „die blut’gen Wogen, DBerihlingen Hoͤh'res viel, als Loͤſegeld!
Mehr wie ein Knab' als Hauptmann ausgezogen, Ward ich, umſtellen wollend, ſelbſt umſtellt.
Ihr Treuerſchlagnen, Eurer will ich denken,
Und weiſern Sinn's hinfort Die Schaaren lenten ⸗
Bald ſehn wir IE andgelöf und frei ihn wieder Nah Thaten ruͤſtig durch Die Gegend traben. Nie ſchlug ein Unfall truͤblich ihn darnieder Den Geift, gekraftigt durch zwei hohe Gaben: Durch Feden Muth, fo fröhlich juft als bieder! Mehr noch durch ein lebend’ges Inſichhaben Des Glaubens, der — ob Gluͤck, ob Leben weicht — Ang himmliſchllar ein frohes Jenſeit zeigt‘. —
Bor ſolchem TeePgen Geiſt auch ſchmuͤckt aufs
Beſte
Sich braͤutlich unſchuldvoll die aͤußre Welt
Mit manchem Kranzgewind' und heiterm Feſte,
Vorſpiegelnd ew'ge Luft — Seht unſern Held
Im fröhlich hellen Reihen edler Gaͤſte
Auf jener Burg, vom Schoͤnheitlicht erhellt! —
Die Frau von Tinteniac lud viele Damen
Dorthin, und: Herr'n zugleich von edlem Namen.
„410.
Dort wine in hochbelaubten Hedengängen,
‚Yuf buntem Sand, bei Springborn's Muſi—⸗ ziren —⸗
Oftmal ward's auch zu neckendem Beſprengen! — Manch art'ges Spiel und liebliches Spatzieren. Die ſuͤße Luſt an Reimen und Geſaͤngen Schwebt' aus des heitern Himmels Duftrevieren, - And drang In zweier holden Frauen Sinne, Die fangen diefes Lied von Krieg und Minne:
Die Erſte.
„Auf mit wedendem Hoͤrnerſchall! Fort in ſchreckendem Waffenhalt! Seht, Victoria Schwebt in Gloria ' Am blutrauſchenden Waſſerfall!“
Die Zweite,
„Still am fläfternden Bachesgang! Still am duͤſternden Erlenhang! Roſ' erroͤthet, Mild umfloͤtet Bon der Nachtigall Minneſang!“
am ,- Die Erſte.
„Sing, o Nachtigall, Sing' in Ruh! Fleiſſ'ger Bachesfall, Murmle Du! Iſt verſchollen Krieges Rollen, Kommt man wieder, und hoͤrt Euch zu!“
Die Bweite,
„Ei, fo tofe nur, Wilder Streit! Bleib der Roſe nur Etwas weit! Weit den Baͤchen Und dem Sprechen Und dem Singen von Liebegfeib |‘
Die Erfte,
„Woll'n befluͤgelen Kuͤhn die Schlacht! — Woll'n fie zügelen; Wenn ſich's macht. — Doc nicht zagen Muͤßt und Elagen, Wenn was näher der: Donner Fracht!”
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Beide,
„Kling' deun, mädtiger Kampfesreih'n! Lodre, praͤchtiger Wetterſchein! Donnertoſen, Um die Roſen Mafpte kuͤhn, Aber ſchlag nicht ein!“
Das bunte Liedchen rann noch kaum zur Neige, Da zog den Ritter Andreghem beiſeit Ein Bote mit der Runde, nahe zeige Sum Kampf fi fröhliche Gelegenheit: - Ein feindlihes Geſchwader rei? ımd feige Thalan, nicht allzuordentlich gereih't, Sorglos und Fed; fo viel man eben merke, Sei etwa hundert vierzig Mann die Stärfe;
Ein kuͤhner Brittenheld — To (dei es — Teite, |
Here Hugh von Caurelce, voran ber Schaar!"' — Sieur Andreghem nimmt unfern Held beifeite, Und ftellt ihm Alles ernft befonnen dar. Dann fpricht er: „dreißig Schuͤtzen zum Geleite Nimm mit, und flieg hinaus, Du junger Aar! Spaͤh', ordne an, ganz wie es Dir beliebt: - Und komm zurüd, mir meldend, was es giebt.’
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Bretagne’s junger Adler fliegt von hinnen, Ganz unbemerkt. Das Feſt geht heiter fort. Auf grinem Raſen webt im Tanz ein Minnen, Ein ſitt'ges, zartes, ohne Spruch und Wort, Die Seelen mild zufammen; Raͤthſel rinnen Aus fhönem Mund; von uralt gold’nem Hort Ziehn Maͤhrchen fläfternd durch den Klang der Saiten, Und Niemand denkt an nahes Waffenftreiten.
Heren Arnold Andreghem nur ausgenommen; Der fieht auf Tanz und Spiel mit halbem Geift, Bis ihm fein Bertraud ift zuruͤckgelommen, . Und meldet: „'s it der Hugh! Er kommt fehr
" dreift. | Am Hohlweg ſteh'n bie Schüßen; angenommen Wird er duch die, und gaufelnd rings umkreift; Indeſſen kommt uns Botfchaft her zum Echloffe. — Schon ziehn die Reif’gen ftil hinaus die Roſſe! —
Für jet noch lockt mich dort. der helle Reigen; Ein Fräulein dab’ ich mir zum Tanz erfeh’n. Wann’s Zeit wird, winkt mir nur!’ — Mit ſitt'gem
Nein | Fast er der Schönen Hand, und Beide dreh’n' Sm Klang ber Flöten und der hellen Geigen, Ummebt von holder Sommerläfte Web’,
Sich hin und Her, bis Arnold Andreghem Stillfluͤſternd naht: „nun gilt’s; mein Du-Gueſclin!“ 8
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Da neigt er fich entichuld’genb vor ber Holden,
Und laͤßt fie los, und ſchluͤpft zur Pfort” hinaus,
Und fummt ein Lied von Triften und Siolden
Aus Artus Zeit. — Hell, wie ein bluͤh'nder Strauß.
Lag rings die Gegend! Duftig floh'n .und golden
Die Abendwolken über’s Himmelshaus!
O Gluͤcklicher, fo ſchoͤn aus Tanzes Gleiten
In ritterlichen Heldenkampf zu reiten! —
Da war wie aus zwei fernverſchied'nen Welten Das Schloß und Thal auf Einen Grund gewebt! Derweil ſchon hier die ehrnen Waffen ſchellten, Der Boden klang, von Roſſestritt durchbebt,
Sah dort man noch die abendlich erhellten
Grasplaͤtze reich vom holden Tanz belebt, Und wandelten durch ſchatt'ge Laubengaͤnge Die lieben, ſchoͤnen Frau'n und die Geſaͤnge.
Zuletzt berief der Abendtiſch zuſammen Den frohgeſell'gen Kreis zum Buchenſaal. Da fanden ſich manch fromm verſchwiegne Flammen; Der Platz, der Zufall ſchien, war ſuͤße Wahl. Die Lichter ſittigen Erroͤtbens ſchwammen Auf zarten Wangen, und der Goldpolal Verlieh gewandte Rede manchem Blöden, Entlockend holden Gegengsuß ben Sproͤden.
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Gin alter Rittersmann von feinen Bitten, Mit feinem fchneeig weiſſen Bluͤthenhaar Stets gern im Kreis der jungen Welt gelitten, Wie blaffer Vollmond bei der Blumenfchaar, Lauſcht heiterlaͤchelnd In des Feftes Mitten, Unb jedes Herz wird gern ihm offenbar,
Weil er nur liebt zu ſchmuͤcken, nie zu ftören. Sept laͤßt er dieſes Raͤthſelſpruͤchlein hören:
„'S tritt ein Gefangner ein In diefen Garten, Mag kaum, fih zu befrel'n, Die Stund’ erwarten! .
Denn feinen Buſen fchwellt Die Luft am Kriege, ' Gern prangt als Tühner Held Er hoch im Siege!
. Allein je länger bier, Se minder wanken
Aus blum'gem Lichtrevier Ihm die Gedanken.
Kann er dem bolden Reif’n " Wohl je entlagen ? Wollt Ihr einft los ihn fein: Ihr müßt ihn jagen! g*
116
Jagt Ihr ihn fort vom Saal Ihr holden Frauen, Doch läßt er ’mal auf ꝰmal Sich wiederfhauen. —
Seid, Herrn, Ihr auf det Epur? . Nein: in der Falle! - Ihr denkt: ’8 iſt Gott Amur! Wir find’! Wir Aller
Ein heitres Lachen lohnt die beitre Spende, Und auch aus fchöner Hand ein Blumenkranz. Da ruft es durch die laub'gen Saaleswände: „Recht bat Eu'r Sprüchlein, Herr! Jedoch nicht ganz. Ihr zieht's auf Alle! Uber ich, ich wende Auf mid allein der luft'gen Reime Tanz!” — Man flaunt! — Es war Herr Hugh, der kriegsge⸗ fangen Mit Andreghem und Bertrand kam gegangen.
| Ein Srendenruf gräßt die drei edlen Gafte, Und von ben Frau'n ein freundlich fitt’ges Neigenz Die Ankoͤmmlinge nehmen Theil am Sefte,
Und, dem Gefang’nen hold fi zu erzeigen, Wählt man für ihn an Speif’ und Trank das Beſte; Die Wahl für feinen Platz laßt man ihm eigen. Kurz: ob-den Siegern Gruß und Heil begegnen; Noch beffer wahrlich geht es dem Erleg’nen! —
-
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Du kuͤhne Seit mit deinen zarten Sitten, ie fhwebft Du lodend über unferm Haupt! - Du haft bisweilen In der Zwietracht Mitten, Die, weltlich ringend, frech die Welt beftaußt, Manch einem Kämpfer, der für dich geftritten, Die Schläfe mit friſchgruͤnem Zweig' umlaubt! O kehre wieder, kehre bleibend wieder,
Du Zeit der ſchoͤnen Sitten und der Lieder!
Erläuterungen zum fünften Geſauge. Seite 104 : .
„Das ſtammt von de, wo fih nad ftolzer Wahl
Das Meeresciland Eühn zur Beute nahmen
‚Die Ritter Wilhelms von der Nor: mandie; —
Die Spur beſteht noch jest, und
fhwindet nie.
Viele der. vornehmften englifhen Namen tra- gm fortgefegt die frarzoͤſiſche Rechtſchreibung an fi,
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und wanken auch in der Ausſprache zwiſchen den Sit⸗ ten der Abſtammung und Verpflanzung.
UN 1
Seite 116:
„O Slüeliner, fo ſchoͤn aus Tanzes Gleiten
In ritterlichen Heldenkampfzu tel ten!“
Aehnliche begeiſternde Kampfesfreuden ſehn auch noch bisweilen die neuern Kriege, obzwar in der Regel das fernreichende Geſchuͤtz alle holdere Naͤhe von uns verſcheucht. Der Reiter iſt damit noch am beſten dran. So hoͤrte ich ſchon als Kind folgendes Geſchichtchen vom großen Seidlitz erzaͤhlen. Es kam aus zuverläffigem Munde, aber Ort und Datum hielt mein Knabengedaͤchtniß nicht feit. Deshalb mag Alles hier lieber in Liedesweife ſtehn:
Wer reitet durch das Sachſenfeld Im raſchen Kriegesflug? Das iſt der allerkuͤhnſte Held, Der je den Kuͤras trug!
Der Seidlitz iſt es! Wo ihn fern Der Feind im Traum nur ſah, "Steht er als ein Kometenftern - Urploͤtzlich dräuend nah.
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Eeht Ihr das hohe Fuͤrſtenhaus? Da ſchauen durch das Feld Wohl ſchoͤne Fuͤrſtentoͤchter aus; — Hinan trabt unfer Held.
Es waren ſchlimme Gäjte drin, Weit aus Franzofenland. Die prahlten mit verdrehtem Sinn Bon Kriegs: und Liebeshrand,
Die wollten juft zur Tafel gehn Am dentihen Fürftenhaus. Doch kaum ließ fi der Seidlitz fehn, So zogen raſch fie aus.
Der Seidlis mit Trompetenfhall Mitt nad dem Schloß empor. Die Säule führte man zu Stall; Die Feldwach rüdte vor.
Die Reiter fanden Trank und Mahl Wohl reich an Schloffes Fuß. | Der Seidlig fand im Fuͤrſtenſaal Viel holder Frauen Gruß;
Und auch manch fröhlich heilen Scherz, Wie ſchnell den Feind der Stahl Des Gegners und fein Elopfend Herz Wegtrieb vom Fuͤrſtenmahl.
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Da hieß es: „nun, o Here, zu Tiſch! Die Speifen werden kalt.“ — ’ Doc horch, wie bort vom Walde frifch Piftolenfhmettern kuallt! |
Ein Reiter von ber Zeldwady jagt Schnell über Haid’ und Moog, Tritt lächelnd in den Saal, nnd fagt: „Der Feind tft wieder los.
Er kommt mit einer ſtarken Macht!" — Die Frauen wurden bleich. Allein der heitre Seidlitz lacht: „Wir effen doch wohl gleich!
Seliebt es Euch, Ihr Holden Frau'n, Sm hellen Mittagfchein Ä Vorerfi ein Jagen anzufhaun? — Ich fteh’ für Mles ein.”
Er grüßt, und ſchwingt ſich auffein Roß; Aus fuͤhrt er feine Schaar. Die Frauen nahmen's von dem Schloß Halb ſchen, halb laͤchelnd wahr. —
Wie ſchmetterte Trompete heil! Wie war den Reitern wohl! - Wie jagte dee Flanqueur fo ſchnell! Wie kaallte fein Yiftol! "
321 Kam das vom heitern Himmelsſchein? Es kam von fhön’rm Glanz: | Man wußte je, viel Frauen fein, Die fhauten in ben Tanz!
Der Seidlitz lacht: „genug gefeh’n Nun haben fie vom Spiel,
Die Frauen woll'n zu Tiſche gehn; Raſch, Kinder, nun an’s Ziel!“
Er hatt? am. Huͤgelzug verſleckt Me Schaar mit Hugem Sinn. Der Feind, von vorn fo Kühn genect, Sah dorten gar nicht hin. |
Nun ploͤtzlich Alles: Schwerdt zur Hand! Galopp im Waffenſchein!
Da brach die Schaar aus ihrem Stand, Und hieb vom Fluͤgel ein.
Da flog der Feind mit Mordgeſchrei, Mit: „sauve qui peut! zum Wald. Die Preußen tauchsten [aut Dabei, Daß Alles wiederhallt;
Vergaßen über'm Jauchzen nicht, Recht tuͤchtig nachzuhau’n. Da hatte manch ein Augenlicht Vom Schloffe viel zu ſchaun.
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Denn huͤbſch ſieht ſich s von weitem an, Macht Frauen hellen Muth,
Nur der tief drinnen ficht, der Mann, Sieht Graus und Grimm und Blut.
So ſoll es ja anch eben ſein Auf dieſer ſtritt'gen Welt. Drum lauſcht die Frau im Kaͤmmerlein, Und zieht der Mann durch's Feld.
Und jedem tapfern Reitersmann Beiheere Bott ein Mahl, Wie's Seidlitz ih mit. Kampf gewann . Im hellen Fuͤrſtenſaal! j
b -
AUT —,
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Bertrand Du-Gueſclin. Sechster Gefang.
Weit ſpann', o Lied, weit ans die Adler: ſchwingen,
Und weiter ſtets mit jeglichem Geſang, Weil kuͤhner ſtets die Waffen Bertrands klingen, Und rein're Bergluft ſucht ſein Heldengang! Die Weltgefhichte, froh an großen Dingen, Nimmt felbft ihn wohl in liebenden Umfang, Indem fi wahfend, wie er reift an Jahren, Der Kriege blut’ge Wunder offenbaren. —
Ale Philipp ſtarb, hat Frankreichs Thron be⸗ ſtiegen Johann, der bühne, ritterlihe Held, | Sn frühern Jahren zu Bretagne’s Kriegen Dem Bertrand froh als Kampfgenoß gefellt.
1
Da flog der Knab' von Siegen fort zu Siegen! Doch den gereiften, hohen König Fällt
Das Kriegsglüd.an mit feinen ſchlimmſten Tüden.” Oft liebt's ja, Herrliches in Staub zu drüden!
Bei Poitiers — ohne Bertrand — ward ger
fhlagen
Die Schlacht, wo das raſchwall'nde Heldenblut
Die Franken trieb zum überfühnen Wagen,
. Sum Sturm in unerfpähte Seindesfluth!
‚Bei Poitiers war es, wo die Rittet lagen
Um ihren König todt im trenen Muth! —
Ja, — Wort, vor dem die Kippen bleich erbangen, —
Bei Poitiers ward ber König felbit ge: fangen!
Der König Franfreihe! — Die Entſetzenskunde Fleucht hundertfach beſchwingt von Land zu Sande, und ſchlaͤgt in Fra’ "enherzen Wund’ an Wunde, Und wirft manch treue Hand in Ohnmachtsbande! Doch giebt’8 Bretagner mit dem Feind’ im Bunde: Die Krieger Montfort's! — Die zu feftem Stande Sehn ihr bebrängtes Heer wie neu erſchaffen,
Und rufen alwarts: „Sieg!“ und: „Waffen! Waſffen!“ —
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Der Graf von Montfort freilich war geftorben, Doch blühte friſch fein jugendliher Sohn; — Vor allen ird'ſchen Dingen unverdorben Lebt länger als der Menſch fein Recht zum Thron! — Und wer dem Hauſe Montfort Freund' erworben Mit ſuͤßer Worte kriegriſch holdem Lohn, Und auch wohl oft mit edler Thraͤnen Schimmer: — Johanna Montfort zauberte noch immer!
Durch deren Wink entflammt, und Kühn vom Sieg, Den König Eduard's Heldenfohn erftritten, Zeug Herzog Sancafter alsbald den Krieg Mit England’s Heer in der Bretagne Mitten. Und weil ſtets hoch Johanna's Seele ſtieg, GSing's unverzuͤglich mit Entſcheidungsſchritten :Und mit der Speer und Kriegsmaſchinen Stoß Auf Rennes, die erſchreckte Hauptſtadt, los.
Ja, fie erſchrickt; doch nicht im feigen Zittern, Vielmehr beruft fie ihrer Bürger Kraft, | Die ih umwall’n mit Sturmpfahl, Man'r und Gittern, Sich waffnen raſch. mit Kolb’ und Lanzenſchaft. Auch eilt manch Einer von den nahen Nittern Zur Stadt in treuer Waffenbruͤderſchaft. Vor Allen glaͤnzten da als Doppelſtern Die Herrn von Penhoet und von Saint Pern.
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Als Dritter wollte fi niein Bertrand zeigen, — Zu ſpaͤt! — Da er vom fernen Zuge Fam, War fhon die.Stadt berannt im ehrnen Reigen, Der weit umher den maͤcht'gen Umfang nahm. Er hält, und ſchaut, und fpaht umfonft nach Steigen Zu den Bedrängten bin. Ein zorn’ger Gram Schnürt ihm das tapfre Heldenherz zufammen, —
Dann ſpruͤht er auf in dieſer Worte Flammen:
„Wohlan, ſoll ich nicht ſiegen oder ſterben Mit jenen Theuern, in der Stadt umſchloſſen, So will von auſſen ich nach Ehre werben Auf weinen kuͤhnen, windeſchnellen Roſſen! | Huͤt' Dich, Du fremdes Heer, daß nicht Verderben Statt Nahrung Dir fei ringsumher entfproflen! Sa, lern’ es num, wer es bis heut? nicht lernte, Was in Bretagne ein Feind an Früchten aͤrndte!“
Wie haͤltſt Du ſtark, wie Löblicy furchtbar Wort, Mein Du : Suefelin! — Naht Zufuhr fich dem Lager, Naht fih ein Handelsmann, — Du treibft fie fort! — . Berfümmert ftehn die Brittenroß® und hager, | Denn, wer nad) Futter fucht, trifft bint’gen Mord. — Wer Dich zu greifen denkt, — und laur' er, wag' er Auch ſchlau! — Dertrand iſt fern, will man ihn
packen, Und ferngeglaubt, fine er dem Feind’ im Nacen! —
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Einft Hat er ald Gefang'nen auch erbentet -
Den Herrn La Poule, den Rang und Kriegsruhm ſchmuͤckt.
Und weil franzoͤſiſch Ponle ein Huhn bedeutet, Iſt dies Soldatenfpäßlein wem geglüdt: „Seht, wie Bretagne’s Aar den Fittig fpreitett Wie hat er Englands Huhn fo ſchlimm zerpfiädt 1” — Sm Heer war bald ber Scherz herumgelommen, Und ward als gutes Zeihen aufgenommen.
So iſt der Kriegsmann! Oft muß Ihn in Tagen, Wo er des Kampfes blut’ges Meer durchſchwimmt, Ein Kinderfcherz auf leichtem Fittig tragen,
Den er auch fpäterhin wohl ernftlih nimmt,
Ja, der ihm wie aus altgeweihten Sagen
Als Hoffnungfternlein durd die Seele glimmt! —
Des Scherzes braucht, wer mit dem Tod foll fherzen, -
Doch hinter'm Scherz Jauſcht Ahnung ernft im Herzen! —
Der Adler ſprach zu bem, den er gefangen: „Bieht beim zu Euerm Heer, mein edler Held!. Das Löfegeld betrat” ich als empfangen,
Menn Euer Feldherr frei die Bahn mir ftellt,
In das bedrangte Rennes zu gelangen.
Doch falls ihm die Bedingung nicht gefällt, Muͤßt Ihr nach der Belag’rung zu mir Fehren.” 2a Poule fpricht ſein Ja, und zieht in Ehren.
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Doch als”er nun fi ſeinem Feldherrn naht, Und meldet, wie ihn Bertrand freigelaffen, Spricht Lancaſter: „Fuͤrwahr ein feiner Kath! Da muͤßt' ih mid und meinen Ruhm ja haffen, Mir ſperrend felbft die angefang’ne That! . Nein, eher ließ ih, ald in Rennes Gaſſen Den ungeſtuͤmen Wildfang zu geleiten,
Hinein fünfhundert Frankenfchüßen reiten!" —
So blieb denn jeßt noch brauffen unfer Held: Zwar ſchoͤn geehrt durch Lob ans Feindes Munbe, Doch font nicht eben fonderlich geftet, — _ Denn mädt’ger uͤberzog mit jeder Stunde :
" Der nah'nde Winter die erflartte Welt.
Wohl ſchirmten dichte Forften in der Runde —
Meiſt bei Chatean = Briant — die Kriegsgenoffen
Des Du-Gueſclin; — doch fhlimm erging’s ben Hoffen!
Denn ob fol edles Thier auch freubebranfend, Von Schlachtruf und Trompete wie beſchwingt, Die ſtart'nde Lanze, die Gefchoffe, faufend Um feine Schläfe, hoͤhnt, und fürderdringt, — Doc fenft es nahrungsarın, im Freien haufend, Sp Muth ale Haupt; Fein muntres Wiehern Elingt ;— Vor Noth kann fih Begeift’rung nur erhalten Im Gottesbild, nicht in Naturgeftalten.
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Der fteigenben Erſchoͤpfung zu begegnen, Wirft Bertrand auf Burg Fougerap die Augen. Die mochte freilich gut vor Schnei’n und Regnen Sum Schub, wit Epeif’ und Wein sur Stärkung
taugen. Doc ſtarrt fie unbeſtegt im hochgeleg'nen Gemaͤu'r, und ſcheinet ſtolz're Luft zu fangen, Als rings dad Land. Mit fehdekuͤhnen Sitten Hauſt Robert Brembro dort fammt vielen Britten.
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Empor blickt nach den unnahbaren Wänden "Bertrand mit unabläffig tiefem Sinuen.
Wohl fieht er: wicht allein mit ſtarken Haͤnden Und Baden laßt ſich diefes Spiel gewinnen!
Das augefaug ne mögen ſie vollenden,
Jedoch die Liſt muß kluͤglich es beginnen,
Im nahen Wald laͤßt ſeine Schaar er lauern;
Er und drei Maͤnner gehn zum Schloß alßs euren,
Holzbuͤrden tragen hoch fie auf den Ruͤden, Und rufen grüßend nach der Burg hinauf: „Hedal Bon gutem Hoalz bie beiten Gtüden! Heda, Ihr Herr'n Gagländer! Holy zu Kauft‘ Da zeigt fich gleich dev Pfoͤrtner auf deu DBrüden, Und auft und winkt: „nun in! Heran! Herauf!“ — Here. Brembro war mis Einer feiner Schaaren, Wie Beutrond wußl', auf Beut' in'ß Land gefabtem —
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Die Biere gehn hinzu. — Das Thor bleibt offen, Geſenkt der Bruͤckenzug. — Der Pförtner tritt Bor mit drei Knechten. — 9 du kuͤhnes Hoffen, Wie flammſt du Fühner auf mit jedem Schritt! — „Sept ift — jeßt wohl die rechte Zeit getroffen, — Denkt Bertrand ſtill — die Seinen denfen’s mit — „Gueſclin und Mutter Gottes!’ tönt die Stimme . Des Helden laut. Er trifft den Feind im Grimme,
Den ſchlechten Pförtner, mit der Streitart Knauf, Und wirft in's Thor die ſchwere Holzeslaft; Die hält die maͤcht'gen Pfortenflägel auf. Jedweder auch von feinen Neif’gen faßt Den Feind mit Erafl’gem Hieb. Jedoch Im Lauf Der Wundenangft, fhon halb zum Tod erblaßt, Stuͤrzt Einer noch in's Schloß, und ruft: „zu'n
Waffen!
Mit Bertrand Du⸗Gueſclin habt Ihr's zu ſchaffen!“
Da laͤuft es in den Burghof raſch zuſammen, Von allen Seiten Schild' und Lanzen vor! Doch unſre Viere, gleich erzuͤrnten Flammen, Sie dringen vorwaͤrts ruͤſtig in das Thor; Sie find, fie find nicht mehr zuruͤckzudammen, — Den Feinden Dämmert’s wie ein ſchwarzer Floe um Aug’ und Seel’ im Ueberraſchungsſchrecken. Doch hauen fie noch zärnend auf die Keden,
J
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Und ftoßen, werfen, wie's nur eben ‘geht, Bor Allen um den Bertrand bergedrungen, . Wohl ahnend, wenn erft Der nicht widerfteht, Sind aud die Andern raſch gewiß bezwungen. Doc rings um ihn liegt's wie ein biut’ges Beet Zerſchlagner Halme. Gleih auch war erflungen Im erſten Anfall feines Heerhorns Rufen, — Heran ſtuͤrmt feine Schaar die Bergesſtufen.
Sie ſtuͤrmt herein, und ſtellt das Kampfesrecht Zu beſſerm Gleichgewicht. Auf die vier Gaͤſte Bis dahin draͤngten Hundert in's Gefecht! — Nun gilt's, nun gilt's! Blut rieſelt durch die Veſte, Am Boden ſtarrt manch kuͤhner Knapp’ und Knecht. Doch daß nicht etwa, heimgefehrt zum Nefte, Der Falle Brembro ſchlimm den Anfall raͤcht, Bieh’n Bertrand's Krieger ſchnell die Brüden auf, Sich bannend felbft zu Eieg’s und Todeskauf.
Nun gilt's: Verlieren ober ganz Gewinnen! Nun hoffe Niemand mehr auf aͤußre Kraft! Man kommt als Sieger oder nie von hinnen! — Eins ruft's dem Andern zu. Wer halb erſchlafft Erſt ruͤckwaͤrts ſah, ſtuͤrmt nun mit wilden Sinnen Feindan! — Dem tapfern Bertrand brach der Schaſt Von feiner Art, und im gewalt’gen Dringen Verboffen fieben Feind’ ihn zu bezwingen.
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Weit it er a den Seinen vorgerannt, Faſt waffenlos von ihnen abgeichkitten, Und hält an einem Stalle mühfem Stand. Da reißt er plöglih aus der Feinde Mitten Dem Kühnften eine Hal’ aus ſtarker Hand. Gr ſchwingt fie zweimal — und zwei Seinbe glitten Todt in ihr Blut, — bie andern Günfe zaubern, Und ftehn vor ſolchem Gegner nur mit Schaußern,
Wielleicht Ein rafher Ausfall, und fie wichen, Und ließen Bertrand au den Seinen Raum! . Jedoch er fteht und ſtarrt, beinah erblihen
Von Muͤh' und Blutverluft. — Erfah noch kaum, Weil aus ’nem Kopfhieb blut’ge Tropfen fchlichen, Und ihm in's Ange rollten. — Wie im Traum Dreht mit gewalt'gen Schwüngen er die Waffe, Und Keiner naht, daß er fie ihm entraffe.
Da endlich, um den Hauptmann heiß erbangend, Bricht durch die Feinde Bertraud's Heldenfchaar, Und nenbefhwingte Stegerkraft empfangend,
Rollt blut'ge Augen. rings Bretagne’d Bar.
Die Gegner wanken. — Schonung nur verlangend, Stürzen fie nieder, aller Waffen bar! —
Es winkt der Held. — Es ift Dee Kampf gefchieben, Und Alles auf der Burg wird Huld und Frieden.
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Der Bertrand hat fi feit um’d Haupt geſchlungen
Ein Tuch, und Tropfen Balfams drauf gefpräht. Da war ihm Schwäch’ und Ohnmacht gleich bezwungen, Und Fed fein muntrer Sinn aufs new erblüht. Er lacht: „Ihr Herr'n, das ift nnd gut gefungen! Laßt ſehn nun, ob der Koch ſich hat gemuͤht. Dem Eleißigen darf's nah Speif’ und Tranf ges | lüften,
And Zeit wird’s inft, den Mittagstiſch zu ruͤſten!“ —
Sie fanden Alles fertig in der Halle: Den Tiſch gededt mit Speifen und mit Wein! Denn als ber Pförtner ging in jene Falle, Da läutete die Glocke Mittag ein. _ Die Sieger fegen ih im Waffenfhalle Ringe um ben Tiſch. Hell ſtrahlt die Sonne drein. Mandy altes Lied ertönt beim Becherleeren, Auch Manches, ſchnell erdacht zu Bertrand’s Ehren.
Dercoch der bat bald das heitre Mahl beichloffen, Und fpriht: „Ihr Waffenbrüder, ’6 wird nun Zeit! Hier fehlt's gewißlich nicht an guten Roſſen,
Und Robert Brembro iſt wohl nicht mehr weit, ‚Wir reiten ihm entgegen unverdroffen,
Und Hoffentlih giebt's die Gelegenheit,
Ihn auf dem Heimweg dergeſtalt zu fallen, Daß ex hinfort das Land muß rupig daten!"
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Die kuͤhne Schaat, vom Vorſchlag ganz entzündet, Muft heitres Fa! als wie ans Einem Mund, Sum Ritte gern wie erft zum Mahl verbündet. Doch ſprechen Viele: , Hauptmann, Ihr feid wund! Nicht braucht's erſt @uer Muth, daß Ihr ihn Endet; Bleibt huͤtend hier in dieſes Schloffes Rund, Und- gönnt es und "mal, daß wir felbft die Schlingen Dem Feinde ſtell'n, und ihn befiegt Cuch bringen.”
Da fieht der Bertrand unter'm blut’gen Tude Ergrimmt hervor, und murmelt: „ſolch ein Ritz!“ Haͤtt' er nicht laͤngſt entſagt ſchon jedem Fluche, Sept kaͤm wohl was von Donner und von Blitz. Doch ſpricht er: „wenn nach Sieg und Ruhm ich ſuche, Bin ich auch ſelber ihn zu finden nuͤtz!
Bon ferne ftehn? Das ſollte inft mir fehlen! Kommt, lommt: Laßt uns die beſten Roffe waͤh⸗ len!“ —
Die Pferde wiehern in ben großen Staͤllon, Jedwedes von britanniich edler Art, Und jeder Reiter ſucht fih den Geſellen, Der ibm am allerbeften fcheint gepaart. Derweil fieht Bertrand ſchnell nach Thor und Wällen, Huch was von allem Vorrath iſt geipart, Und ordnet die un, die bei’'m heut’gen Treiben Hier als Beſatzung ſoll'n im Schloſſe bleiben.
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* Dann nad den Ställen eilt auch er hinunter, Und fucht fih einen edlen Nenner aus. Der grüßt den neuen Reiter ftolz und munter Mit Hufgeftampf und freudigem Gebraus; Huf ſchwingt dee Bertrand fi, und trabt bergunter Don feinem eben neuerfiegten Haug, um bald im Labunggllang geprüfter Waffen Die einfl’gen Herr'n als Säfte hinzuſchaffen. —
Mit funfzig Neftern hielt im Fühlen Dunkel Der Waldeerud ftill harrend unfer Held, Bis abendlih ſchon fiel das Lichtgefunfel Der Sonn’ auf die entfhlummernd ftille Welt. Da horch: — ein Roſſestrab, ein leis Gemuntel Wegmüder. Reiter, — Panzerſchein erhellt Das Buſchgezweig mit rärhfelhaftem glitter, — „Vor! — Mutter Gottes! Gueſclin!“ — ruft mein
Mitten.
Kriegsfreudig wirft fein Feind ſich ihm entgegen, Lautrufend: ‚England bier! Und Brembro bier!‘ Doc bald vor Bertrand's maͤcht'gen Klingenfchlägen Kracht ihm der Helm, zerihellt ihm das Viſir.
Er ſtuͤrzt vom Roß, er ift zum Tod? erlegen, Und fein Gefolg — beraubt der. Heldenzier. .
"Des Führers, ringe umſtuͤrmet und umgangen, —
Giebt fih der.rafchen Bertrandsſchaar gefangen.
Man werber ſich nach gut vollbrachten Dingen Mit Iuft’gen Liedern nach der Burg zuruͤck; And unter ander läßt man eins erklingen Vom wunderlichen, kugelrunden Gluͤck. Da ſtimmen die Gefaung'nen mit in’d Singen; Auch paßte wirklich aut auf fie das Stuͤck: Nach Beute Fitten geftern Pe, und Heute Fuͤhrt man fie ſelber ‚wieder heim als Meute,
Biel hatten fie. auf diefem Fehderitte Gedrndtet, und beinah es eingebradt; Biel Reihthum auch fand fih in Schloffes Mitte, Theils Geld und Gut, theils Wehr: und Kleider pracht. Das Alles ſchenkte — nach gewohnter Sitte Auf Andre nur, nie auf ſich ſelbſt bedacht — Der Bertrand den Genoſſen feiner Thaten, n Stets denkend neuer, ſchoͤn'rer Ehrenſaaten. |
Ir aber, bie Ihr gern durch blut’ge Thale, Euch freund am Lied und auch am Waffengang, Mir folgt zu Bertrand's hoͤchſtem Chrenmale, Schaut, bist’ End, ernſt zurü auf diefen Sang, Weil ja in feinen Reih’n zum erſtenmale Der Feldruf: „Gueſclin! Butter Gottes!‘
klaug.
1,37
Den werdet Ihr noch oft in vollern Chören, Zum Schreck dem Feind, zum Heil den Freunden hören }
——m— — —
Erläuterungen um ſechsten Sefange:
Erite 125: „Durch deren Wink entflammt — —
Trug Herzog Lancaſter aldbald deu Krieg
Mit Englands Heer in der Bretasne Mitten.“
Dieſer kriegberuͤhmte Held war des König Chuard von England Bruder und Oheim des ſchwarzen Prinzen.
Seite 127:
„Des Scherzes braudt, wer mit dem Tod ſoll ſcherzen;
Doch hinter'm Scherz lauſcht Ahnung eruſt im Herzen,‘
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Diefe wunderbare Natur des Soldatenfcherzes macht, daß fo viel davon in der Geſchichte aufbe- wahrt geblieben if. Auch haben ihn große Feld: herrn von jeher in feiner Bedeutſamkeit verftanden und benugt, gewöhnlich felbft mit dem Elemente dazu begabt, von den altgriechiſchen Helden an bie auf Bluͤcher, und fo wohl zweifelsohne in alle kuͤnf⸗ tige Seiten hinaus.
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Bertrand Du-Gueſclin.
Siebenter Geſang.
Wohin mein Held nichts kann als Wuͤnſche ſchicken, Doch mit des frommen Sehnens heiliger Kraft: Nah Rennes, der bedrängten, laßt und hlicken! Was bort ein gottvertrau'nder Eifer ſchafft, Wie die Ermattung faugt ein füß Erquiden Ans unfihrbaren Baumes Wunderkraft, Dep Blüthen Himmelslüfte fiets erneuen, — Daran, daran fol unfer Herz ſich freuen!
war nicht den Bertrand hört" alsbald Ahr Ä nennen ! Ton Denhoet ertönt und von Saint Pern Der Kunde Wort. Doch weil wir Bertrand kennen, Ep willen wir: init Das vernahm er gern!
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Und wenn um unfer Singen, Schreiben, Rennen und Schaffen fonft auf diefem dunfeln Stern,
Er irgend weiß in feinem feel’gem Lichte,
Sveut er noch jeßt fih mit an der Geſchichte.
Mich duͤnkt, ih hör ihn flüfternd zu mir | ſprechen:
„Bas immer nur von mir! Von nichts als mir! ar ih ein Rodomont in den Gebrechen Der Sterblichkeit, — und wär’ ich's gar nod hier? — Der nur von feinem eig’nen Hau'n und Stechen Zu fagen weiß? — Du Sänger, mer’ es Dir, Dein Lied fol nicht allein nur meine Ehren, Kein, die auch Fieber Waffenbrüder mehren!‘ —
Ich neige mich, von frommer Luft entzändet, Dem holden Wink, nnd fing’ es in die Saiten, Wie unbewegt, auf ew'gen Feld gegründet,
Die tapfern Bürger widerftehn dem Streiten,
Sturm folgt anf Sturm! Doch jeder Sturm vg: Tündet
Nur den Bretagnern neue Herrlichkeiten,
Den Feinden Noth und wachſendes Merzagen.
. Sechs Monben zollten hin in Kampf und Wagen!
Da fpriht der zorn'ge Lancaſter: „wohlan! Ihr wollt den. Ruhm der Mumantiner erben,
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Und vor des Hungers graufenvollem Daun
Sm Wahn der Unbefiegbarkeit erfterben.
Ich bin — wenn Ihr's fo wollt — ih bin ber Mann,
Ench fireng’, wie Scipio Jene, zu verderben.
Verhöhnt nur umfre Leitern, unfre Lanzen!
Auch wir, wir hoͤhnen Pänftig hinter Schanzen!“
Und ringeher um die alten Mauern fleigt Furchtbar die neue Erdumwallung auf, Die fid in graufer Kunſt zufammenzweigt, Der freien Luft faſt zwaͤngend ihren Lauf. Doch glandt Ihr, daß die Stabt ihre Banner neigt? Sie war vorlängft durch Aerndte, Bent’ und Kauf Dem Hunger klugbedacht zuvorgekommen, Und Alles ſchwoͤrt: „eh todt, als eingenommen!”
Da ſchaͤumt der Feind, und suft! ‚Tann nichts Euch zwingen? Nichts diefes fkarren Hochmuths Prangen ſchwaͤchen? Ich weiß noch Eins! — Zum Abgrund will ic dringen, ‚Kühn in den Schlund ber finftern Erde brechen, Will grabenb unter Exerır Mauerringen Den Weg erſpaͤhen; dann beauf im zorn'gen Raͤchen Ich aus der alten Nacht mit ehrnem Tritte, Und. ſchleudre Mord, Graus, Flamm' in Eure Mitte 14 —
A
Er wintt, — und in den Erdſchooß iſt verſchwunden Mit Hal’ und Spaten eine fede Schaat, Und hat fich fortgefchaufelt, fortgewunden, Durch Sand und ‚Stein. — Wohl ahnt man die
Gefahr
In Rennes, denn zu ſtiller Naͤchte Stunden Hoͤrt man das Pochen. Doch wird's Keinem klar, Wann einſt und wo das tiefgeſpenſt'ge Raunen Aufdonnern werd’ im Hall der Kriegepofaunen. —
Furchtbarſter aller irdifhen Gedanken, Daß felbit der fefte Boden, der ung frägt, Herberg’ in feinen unerforfhten Schranfen Den Feind, der uns in naͤchſter Stund’. erfchlägt! Es ſcheint, daß Brunnen zittern, Käufer wanfen! — Das file Schlafgemah, das uns umbegt, Das Zimmer, drin ein Kind liegt neugeboten, — Vielleicht zur Mordbahn ift juſt das erforen!
Die Wil und Mauern, die den Ort umſchitmen, Man blidt fie feufzend aut „was helft Ihr nur? Mit Bruftwehr prangt Ihr ſtattlich und mit Thürmen, Doch Eure Wurzeln nagt auf grimm’ger Spur Ein Heer von untericd’fhen Drahenwürmen ! Derweil She ſchuͤtzend ausblickt nach der Flur, Mag uns Verfehmte — weh, in Enerm Rüden, In Enerm- Ring! — der wüth’ge Seind zerſtuͤcken!“ —
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Jedoch mit Nichten bleibt's bei müß’gen Klagen: Der weife Penhost läßt wohlbedacht An viele Orte Kupferbeden tragen, Mit Kugeln drin von Blei. — Wo nun im Shaht — Sm fürdterliben! — Hammern, Graben, Schlagen Nur irgend nahebei iſt aufgewadht, — Mag noch fo ftil der Feind fi halten wollen: Die Becken dröhnen, und die Kugeln rollen!
Sie dröhnten, rollten oft im graufen Klang, Sie tönten Schreden in manch treues Ohr, — Gewiß war die Gefahr, jedoch der Gang Noch ungewiß, den ſich der Feind erfor, — Und ah, die Stunde eilt! — Mit Sturmesdrang, Derweil Ihr forfcht, bricht er wohl plöglich vor! — Zornroth in Waffen ftehn die tapfern Degen, und ſpaͤh'n umfonft nadı des Verderbeng Wegen. —
Schreckt Ench der Erdenfhlund mit dumpfem ‚Grauen,
Der alte Rief?. in hundertarm'ger Macht, Empor dann, hoch empor den Blick zum blauen Lichthimmel, der verheißend ob Euch laht! Weit über ihn empor! — Einft follt She Thauen, Was dorther fhon im Glauben feelig lat! Sept wiſſet: Der Euch wahrt die Himmelsguͤter, Iſt auch ſchon hier treuliebend. Euer Hüter!
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gu Ihm! zu Ihm! Er wird Euch Huld etzeigen! — Ja, in die Kirchen ſtroͤmt ein fromm Gedraͤnge; Mit heißem Fleh'n vor den Altaͤren neigen Sich Frau'n und Helden und die ganze Menge Des vielbedrängten Woltes. Feiernd fteigen Aus taufend Herzen heil’ge Pſalmgeſaͤnge. Die Fuͤhrer hatten ſelbſt anf heil'ger Schwelle Und im Gebete Nath, was man beſtelle. .
Solch ernſter Ruf iſt nie in Luft verſchwommen, Solch treuer Sinn blieb nimmer ohne Licht. Berheißend ift Died Wort und zugekommen Yon Dem, det nie Wort und Verheißung bricht. Ihr, die mit mir bie Jahre feid durchſchwommen Voll Brandungsnoth, — nicht wahr, Ihr braucht es
nicht, Daß man Euch erſt die Retterhand muß zeigen, Die feſt Euch hat geſtellt auf blüh’nde Steigen? —
Web nur, daB In der mehriten Menfhen Bufen
Die frevle Luft nach Abgortöbildern wohnt! Der ſucht bei finfternädtlihen Mebufen, Was nur im Glanz des heitern Lichtes thront! Der will das holde Spiel ſchuldloſer Muſen,
His uns mit gottgefaͤll'gen Kraͤnzen lohnt, Misbrauchen, irdiſch gaukelnde Geſtalten Frech zwiſchen Gott und Menſchen einzuhalten! '
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- Nennt Ihr ed Demuth, Den Eud fernzu: zu ſtellen,
Der ſelbſt zu Euch vol ſeel'ger Liebe kam,
Und mit des Wortes und der Kraft Erhellen Vertrieb den uralt finftern Suͤndengram? u Mas will denn noch das Spiel ber Bacheswellen, Wo in den Arm das heil'ge Meer ung nahm? Was will das fhwahe Flimmern blaffer Kerzen, Wo ung die Sonn’ umftrahlt aus glüh’ndem Herzen?
O thör’gerMenfch, dreift, wo Du follteft zittern, Und bloͤd' und fern, wo's gilt ein füß Vertrauen! — Sn Rennes auch läßt eitle Furcht ſich wittern,
Und will ftatt Höchfter Wunder mindre fhauen. Da regte fih, fo hieß es, vor den Rittern
Ein fhönes Bild der Höchften aller Frauen
Mit feiner Hand die Stelle anzuzeigen,
Wo England's Macht der Erde würd’ entfteigen!
Gott wies die Stelle! Doch nicht durd ein Bild. — Ein Bild, und ſei's von noch fo hohen Ehren, Iſt Menſchenwerk, dem nicht mehr Kraft entquilt, - Als Menfcpengeift vermag, ihm zu gewähren. — Hör’ ich da eine Stimme, die mich ſchilt, Man dürfe nicht dem Schwung der Sage wehren? Hier gell? es kindlich füße Doefie? — Ehrfurcht vor Der! Bor Goͤtzenfabeln nie! —
- 10
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Geftärtt durch fein Gebet, von Gotteswegen Mit ſcharfem Sinn und heller Kraft belebt, Entdeckt Saint: Pern, von wo das ſchlimme Negen Des Zeindes nahe ſchon den Grund durchgraͤbt. Und fchnell befonnen faßt er Ha’ und Degen, Biel tapfre Kämpfer mit, und rüftig ſtrebt Entgegen man bem Feind’, ihm abzufürzen Die Arbeit, und mit Kampf fie Ihm zu würzeh.
Hoch! Englands Krieger ftugen — lauſchen — a | halten, Und hemmen ihrer Arbeit Feden Lauf. Sa, rüdgewandt in finftrer Erde Spalten, Dammen fie dag Zerwühlte wieder auf, Scheu vor Bretagne’s raͤcheriſchem Walten. Doch Bertrand von Saint: Pern ruft: „vorwärts! drauf!” Naſch wählt er fürder, fehnend, daß die Klinge . Statt Ha? und Spatens in der Fauſt ihm klinge!
Ihm folgt der tapfre Dupont, Waffenmeifter Der Etadt, und Gottfried Saint: Barthelemy, Und dann die andern, fühnentbrannten Geiſter; Sie ſahn der Erde dunkles Reich nody nie, -
Doch vor: Gefahr und dumpfer Naht nur dreifter, Gehn vorwarts, wie zum beitern Zange fie! . Die Waffen blitzen, die Windlichter flammen,
Und Alles ruft: „Zeind, fteh?! Wir woll'n zuſammen!“
\
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Da ploͤtzlich wendet ſich die Englandsſchaar, Bor Trotz und Hohn zu wilden Zorn entlodernd, Und Kampf bricht los, der Sonne unfihtbar,
Als ob, zum Wettgefecht einander fodernd, Aufftänd’ aus Faltem Bette Paar an Paar,
Was jüngft noch ſtarr lag und beifammen modernd. Wer bier darniederftürzt an Todeswunden, Hat auch alsbald fein dunkles Grab gefunden.
Furchtbar durchtoͤnt der Streiter dumpfe Stimme Den Hölengrund! Furchtbar im Fackellicht, Bon Blute roth, und blaß in Noth und Grimme Starrt manch ein bärt’ges Kriegerangeficht. Oft war’s, als ob der Fadelfhein verglimme Su graufer Nacht; dann glühl? er wieder dicht, Net angefchlagen, in biutrothen Streifen, Mie Drachen, die um Zaubertänze fchweifen:
Doch unerſchrocken dringt mit Schwertesſchlaͤgen, Geſchwung'nen Kolben, Lanzenwurf und Stoß, Die Schaar von Rennes vor auf dunkeln Stegen: Mit jedem Schritt wird mehr das Herz ihr groß! Waͤr' hier ſie im Entſcheidungskampf erlegen,
Was dann um Vaterlandes trauten Schooß? uUm Weib und Mutter? Kinder in den Wiegen? Vater und Braut? — Es wird ein Muß das, | Siegen! — |
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Doch England's Schaar fieht hinter fih im Rüden Den fihern Heimzug, — vor fi Brand und Mord! Da fragt ſich nicht erft lange: wem wird's glüden? Wie kuͤhne Seefluth ſchwillt Bretagne fort,
Und bricht, was ihr entgegenfteht, in Städen: Wie Ebbe vor dem wohlverwahrten Port,
Weicht England, bis, gedrängt zum Tagesſchein, Die Schaar zerfplittert flieht, thalaus, feldein.
Schnell blies fein Horm Here Bertrand von Saint: Pern,
Und fchleunig. fammelt feine Schaar fich wieder, Zurüd fie führt er in der Erde Kern, Raſch über Leihen und zerhau’ne lieder Den Gang zur Etadt. Als dort des Tages Stern Auf's neu? man grüßet, felbft begrüßt durch Lieder Und Zurnf und vielfahen Jubelklang, Wirft Flamm' und Pech er in den’ Hölengang.
Das faffet mit gewaltiglihem Braufen . Alsbald des finftern Weged Dei’ und Stüßen, In ungefeh’nem Dunkel hört man's fanfen. Sieht's fürchterlich. hervor vom Ausgang bligen, Und in einander roll'n die tiefen Klaufen, Mit wuͤſtem Krachen, qualmendem Erhitzen! — Wo, untergraben, Wall und Mauer bebt, Eilt Alles Hin, zu Schuß und Werk belebt, —
— n- — — —_ =
—
149 Ja, drin’ nur, England's Feldherr!All Dein Vochen,
Es ward zu nicht. Am Ziel der Hoffnung ſchier, Iſt Deine Bahn Dir unverſehns gebrochen! — Er fteht, und fhweist! — Im nächtlihen Revier Hat man umfonft gefhaufelt an ſechs Wochen! — Wild ruft er nun: „doc pflanz’ ich mein Panier — Ich ſchwoͤr's! — anfeinen von den troß’gen Thuͤrmen! Richt lebend fcheid’ ich fonft aus dDiefen Stuͤrmen!“ —
Du edler Held, o haͤtt'ſt Du nicht geſchworen! Ein Angftend Ding iſt's um ein ſolches Wort. Es treibt ung wie mit wild verwiren’den Sporen Zum dunfeln Ziel auf trüben Wegen fort. Was man gewonnen hätt, — es geht verloren, Weil die Befonnenheit — der fhönfte Hort Des Kriegerd und des Mannes überhaupt! — Uns fchwindet, von der haſt'gen Eil’ umſtaubt. —
Zwar fteigt ſchon hier und dort die Graͤu'lge⸗ ftaltung
Des Hungers in der bangen Stabt empor! Sieur Penhoet beruft, wen zur Verwaltung Gemeinen Wohle die Bürgerfchaft erfor, Und mahnt zu edler Pflicht getreuer Haltung; — och tönen einzle, muth’ge Stimmen vor, — Doch fhweigt die Mehrzahl, oder fprihtmit Stammeln
Man müß’ um Rath das ganze Wolk verfammeln,
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Im Rathhausſaal, dem alten, räumlich hohen, — Dem Zeugen oft von,edler Väter Kraft, \ Die weder Lodung but geirrt noch Drohen, — Zritt auch zufammen jetzt die Buͤrgerſchaft. Dort müht fih, der Begeifterungsfiamme Lohen Mit Hauchen, tief ans edler Bruſt entrafft, Mit Winken, Die der Rettung Troft entdeden,' Held Penhost aufs new’ an's Kicht zu wecken.
Biel" — ſpricht er unter Andrem — „wenn ' die Noth In unfte Vorrathhaͤuſer einzubrechen, Den heitern Tiſch ung zu veroͤden droht, — Meint Ihr, Die draußen ſchmauſen oder zechen? — Schnell wie der Sturm, gewaltig wie der Tod, uUmſchwaͤrmen Gueſclins Reiter ſie und raͤchen Der Freunde fernher nahendes Verhaͤngniß Am Feind mit fih’rer, wirklicher Bebrängniß!
Faßt heitern Muth! — Vielleicht nur wenig Tage, |
Auf's hoͤchſte wenig Wochen, fo entficht
Der matte Feind aus feiner bangen Lage,
Indeß auf Euch die Welt bewundernd fieht! — "Und wenn auch anders tönt die ew’ge Wage, Wenn uns ein ſchwarzes Loos zum Abgrund zieht, Nun wohl, Ihr feid’s ja felbft noch, die in Chören: Ch Top als Uebergab'! ih hörte ſchwoͤren.
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Ch Tod ale Uebergabe denn! Hoch leben Soll Karl, der Held von Blois, und feine Fran! Hoch! Dreimal hoch!“ — Dem Rufe nah erheben Sich Stimmen wohl, doch wie im Zorne rau, - Wie in Verzweillung dumpf. — Noch andre beben. — Noch andre fhweigen. — Banger Thränenthau ‚Zittert an Wimpern; bleiche Lippen ſtoͤhnen: | „Ach, kann denn nichts Geſchick und Feind verfühnen ?
Nichts unfre Frau'n und unfte Kinder retten, Die zarten Bläthen, unfrem Schuß vertraut? Nichts Heerd und Kirchen, die liebheil'gen Stätten, Wo mir das Licht, dad Heil zuerft geſchaut? — Gern woll’n wir felber in den Tod uns betten, Doch iſt es denn nicht menſchlich, daß uns graut, Die liebſten Blumen kalt in Staub zu wandeln? Hein! Nein! Laßt mit dem Feind' uns unterhandeln!“
Held Penhoet verſtummt. Es iſt die Stimme Der Lieb’ und leidenden Natur die fpricht, Und weld ein Feu'r in Redners Bruft auch glinme, Den Laut bezwingt der Menſch im Menſchen nit! Da tritt ein Bürger vor. Mit edlem Grimme Schaut er den Freunden al’ in's Angeficht. „Ihr,“ — ruft er, — „Ihr, Euch und die Stadt
entehren?
Nein, Wegegiebt’s, noch Gluͤck und Ruhm zu mehren!
152 | Stellt einen Ausfall an zur Morgenftunde; Sch renne ke voraus, und la mich fangen. Gewiß fragt alfobald man mich um Kunde, Und hoͤhnend ſprech' ich: aus fei unfer Bangen! Es nah? ein rüfl’ges Heer, mit une im Bunde! Ruͤckt dann der Feind hinaus, es zit empfangen, So wird fhon irgend was mit rüft'gen Sinnen Held Du: Guefelin für unfer Heil beginnen.
Mich trifft vieleicht ein Tod vol Schmad und Pein; Doc hab? ich freud’gen Muth's mich drin ergeben, Bott wird mein-ehrbar Kügen mir verzeih’n, Und lindern mir das letzte Grau'n und Beben! Ihr, herzensliebe Freund’ und Nachbarn mein, Sorgt mir für Weib und Kind im Erdenleben! — Mäftet den Ausfall nun! — Von andern Sachen Nichts mehr! — Und bergt das Ding hübf vor den Schwachen!“ —
Wer fih für Alle giebt, — ber tree Mann Mag auch für dasmal Allen wohl befehlen. Sie fhweigen, flaunen ihn bewundernd an, — Da iſt nichts mehr au rathen, noch zu wählen! Er ordnet finnig noch das Wie und Wann, Und rings auf Mauern hinter Schanzenpfählen Bläft man: und paukt, und Lichter find entglommen, Als fei ein Freudenbot in’ Thor gefommen. —
153
Mir if, ich feh’ in Deinem lieben Haufe Di, ſtiller Held, der fih dem Tod geweiht! Die Kindlein jubeln rings Im Luftgebranfe: „Hr, Vater! Sieh! Muſik und Herrlichkeit!‘ Und Lichter ſetzt in's Fenſter ihrer Klaufe Die Hausfrau, laͤchelnd: „kommt uns Freud’ aus
’ | Leid? ’S muß doch was Gutes ſeyn, weshalb fie Flingen 1’ — Der Hausherr ſchweigt. Ihm will das Herz zerfpringen.
Wohlanf, wohlan! Die. Nacht hat ausgednnfelt, Die Eriegrifh muntre Trommel ruft in's Feld! Die Thräne, die im treuen Aug’ ihm. funfelt,
Er drängt fie ſtark zurüd, bevor fie fallt.
„Lebt wohl, Ihr Lieben !’’ — Friſch und unverdunfelt, Weil höh’res Licht ihm feinen Geift erhellt,
Zieht er hinaus, frohleuchtend wie der Morgen; Dem ew’gen Vater giebt er feine Sorgen! —
Der Feind, erweckt vom frühen Waffenlarmen, Ruͤckt aus, all feine Schanzen heil befeßend Mit harniſchblanken Schuͤtzen. Nedend ſchwaͤrmen Die Buͤrger vor, wie ſich am Kampf ergoͤtzend, Wie Maͤnner, deren Herzen ſich erwaͤrmen An irgend froher Kund', und die bald hetzend, Bald fluͤchtend, wie ein Wild, in kuͤhnen Spielen
Die freudentflammten Heldengeiſter kuͤhlen.
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Am Eühniten fpielte Der, den nicht zu nennen, Den nur zu loben weiß mein Erieg’riih Lied! — Ach, daß fihon wieder, den wir liebend kennen, Sich namenlos vor unfrem Preif entzieht! — Doch galt’s ihm nicht bei feinem Eühnen Rennen. Im Ruhmeslaub! Das Heil der Brüder fieht Gein feuertrunfnes Aug’ und wird’8 erlangen! — Seht, fhon umringt man ihn! Cr ift gefangen.
Gefangen, wie es wünfht fein ſtarkes Herz! —
Die Andern ziehn zurüc ſich in die Waͤlle,
Noch fröhlich jubelnd, fchlagend Erz an Erz,
Und Slodenlaut durhwallt die Morgenhelle.
Das mehrt dem Lancaſter den zorn'gen Schmerz. Er ruft den Eingefang'nen: „he, Geſelle!
Was ſoll in den berennten Stadtrevieren
Der Freudenruf? Das tolle Inbiliren?“ —
Der Bürger lächelt, wie ein Kind, das Kinder Mit eitlen Mährchen nedt im luſt'gen Spiel: „Der Laͤrmen, Herr? ber gilt nicht mehr, nick
| minder, Als: unfre Noth hat plößlih num ihr Ziel, | Packt auf! Bald kommen Euch die Ueberwinder! Dat auf! Ste find Euch warlich viel zu viel. | Achttanfend Fühne, wohlgeübte Reiter: Franzoſen, und auch deutfhe Söldlingsftreiter!”
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Nun dent der Brittenbeld: „willkommen, Prahlen, Du Frankenlaſter! Heut bringſt Du mir Gluͤck! Schwer will ich dem Entſatz die Mühe zahlen!’ — Er nedt ben Bürger, äweifelt Stüd vor Stuͤck An dem Beriht, den angegebnen Zahlen, Kommt oftmals auf denfelben Punkt zurüd, Und wie er mein, nun hab’ er’s recht erfahren, Giebt er Befehl zum Aufbruch feinen Schaaren.
Im Wahn, ganz Unerhörtes zu beginnen, Laͤßt er dag Lager mäßig nur bewacht, Und zieht mit den Erlefenften von hinnen, Sobald herniedergraut die wolk'ge Nacht, Da auch gelang’s dem Bürger zu enfrinnen; Nach dem Verhör gab Niemand auf ihn Acht! — Er ſteht und wählt, — ihn lodt der Heimath Thor; ;— Doch neu für fie zu wagen, zieht er vor,
Hin, wo er meint, den Bertrand zn erfpüten, gentt er den dunfeln, mitternaͤcht'gen Gang, Und wie auch Stern und Hoffnung irr' mag führen Den, welcher taumelt eitle Bahn entlang, Doch leiten fie zu der Erfüllung Thuͤren, Zu der Gewährungsworte Freudenklang Den Wohlberathnen unter Gottes Saegen! — Dem Bürger Elingt ein traut: „qui vivo?“ entgegen.
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„Bretagne! ruft er laut im Subelton, Und gleih zu Bertrand, wie er's heifcht, geleitet, Verfündet er, daB mit toll eitlem Drohn Der Lancaſter nad Zuftgebilden reitet. Scharf horcht der Bertrand, und im Hören ſchon Wird der Entwurf zur rafhen That bereitet. Dann ſpricht er: „Freund, vermuthlich meinſt Du’s
ehrlich! |
Doc fiehft Du ſelbſt, das Ding iſt was gefaͤhrlich.
Drum muͤſſen wir auf Tod und Leben theilen.
Wohin ich reite, gehſt Du immer mit,
Und wenn Du mir verſuchteſt zu enteilen, —
Ich warne Dich: es waͤr' Dein letzter Tritt!“ Det Buͤrger ruft: „und ging's auf tauſend Meilen, Ich ſeegne froh den edlen Gang und Ritt,
Der mid mit Gueſclin führt in Fühnes Wagen!"
„Gut!“ ſpricht der Held: „Wir wol’n uns fon vertragen. ‘* |
⸗
Und ruft, zur aufgefeff’nen Schaar gewendet:
„Schnell, Kampfgenoſſen, durch die Schatten hin!
Eh' noch die Sonne warme Strahlen ſendet, Sind bei den Freunden wir in Rennes drin, Und haben meiftens ihre Noch beendet!‘
Kort geht der Zug im freudig ſtillen Sinn,
Big fie unfern vom Brittenlager halten, _
Als Daͤmm'rung juft und Frühluft fin entfalten.
457° —
N
Der Held läßt in verfchwieg’ner Waldeskuͤhle Noch Mann und Roß faft eine Stunde ruh'n, Denn ſchnell war ihre Fahrt; im Kampfgewühle Hat bald auch viel die Feine Schaar zu thun! Berlangend ˖ſchau'n die Reiter nach dem Ziele; Auf jeder Kippe bebt's: „nun -endlih ?— Nun ?”’— Die muntern, trank: erfrifchten Roſſe ſtampfen, hr Auge flammt, und ihre Nüftern Dampfen.
Da winkt der Hauptmann lautlos: „an die Pferde! Und: „aufgeſeſſen!“ und: „im Trabe vor!“ Dumpf hallt vom Roſſeshuf die grüne Erde, — Sonft Alles ftil bis an dad Waidesthor. — Schau, ob der Zeind nihf dort fhon munter werde? , Mandy blanfer Helm blikt von dem Grund empor, — — Die Reiter fatteln, — Ein'ge ftehn im Bügel, — „Drauf!“ ruft der Held; „drauf mit verhaͤngtem Zuͤgel! 14
Drauf mit verhängtem Zügel, freubebranfend, Geht's wild in's überrafchte Lager ein, Wie Pfeilgefchoffe ſchnell die Luft durchſauſend, Aus allen Kehlen donnernd Jubelſchrei'n! Die Wachen fliehn, lautrufend: „Feind! An Tauſend! Zweitauſend! Feind!“ und durch die Lagerreih'n Traͤgt Ihr angſtvoller Ruf die Angſt nur weiter; Gleich hinterdrein ſchon hauen Bertrand's Reiter.
158 - Sugleich verfendeh fie die zorn’ge Flamme Durch Pallifaden und Gezelte fort, Und wer nur eifrig fucht, wie er fie Damme, Den wirft zu Boden der ſchwarzblut'ge Mord! Erinnernd ſich, daß er vom Helden ſtamme, Dringt Mancer vor zu der Gefellen Hort, — Jedoch vor diefen vielgeprüften Degen Iſt Alles bald bezwungen und erlegen.
- Das ganze Lager ſchwimmt in Blut und Feuer, Kein Menſch mehr denkt an ernften Widerftand. Da tönet Bertrandg Horn. Was irgend theuer Und gut ſich noch erhielt im wüften Brand,
Mas irgend taugt für Keller, Kuh’ und Scheuer, — . Man tafft zufammen es mit rafher Hand, Und packt's, wie es am ſchnellſten geht, in Haufen Den Noffen auf, die wirr durch's Lager laufen;
Und tritt fieghaft den Zug an nach det Stadt, — Sieh, ſieh! Da kommen eben hergefahren Zweihundert Wagen mehlbepadt und matt Bon weiter Reife für die Brittenfchaaren. -
„Nicht Britten, nein, Bretagner macht Ihr ſatt!“
Ruft Bertrand lachend aus. „Links um zu Paaren! Dort geht der Weg bin, dort nah Rennes Be Thor! —
Froh ruͤckt er fort. Trompeter ‚blafen vor!
/
159
Trompeter blafen fröhlich ihm entgegen, Die Pforten thun fih auf; die Bürgerfchaft Stroͤmt jubelnd auf ihn zu; „Preis!“ ruft's und: | „Seegen !"
Don allen Seiten; Linnen, Seid’ und Tafft
Flattert aus fchönen Händen zu den Megen Des Helden nieder, zartem Half’ entrafft, Und manche Schärpe, rofig heil von Flittern! Die Knaben jubeln und die Fenfter zittern! -
Für heut’, mein Bertrand, magſt nur hin Du
ziehen
Zum Ehrenfeſte, dad man Dir bereitet!
Sp was ift Ihön! — Doch am Altare Fnien
Seh’ ih, von ihrer Kinder Schaar geleitet,
Die Bürgerfran, die Heldenfrau! Da fliehen
Mir Glanz und Ruhm, wie fie die Welt ver: breitet.
Mit dem begluͤckten Mann, um den fie danket,
Knie' ich bei ihr, von hoͤh'rer Luft umranfet;
Sole ih ihr nah zum Kleinen Huͤtten⸗ fefte, Wo fich die Welt zum Himmel ſchon verklärt, Wo Engel find die unfichtbaren Gafte! | Bon Blumen leuchtet heil der traute Heerd!
160
Die Kinder fpielen ftillgerührt! Das Bette, Die ein’ge Erdenluft, die ewig währt: Die Dantgebete! träufeln fanft von Kippen,'-
Die fromm und zart am Kelh der Greude
nippen.
EEE
Erläuterungen J
zum ſiebenten Geſange.
Seite 154:
„Der Buͤrger laͤchelt, wie ein Kind, das Kinder
Mit eitlen Maͤhrchen nedct im luft: gen Spiel.“
Meine Quelle erzaͤhlt die Sache etwas anders. Ihr ſcheint die Geſchichte des Zopyrus vorzuſpuken, und demzufolge meint fie, der Bürger habe dem Herzog Kancafter von großen, ihm in der Stadt zugefügten Beleidigungen vorgeſchwatzt, - weshalb er auch die Nachricht von dem Entiak verrathe. Aber warum dann das gewagte Spiel mit der Kriegsgefangenſchaft treiben, wo es noch immer ſehr darauf ankommt, ob der Gegner Pardon geben
161
wird oder niht? Das Erfcheinen als Heber: Iäufer wär fihrer, und paßte auh gu der Verraͤtherrolle weit beſſer. Dann liegt es auch gar nicht in dem froͤhlichen Weſen eines edlen franzoͤſiſchen Buͤrgers, den Feind auf eine ſo finſtre und tuͤckiſche Manier zu beluͤgen. Die im Gedicht angegebne Weiſe aber laͤßt ſich trefflich von einem Solchen ausführen, und nimmt auch dem Schönen der ganzen Aufopferung nichts. Was man dem Feind von Kräften unfres Heeres vorfchwindelt, ge: hört nicht in die Klaſſe der Lügen, fondern der ers laubten Kriegsliften. Er weiß, der Bericht kommt aus offenbaren Widerſachers Munde, und wenn er darauf baut, tft es eben fo fehr-feine Schuld, als wenn er Im Fechten nach einer Finte greift. Sollte man aber meinen, mich habe bei diefer Erklaͤrung eine übertriebene Vorliebe für mein Stammvolk geleitet, fo bitte ich, fich über den franzöfiichen Nationaldharafter in Yeiner Unverborbenheit aus Yorik’s sentimental journey zu belehren. Der ſcharfe Beobachter. Sterne ift ja wohl ein. guter Zeuge, und ein Engländer gewiß kein partheiifcher für Frankreicht
4
162:
Bertrand Du-Gueſclin.
Achter Geſang.
Im Kriege wohnt bei ernſten Herrlichleiten Auch manch bedürftig niedres Schaffen mit. Nicht immerdar laͤßt ſich's mit Helden ſtreiten! Oftmal nach lorberreichem Kampfesritt Muß abwaͤrts das erhobne Auge gleiten, Nach Trank und Speiſe gehn der ſtolze Tritt, Ermägt das huͤbſch, wenn ich, ald der Geſchichte Treufieiß’ger Mund, Euch, was nun folge’ ' berichte.
Zuerft hat Bertrand den zweihundert Bauern, Die er mit Karı'n und Roß zur Stadt entrafft, Und die nun ungewiß, Eopfhängend trauern,
Die Zahlung ihres Kornes baar verfchafft.
463
Doch darauf fpricht er: „wollt Ihr Tünftig Tauern, Mit Wucer ſtaͤrkend unfrem Feind die Kraft, o — ich verſprech's Euch — will ih AP Euch | fangen, Und ein Paar Stunden drauf feid Ihr gehangen!
Fuͤr diesmal zieht In Frieden noch von hinnen Und diefen meinen ernften Gruß beftellt Dem Herzog Lancafter: mit allen Sinnen’ Sei ih bemüht, dem edlen Prinzenheld Su dienen, feine Huld mir zu gewinnen, . So weit's mit meiner Pflicht zuſammenhaͤlt! Doch weil’ die winkt, verhof ich ihm zu flören Sein Thun allhier. Bald fol er von mit Hören.
Und weil ich fuͤrcht', es möcht’ an feinem riſhe Nicht Alles ſo beſtellt im Lager ſein, Daß ſich ein Fuͤrſt geziemend dran erfriſche, Send' ich ihm dieſe hundert Flaſchen Wein, Allſammt von edler Traube, von Gemiſche Des Waſſers oder andrer Schwächung rein. Wann ei gebeut, werd ich aus treuen Händen Ihm als fein Mundfhent mehr dergleihen fenden.
Ihr, fort! Derweil noch Gnade gilt für | Recht!“ Sie stehn beſtuͤtzt. — Cr laͤßt ſich eilend zeigen, 11 *
. 164
Wie man fih hat begeitet zum Gefecht, Welch neue Schanzen aus der Erd’ entfteigen, Auch wie zur Wache Ritter zieht und Knecht, Und was der Feind thut im umſtell'nden Neigen. Da lacht er: „ſchaut! Wie nah dort zieht bie
u He Bon Säuen fonder Argwohn noch Gefährde!
Wohl freilih hat Fein Held ein Meer durch⸗ | ſchwommen
Um ſolchen gar nicht goldbefließten Chor! Doch ſoll'n ſie Euerm Magen gut bekommen. Zwickt Einen Ihresgleichen bier am Ohr! Wenn Jene dann den Klagelaut vernommen, Sie ſchwimmen durch den Graben her an's Thor!“ Man thut, was er gebeut. Im dichten Haufen Sieht man die Thiere nach dem Graben laufen.
Sie ftürzen fi in toller Wuth hinein; —
Ein Laͤrm ward’, ald ob Stadt und Geld fi fpalte!
Der Thiere Grunzen und der Hirten Schrei’n, Zugleih der Bürger Hohngelaͤchter, ſchallte Gewaltiglih bis in des Lagers Reih'n. Hoffend, daB man ber Heerde Meft erhalte, Rennt manch ein Krieger mit und ohne Waffen Herbei / dem Spuk ein ſchnelles Ziel zu ſchaffen.
A165
Da ruft der Bertrand: — feine Fühne Schaar Hatt? er ſchon langft an's naͤchſte Thor beftellt,— ‚Nun frifh! Nehmt Eure Zeit zum Ausfall wahr!" In Sattel fpringt er, daß die Ruͤſtung gellt,
Und ˖bricht hinaus. Der plöslihen Gefahr Entftäubt der überrafhte Feind durch's Feld. Nah hau'n die Franken ungeftüm und fleißig; Viel Britten fieht man todt, gefangen Dreifig!
Als unn mit Denen und im Klang von hellen Trompeten unfer Bertrand zog in’s Chor, Ihm nad die raich fieghaften Kampfgefelen, Wie ſcholl da Freud’:.und Dankesruf empor? Auch lachten viele Bürger von.den Wällen Zum Zend’ hinab: „thut Künftig hübfch, wie vor, Und huͤtet und manch mohlgepflegte Heerde! Das Holen, ſeht Ihr, macht und nicht Ber ſchwerde!“
Ohnmaͤchtig knirſchend, wie der Loͤw' am Gitter, Murrt manch ein Britte Drohungen zuruͤck. | Doc. ftilnahdenflih in dem Kreis der Ritter Sigt Herzog Lancaſter, und ſenkt den Blick.
Man fpriht ibm zu; man höhnt die Gegner bitter, Und ihm verbeißt man Sieg und nahes Glüd.
Ein Juͤngling ruft: „was ift doch nur geſchehen, Um fo bedenklich fauer dreinzufehen!
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Zwölf hundert fhmup’ge Beſtien find geftohlen, . Und noch zweidundert Wagen mit Proviant,
Doch der fi unterftand , es abzuholen
Und in die Stadt eindrang, der Tee Kant,
Hat er etwa ein Heer an feinen Sohlen?
Mit Nichten! ?S ift den Bauern wohlbelannf, Die er entließ: er machte all das Lärmen
Mit ſechszig Reitern! Der kann plündern, ſchwaͤrmen,
Und weiter gar nichts; glaubt mir's auf mein | Wort!“ Der Lancaſter ſieht ihn unwillig an, Und ſpricht: „als ich im Lager ſah den Mord Und grimm'gen Brand, meint' ich, ein Heeresbann Sei angeſtuͤrmt, und dachte: gut, nur fort! Wir zwingen Euch! — Doch weil ein einz'ger Mann Mit ſechzig Reitern das hat angefangen, Könnt’ ich — waͤr's moͤglich! — ſolchem Feind’ erbangen.
Und dann die ſitt'gen Gruß und edle Gabe, Die Großmuth, die aus feinem Handeln fpriht !"— „Das iſt's, was ih an ihm erfahren habe!‘
Ruft Herr La Poule, und giebt auch den Bericht, Wie Bertrand frifh mit Schuͤtz' und Edelknabe Und Knecht aus feinen Schaaren lebt und ficht, Und ſchildert all ſein Ueben, Tummeln, Schwenfen ; — Der Herzog ſagt: „Ihr gebt mir viel zu denken!
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Er ift, nur er ein Feind, wie meine Seele Ihn Längft gewuͤnſcht hat, und nun faſt ihn ſcheut! Ein aͤchtek Kriegeheld, ſonder Furcht noch Fehle, Dem Gluͤck und Werth vereinigt Kraͤnze ſtreut, So daß ich ſchon jedwede Stunde zaͤhle,
Bis mich fein edler Anblick einſt erfreut! Ging' es nach meinem herzlichen Verlangen, Ich moͤcht' im Lager ihn als Gaſt empfangen!“
Der Sraf von Pembroot ſprach: „ein Held, an Sitten & zart, wie Der ‚ift wohl fehr gern bereit, Zu ftellen fi in Eures Lagers Mitten, Henn Ihr ihm Ladung fendet und Geleit.“ — „Wohl!“ ruft der Feldherr. „Zu mir fol ihn bitten Ein Herold in ehrſamer Freundlichkeit, | Sobald der Morgen firahlt auf unfre Wielen, Und drei Begleiter mag er fi erlieſen!“ —
| Geſagt, gethan! — Das Frühroth funkelt helle, Der Herold trabt zur Stadt in Wappenpract,
Und trifft am Thor den Penhoet zur Stelle,
Und wirbt den Gruß. Der Ritter fchweigt,. bedacht,
Ob auch ſein Freund mit Sicherheit ſich ſtelle,
So ſchwach umſchirmt, in Mitten zorn’ger Macht!
Doch endlich ſpricht er: „ſieh, dort kommt der Held!
Set die Entſcheidung auf ihn ſelbſt geſtellt!“
4168
Der Bertrand Fam bie Strafe hergesangen Mit etwa noch fünf andern Edelleuten, Die maͤcht'ge Streitart um den Hals gehangen, Sm fhwarzen Mod, dem felten nur erneuten! — Der Herold, ihn zu ſchauen vol Verlangen, Fragt dreimal wohl, und laßt fi kaum bedeuten, Und murmelt endlih: „Der? — man fpottet mein! Der Schwarze mag ein Straßenräuber ſeyn!
Der mit der Streitert an dem. Lederbande? Was? Der mit wilden, dunkelſtrupp'gem Haar ?“— Da fpriht Herr Penhost: „nicht Deinem Stande, Mein Herold, ziemt's, der Weberlegung baar,
So binzufhwagen! Mad” Dir felbit niht Schande,
Und wirf Dich nicht in tödtlihe Gefahr. Denn hört der Gueſclin folhen Spruch Dich halten, Wird er mit felb’ger Streitart Dich zerſpalten!“
Da kommt's den Herold an, wie heft’ges Beben,
Sumal, da Vertrand mehr und mehr fi fih naht;
Er flüftert zu Herr'n Penhoet: „mein Leben,
D Herr, verdan ih Euerm Wink und Rath,
Und bin dafür Euch lebenslang ergeben !’
Dann ſenkt er beide Knie auf Bertrands Pfad, Reicht den Seleitsbrief ihm nad edler Sitte,
Und kuͤndet feines Seldherrn Gruß und Bitte,
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Herr Bertrand hebt Ihn auf mit holdem Wefen, Und läßt von Einem, der fid drauf verftand, Laut den Seleiteöbrief vor Allen leſen; Dann fpriht er: „edle Gunſt thut mir befannt Der hohe Fuͤrſt, der Dich zur Fahrt erlefen! Bald komm' ich felbft und Füffe feine Hand.’ — . Der Herold geht, beſchenkt von Bertrand’s Hulden Mit einem Sammtkleid und mit hundert Gulden, _
Nachmittags, mit drei ftattlihen Genoffen, Die er zu diefem Nitt fih auserwaͤhlt, Zieht Bertrand fort, fie AU auf edlen Roſſen, Im Schmuc der vollen Rüftung blanfgeftählt. Kaum it das Thor vor ihnen aufgefchloflen, Als fchon ihre Blick vier edle Britten zählt, Die ihnen reichgeſchmuͤckt entgegenreiten, Eie felerlih in's Lager zu geleiten.
Der Herold bIäft vorauf. Dem ganzen Heere Bar es befannt, der Bertrand wolle kommen; Und da ift Keiner, der nicht eifrig wäre, -
Bu rufen ein: „Lebhoch!“ und ein: „Willkommen!“
Dem edlen Schnitter, der mit Schwerdt und Speere
So oft den Preis ans blut'gem Feld’ entnommen.
Sie fammeln fih gedrängt und flüftern leife:
„Schön iſt er nicht, Doch von recht edler Weite!
170
Wie wild auch fein Gelod ift augufhauen, Sein Bart wie ſchwarz, und dunkel fein Geſicht, — Doch läßt ſich's gut auf finftre Klippen bauen; Stät halten fie im Sturm das Rettungsliht! — Die Zauite find was breit! Doc folhe hauen Und ſtoßen Fühn, wo ſich's nah Ehren ficht!“ — Der Bertrand hoͤrt's vergnügt; denn jedem Tadel Miſcht ſich ein Lob auf feinen Kriegesadel.
Der Felbherruwohnung nah, fpringt er vom Pferde;
Die Herrn La Poule und Chandos find bereit, Ihn zu empfab’n; mit feiernder Geberde Etehn rechts und linke die Schüßen wohlgereih't. Der Lancafter tritt vor. Ein Knie jur Erde, — Wie es die Sitte wollt? In jener Zeit, — Gruͤßt Bertrand ibn. Nah höflich edlen Pflichten Beeilt fih Jener, Ihn empor zu richten,
Nun gehn die Worte zierlih bin und wieder, Und wärb’gen Sinned Stempel dDraufgeprägt, Bis Guefclin fpriht: „Euch dien’ ich froh und bieder, Bo fih’s mit meines Herzogs Dienft vertraͤgt!“ Die Mahnung ift dem Lancafter zuwider; Er fragt, von kaum verhaltnem Zorn bewegt: „Sur Herzog? Habt die Gut’, ihn mir zu neunen! Ich kann nur Einen bier zu Land’ erlennen.
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Und dem feld, leider! Ihe noch nicht verpflichtet, Dem jungen Montfort, Stau Johanna's Sohn!" — Bertrand erwiedert: „noch hat nicht verzichtet Der Herzog Karl von Blois auf feinen Thron. Mich dünkt, er hat genug ſchon ausgerichtet,
Um feft zu ftehn vor bes Vergeffens Hohn!’ —
Der Andre fpriht: „viel Blut noch wird gefpendet
Ch das, mein Bertrand, wie Ihr's wuͤnſcht, ſich endet!
Da reißt noch Hunger, Seudy’ und zorn'ges Erz Wohl hunderttauſend Menſchen in's Verderben!“ Dem Bertrand ſchwillt bereits das kuͤhne Herz; Doch lacht er: „laßt ein Dutzend druͤber ſterben, Mein Prinz! Uns troͤſtet ein Soldatenſcherz,
Daß dann die Andern ihre Roͤcke erben!“ Der Prinz umarmt ihn, ſprechend: „Herr, ſolch Wuͤthen Und blut'ges Erben koͤnnt Ihr leicht verhuͤten!
Gewiß, wenn Ihr zu Montfort's Sache ſtaͤndet, Ich gäb’ Euch, —“ aber weiter ſpricht er nicht, Weil Bertrand wild die Augen rollt und. wendet, Zornroth im ganzen edlen Angelicht,
Ausrufend: „was den wadern Kriegemann ſchaͤndet, Ihm ſchuͤrt die Hol” und Löfcht der Ehre Licht, — Fürwahr, ein Prinz, wie Ihr, kann's nle begehrten, Ein Edelmann, wie ich, es nie gewähren!
172
Nein, Eurer Huld und Gnade werth zu bleiben, Muß ich verſchmaͤh'n, was Ihr mir zugedacht! Doch wenn einjt diefem bintig ernften Treiben Der ehrenvolle Fried’ ein Ende macht,
- Dann laß ich freudig meinen Namen fchreiben, Sn Ewr Gefolg' und heif in blut’ger Jagd, Wo's irgend fei, Euch, meinem hohen Obern Ein Königreich zum würd’gen Sitz erobern!”
„Sott wahre Dig!’ — ruft Lancafter, — „Du | Bluͤthe Des mitterthums! — und nimmt ihn in den Arm, — „Du Licht, das früh fo makelrein ergluͤhte!“ — Da tritt ein Feder Degen aus dem Schwarm, Und fpriht: „Ihre Held von alfo felt’ner Güter So reich an Kraft, fo frei von Schen und Harm, Laßt im Vertrau'n auf Eure feinen Sitten Mi eine Heine Sunft von Euch erbitten! —
Denkt Ihr noch an Schloß Fougeray bisweilen ?’.- „Sa; gern und oft!“ — „Ich oft. Doch gern juft nicht! Mic traf 'ne Wunde dort; Ihr müßt fie heilen!’ — „Euch? Dort? — Ich fah noch nie Eu'r Angeſicht.“ — „Sonft fönnten Luft und Licht wir ja nicht theilen, Todt läge Ihr oder ih nach ſtrenger Pflicht! Wilhelm Brembo bin ih, des Wetters werth,
Den Ih erſchlugt, und fordr’ Euch auf das Schwert!
Vielmehr: — um doch der Sitte zu genügen, Der feinen, die in diefen Landen gilt! — Ich ditt’ Euch um das zierlihe Vergnügen: Stellt. Euch zu Roffe mir mit Schwert uud Schild, Daß Jeder mit drei kraͤft'gen Klingenzügen Sein Beſtes thu'! — Mein Fuͤrſt wohl zeigt fich mild, Und gönnt Euch, dem fo hoch geehrten Nitter, Vergunft zum Kampf im freien Schranfengitter !—
Mein lieber Herr, Ihr ſchenkt mir viel Vers
gnuͤgen!“
East Bertrand, faſſend Brembo’s Hand. „Es gilt!
Doch wollt Ihr an drei Hieben Euch begnügen ?
Drei andre fuͤg' ich zu! Ihr nennt mich mild
Und artig, und das fol Euch nicht betruͤgen!“
. Dann fpriht zum Prinzen er: „mit Schwert und Schild,
D Herr, will mich bewirthen Euer Ritter,
Goͤnnt und Vergunft und freies Schranfengitter!.
Der edle Fuͤrſt rot zürnend feinen Bit Dem Rohen zu, der frech den Gaft beleidigt. Doch ehrnen Arm fchon drängte das Geſchick Sn beitern Gruß. Es wird nicht mehr geſchmeidigt Denn Ehre kennt nur: Vorwärts! keiif: Zuruͤck! — So winkt er: „Ja!“ — die Gegner find vereidigt, Auf Morgen ſich als biedre Kampfgefelen Mit Schwert und Schild und Roß Hier einzuftellen. —
174
Als das Geſchaͤft beſtimmt war und beſchloſſen,
Gab man Confekt herum und edlen Wein,
Und Alles ward in heitrer Luſt genoſſen,
Und Scherz und Lied zog bei den Helden ein.
Da waͤhlte Lancaſter aus ſeinen Roſſen
Das ſchoͤnſt', und bat: „ſprecht diesmal nicht mir Nein,
O edler Bertrand! Laßt mich froͤhlich ſchalten!
Ihr ſollt und muͤßt von mir dies Pferd behalten!“
Herzklopfend ſieht den leichtgehuften Britten Der Held, und wie der wieh'rt und muthig ſchnaubt, Sinnt er, und freut ſich, daß nach edlen Sitten Ihm ſolcher Gab' Empfangen iſt erlaubt.
Er dankt, und ſchwingt ſich auf, und ſpricht: „in Mitten Des Kampfes morgen, wann die Rennbahn ſtaubt, Hoff’ ih, dies edle Streitroß fo zu reiten,
D Prinz, daß Eure Huld mich fol begleiten!”
Er grüßt, und wendet fih. Mit edlem Zuge Wird er zurüdgeleitet, wie er fm, Und Rennes jauchzt. Doc kaum, daß man von Zuge, Den er auf morgen vorhat, was vernahm, So murmelt man erfähredt vom Feindestruge, Und alle Herzen faßt ein banger Gram.
„Sie woll’n gewiß" — tönt laut zuletzt das Klagen — | „Berräth’rifh ung die Bier der Stadt erſchlagen!“
Selöft Penhoet, der ehrenfefte Ritter, Vergißt im raſchen Eifer fih, und fpricht: „Feſt halt’ ich morgen zu die Thoresgitter, So wird gewiß der ſchlimme Kampf aumidıt!' Doch Bertrand neigt ſich höflich ihm, ale bitt’ er Sanft um Vergunft, und flüftert: „kommt das
Licht
Durh’s Thor, fo komm' im Guten oder Böfen Auch ich hinaus, mein ehrbar Wort zu löfen!"
Der edle Penhoet, in Schaam erröthend Db feiner Irrung, fpriht zum Kampfe Sa. „Gluͤckauf!“ ruft Bertrand, tobt nun oder toͤdtend, Bleib’ ich doch froh der lichten Ehre nah. Verſunknen Tag mit neuem Morgen röthend, Preiſt Zukunft, was in folhem Licht geſchah! Der Shmah und Schande fucht, wird dort ſie findenz Die Treue kann auch fterbend überwinden!
Doch nicht ein folcher Feind fteht gegenüber,
In deſſen Herz fi Lug und Mordluft theilt. Ihr Eennt ja Englands Volt! Ob etwas trüber,. In fi verfentt, ihe Geiſt noch wägt und weilt, Wenn unfrer, funfenpraffelnd, raſch hinüber So Klipp' ald Meer, zum kuͤhnen Ziel enteilt, — Stets bleibt dies Ziel — es zeugt mir bie Hiſtorie Jedweder Zeit — für fie und uns nur Glorie!
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Laßt denn vereint dahin uns fürberwallen, Obgleich in wechſelſeit'gem Kampf umd Blut, Und möge jeder Zweifelmahn zerfallen, Der Schmach den edeln Feindeshelden hut! — Er ſprach's und ging. — Bis zu der Fruͤhluft Wallen Hat er in füßen Schlummerd Arm geruht. Dann in der Kirche fleht ex fromm zum Werke, Zum Siegen oder Tod, um Heil und Staͤrke.
als er hinaus nun tritt im fonn’gen Flitter Der Harnifchnracht, noch unbehelmt das Haupt, Da wogt das Volk, und murrt, wie ein Gewitter, Und fhwört, daß es den Kampf ihm nie erlaubt. Dort fleht ein Ruf ihn ſuͤß! Dort ſpoͤttelt bitter Ein andrer! — Doch er fpriht: „ſeid il, und
glaubt!
Gott waltet, ob’ in Tod, in Sieg fih endet; — Und Eur und meine Ehr' ift dort verpfaͤndet!“ —
. Sie ſchweigen vor hen einfach maͤcht'gen Worten. Ernft reitet er und langſam durch die Gaſſen. - Sein warten feiernd an den Thorespforten Sieur Penhoet und alle Ritterfaflen, Die jest die Stadt vereint. Doch harrt auch orten; Als wolle Rennes ihn, durchaus nicht laſſen, Nochmals der zart beforgten. Liebe Streit: Die Tante naht fih ihm in bitterm Leid; *
—
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Die Tante, bie fo Hold ihn ehmals beste, Eo treu ihn warnte vor gemeinem Krieg, Ihn wie ein eignes liebes Söhnlein pflegte, » Als wund er lag von jenem Ringerfieg! Gewiß, fein ganzes treues Herz bemegte Sich heiß, da auf nun das Nergang’ne flieg, ‚Und die ihn einft, wie im heilträft’gen Bade, Bon Laftern wufch, num rief: „Held, eine Guade!
Im Namen alles Volles! Nicht ſollſt Du reiten
Zum Kampf! Du ftehft bei uns in größrer Schuld!“ Er lächelt fanft: „einſt wolltet Ihr bereiten Mir wilden Etrauhe Pfleg’ in zarter Huld. Nun fi der Schägling will zum Baume breiten, Mögt Ihr ihm da In banger Ungeduld, Noch eh?’ er Früchte trägt, die Hefte brechen? — Der Zeind, o Tante, hat ja mein Verſprechen!“
Schwer feufzet fe in ihrem bangen Harme: „S9 ieh’ ich dena Dich nun zum Lehtenmal! So kuͤſſe mich zum Letztenmal, mich Arme, Und reite dann hinaus nah blut'ger Wahl!“ Schon hebt ſie leiſe zu ihm auf die Arme, — Gr fluͤſtert: „bitt? Euch, auf ein Andermal! Ihr ehrt mi hoch. Jedoch vor fo viel Leuten ? Man könnt’ es Euch und mir wohl feltfam deuten!“
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Daun fast er laut: „Ihr Teht nun ſchon: ver: J geſſen Kann ich das Zugeſagte nimmermehr! Doch Euch auch geb’ ih — nennt es nicht vermeſſen! — Mein Wort auf meine heitre Wiederkehr, und daß bei Ench ih will zu Mittag eflen, Auch: fröhlich trinfen, Doch nicht allzufehr! Gruͤßt mir den Oheim! Meldet ihm den Gall, Und lebt huͤbſch wohl! — Mich drängt dig Zeitzur Haſt!“
Dann kehrt er fih zum Penhoet, und ſpricht: „O Herr, wollt mir Vergunft zum Kampfe geben! Denn ohne ben zu reiten, ziemt mir nit!’ — Der Ritter fagt: „zeuch bin, Du tapfres‘Xeben, Du ebler Bertrand! Unſern Ruhm verficht! Niemand mag ſchoͤner wohl fein Schwerbt erheben, Su zeigen aller Welt im Kampfesringe Unüberwinblich fei Bretagnes Klinge!‘
Der Kämpfer dankt in Sreuden, und begehrt Drei Stüdlein Brodt zu einem Becher Wein, Die er eintauhend ftill und ernſt verzehrt; Fromm blickt er dazu in ſich felbft hinein; — Iſt irgend wer der hoben Deutung werth,
Dem wird’ ein Wort hinzu nur Störung fein, — Und wem nie heil’ge Ahnung iſt erflungen,
Fuͤr Den ift diefes Lied auch nicht gefungen ! —
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Nun laͤßt der Bertrand feinen Helm ſich reichen, Und fegt ihn auf, und ſchnallt ihn forgfam feft. Seht, wie die riefgen Federn mann'shoch ftreichen Im Lüftefpiell Es quillt der Ueberreſt In bunten Wel’n bis auf den goldesreichen, Stahlblanken Sattelbogen! Hell zum Zeft Geordnet, wallen ringsher farb’ge Deden,
Die halb den Nenner ſchmuͤcken, halb verfieden,
So teitet feierlich er aus dem Thor, Wo Englands Herold feiner harrt, umgeben Don feines ganzen Heer’d Trompetendor. Die laffen fhmetternd gleich die Luft erbeben; Kühn dringt bie jubelnde Fanfar’ empor, Derweile Die aus Rennes Antwort geben, Daß fchier die Mauern und die Thuͤrme wanken; — Fern zeigt der Brembro ſchon ſich in den Schranken;
Der Fuͤrſt am Kreis, und all ſein Hof und Heer, Erwartend, daß ſich unſer Gueſclin ſtelſe. Der trabt, gezuͤckt die blanke Klingenwehr, Den Schild am Hals, in freud’ger Waffenhelle Hinan, und grüßt. Ernſt ſchaut der Prinz umher, Und da am Platz hält jeder Kampfgefelle, Alzwei bereit zum ritterlihen Kriegen, Biebt er den ei, und ihre Roſſe fliegen! 42 *
L
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Fliegen in Skturmesſchnelle durch ben Plan, Hart aneinander bin! Die Klingen. bligen, Die Rüftung dröhnt! — Und Aller Augen fah’n Den Bertrand wanfen, helles Blut entfprißen Aud Brembro’s Arm, doch auch am Ziel der Bahn Die Kämpfer Beide feft im Sattel figen. Dem Bertrand traf dad Schild ein mächt’ger Stoß, Doc ward der Schwanlende nicht bügellos.
Der Brembro zählt die Wunde zu ben Schram: j men,
Und macht ſich gleich zum zweiten Gang bereit; Und wieder zuͤrnend raffeln fie zuſammen, Und Beider Hieb erdröhnet furchtbar weit, Und Funken fprüh’n vom Harniſch, beinah Flammen! Doch unverletzt vom grauenvollen Streit, Wie Löwen ruͤſt'ger ſtets und zormestrüber, Hält ſich das Paar der Kämpfer gegenüber.
Zum drittenmal nun tönt das freud'ge Klingen, Das Roß und Mann in tiefiter Bruft erregt, And beide Säule, wild wie Drachen, fhwingen So Mähn’ als Schweif; der ftarfe Brembro ſchlaͤgt Auf Bertraud’s Harnifch, daß die Schienen fpringen, Doch bleibt der Held wundlos und unbewegt, Und ftößt fein Schwert durch feines Feindes Schild, Durch's Panzerhemd — jedoch Fein Blut entquilt
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Zuletzt noch war der Stoß vom Leib geglitten; — Faſt ſcheint der Sieg auf beiden Seiten gleich; — Schon: „Frieden 1 rufen will der Prinz ber Britten. Da ſpricht mein Bertrand: „ward im Echranfenreic | Ja heut’ noch nit zum Preis der Frau'n geritten! Herr Brembro, feid Ihr müde ſchon und bleich? Sonſt möcht? ich gern zu folhem Nitt Euch fodern, Weil nun erſt recht mir Kraft und Much entlodern!
Auch Hab’ ih, Enerm Feldherrn bier zu Ehren, Bis jetzt. Euch allzuhoͤflich wohl gefchont, Und möcht? Euch gern vor unfrem Scheiben Ichren, Daß Kraft in den Bretagnerhelden wohnt! Gefällt es Cuch?“ — die folgen Worte mehren Den Stolz, ber ſchon in Brembro’s Buſen thront. „Trompeter,“ — zuft er, — „blaſt!“ und faßt die
"Klinge
zum wäthrgen Stoß. Ihm Hirr’n bie Handſchuhringe.
„Trompeter, halt!“ fo ruft der Prinz dazwiſchen. „Soll denn durchaus ſich dieſer Wieſengrund Mit eines Helden Todesblut erfriſchen?
Wollt Ihe erfreu’n der grimmen Furien Bund? Eeid Ihr gehetzt dur ihrer Nattern Sifhen?! — ‚Genug! — Ihr gabt Euch Beide ruͤhmlich Fund. Als edler Väter muthbefhwingte Söhne! — Goͤnnt, daß ih Eu anf diefem Platz verfühnel”—
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Jedoch die Kämpfer Halten ſtumm und ſtaͤt, @ifern, wie ihre ftarre Waffenhuͤlle. Und was noch endlich ihrem Mund’ entweht,
Iſt nur der Ruf: „erfuͤll?, o Fuͤrſt, erfülle,
Bas Du im Namen britt’fher Majeſtaͤt Verbeißen Haft! Es war Dein eigner Wille!
Laß und den Schwerterfampf zu Ende bringen! . Sum mind’ften Einen Gang noch unfern Klingen!
„Ihr wollte, Ihr zornig ehrnen Nachtgeftalten 1” So ruft der Fuͤrſt. „Wohlen! Nach trübem Recht Moͤcht Ihr noch einen einz’gen Kampfritt halten, - Doch dann, fürwahr, beend’ ih das Gefecht.” — Er hob die Hand, und die Trompeten fchallten, Die Nitter jagten; — wie ein Dorngefledt Sah man fie plöglich ineinander ranken, Und ungeldft wild hin und wieder ſchwanken. . Dem Bertrand ſaß des Brembro's Schwert im Schilde, Dem Brembro Bertrand’s Schwert tiefinder Hüfte; Da riffen fie erft hin und Ber, wie Wilde, - Als rammten Anker fie an Felfenklüfte, — Doch endlich fiel das biutige Gebilde, Der Brembro, todt; — laut drang durch alle Lüfte ° Der Dritten Klage! — feft noch ſteckt fein Schwert Tu Bertrand’s Schild. Dergreift nun auch fein Pferd ;
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Und Halt nun ehrfam in der Rennbahn Mitten, Neigt fi dem Prinzen feierlich und ſpricht: „Mit Einem Roß und Schwert Fam ich geritten; - Mit Sweien Fehr’ ich: aus dem Kampfgericht. Die Say? iſt, hoff? ich, ehrbar ausgeftritten, Und gern entied’g’ ich mic der holden Pflicht, Beim Wegzieh'n aus den ehrenvollen Schranken Euch, Herr, für Schutz und Sicherheit zu danlen.
„Fahr' Du mit Gott, Du ritterliher Degen!" So fpriht der Prinz. „Die Ehre folgt Dir nah!” Heim wendet ſich der Held mit diefem Seegen; Biel Dritten murmeln wild von Blut und Schmach; Denn keinen. Beſſern mocht' ihr Lager hegen, Als Den, def Kraft vor Bertrand's Klinge brach. Der Sieger zog mit. unbefang’nen Sinnen, Den Herold bei fi, fromm und froh von innen;
und ſchenkt ihm, als man nun der Stadt ſich nabhte, Zum Angedenken das erliegte Pferd, - An eigner Herrlichkeit und reihem Staate; Der heut?’ es ſchmuͤckte, vieles Goldes wert. Der Herold rief: „mir koͤniglichem Rathe Schenkt immer mehr Ihr, als das Herz begehrt Y' Und ritt zurüd, um in bes Lagers Kreifen Den Ruhm des Reichbegabenden zu preifen.
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Derweile Hang in Rennes frohen Gaffen Die Siegesbotſchaft hell von Haus zu Hand, Und Niemand kann für fih die Freube faſſen, Nein, Jeder läuft zu Andern rafch hinaus, Sie unter Gottes Himmel auszulaffen, Ummogt, umtönt vom muntern Volksgebraus. Als unfer Bertrand durch bie Pforten reitet, Iſt allwaͤrts ein Triumph ihm fchon bereitet,
Ein andrer viel, ald da er — raſcher Knabe! — Den ſchlechten Sieg im Ringerfpiel errang! Er finnt darnach zurüd, und Gotted Gabe Preiſet er im ſtillen, feel’gen Herzensdank, Und giebt der Hand den Ruhm, bie ihn am Stabe Des Glaubens unfihtbar zur Höhe ſchwang, Wo weitre Gelder fi zu fernen Jahren Des ſchoͤnen Ruhm's ihm ahnend offenbaren. —
Wie ehmals lenkt des Auges Luftgebraufe —
Held, fieh doch auf die heitre Gegenwart! — Sich wieder nach bed wadern Onkels Haufe, : Der fammt der Tante:vor der Thuͤre harrt. „Willkommen“ — rufen fie — „in uufeer Klaufe, Die nie fo hoch, als heut, verherrliht ward. Schön haft Du Pfleg’ und Obdach ihr vergolten!“ — „Gelt,“ — lächelt er, — „heut werd’ ich- nicht ges
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Er ſchwingt vom Roſſe fih- Zum beitern Mahle Fuͤhrt ihn das liebevolle Paar hinein. Den Traulihen erglänget im Pokale Der Weder hellerer Luft, ber edle Wein; Ruͤck wendet dad Gefpräc wohl bundertmale Sich anf des Helden frühfte Kinderei’n. Der fpriht: „wohl mußt? ih mir zu Heil und
Grauen
Damals den bäßlihen Triumphzug fchauen |
Beratung fölehten Ruh'ms! — Die lerne frübe, Mer nach dem achten Ruhme denkt zu ringen, Daß nicht ſein Herz fuͤr Truggebild' ergluͤhe, Daß nicht er in des Laſters niedern Schlingen Wie Herkules bei Omphale ſich muͤhe!“ — Wirth laͤßt und Wirthin froh die Glaͤſer klingen, Und wiederholen's: „wer nah Ruhm will traten, Der lerne früh, den ſchlechten Ruhm verachten!“
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Erläuterungen
sum adten Geſange:
Eeite 163:
„Wenn er's gebeut, werd’ ih aus treuen Händen
Ihm als fein Mundſchenk mehr der: sleihen ſenden.“
In unfrer, bisweilen in Derbbeit nach Kraft fnhenden Zeit mag es wohl Einen oder den An: dern befremben, den Bertrand zu einem feindlichen Fürften fo böflih reden zu hörten; ja, man findet es vielleiht gar tadelnswerth, daß er feinem Feinde den Proviant verftärkt. Für die erftie Cinwendung habe ih nur die Antwort: es war die Farbe-jener Menfhen, und fie zeigten fi nicht eben ſchwaͤcher drum. — Auf den zweiten Zabel dient zur Erwie- derung, daß die Armee nicht von der Tafel bes commandirenden Generals beföftigt werben kann, und daß es foger zu den nicht feltnen Klugheites maaßregeln belagerter Kommandanten gehött, ben einfchließenden Anführern durch Geſchenke an Le:
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bensmitteln zu zeigen oder glauben zu machen, man fei mit überflüffigen Vorraͤthen verfehn. -
Eate 175:
Stellt Euch zu NRoffe mir mit Ä Schwert und Schild,“
Das fheint vielleicht mit dem Frühergefagten über den Gebraud des Schildes im Widerfpruch zu ſtehn, aber es fheint nur fo, wenn man bie Sache einer nähern Betrachtung würdigt. Was man als einzelner Fechter zu Roß mit dem Schilde bei Zweikaͤmpfen thun Eonnte, war deswegen noch . in der Schlacht nicht ausführbar oder überhaupt im wildern Getämmel. Ueberhaupt fpricht es für meine Anfiht, daß man in den alten Büchern bei folhen Sweildmpfen immer vom Schild am Halfe reden hört. Auch unfre Chronik fagt, bie Kämpfer felen erfchienen: „Pecupenduaucol“. Beim Fußgefecht hatte man den Schilb am Arm, und warf ihn nur dann am Halsriemen ruͤckwaͤrts, wenn man — wie im Nibelungenliede der wüthende Hagene — dns Schwert mit beiden Händen faflen, und ohne alle Küdfiht anf Vertheidigung fechten wollte. Das Schild aber zu Moß durch eine be: ftimmte Vorrichtung am Hals des Neiterd hängend,
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ließ unter ſich der linken Hand Freiheit zur Fuͤh⸗ rung der Zuͤgel. Vielleicht, daß man dieſe in ein⸗ zelnen entſcheidenden Augenblicken los ließ, um das Schild zur Vertheidigung zu ſchwingen. Es war alſo damit gerade das umgekehrte Verhaͤltniß, wie bei'm Fußgefecht. Einmal das Loslaſſen bes Schildes, das Andremal deſſen Fuͤhrung ein Wageſtuͤck! |
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Bertrand Du-Gueſclin.
Neunter Geſang.
Der Kampf, den